Platz
Im Gespräch

Inmitten der Trümmer überwiegt die Dankbarkeit

Bei dem Brand in Platz vor knapp einem Monat verlor Pia Schlereth fast ihre ganze Habe. Immer wieder denkt die 22-Jährige darüber nach, was hätte passieren können und was im Leben wirklich zählt.
Pia Schlereth in den Trümmern der Scheune. Doch das zarte Grün am Baum zeigt, dass das Leben nach dem Großbrand weiter geht. Das Schild mit der 22 erinnert an ihren Geburtstag, den sie am Wochenende zuvor in der Scheune feierte.
Pia Schlereth in den Trümmern der Scheune. Doch das zarte Grün am Baum zeigt, dass das Leben nach dem Großbrand weiter geht. Das Schild mit der 22 erinnert an ihren Geburtstag, den sie am Wochenende zuvor in der Scheune feierte. Foto: Marion Eckert

Fast einen Monat ist der große Brand in Platz nun her. Die Aufräumarbeiten haben begonnen. Der erste Schock ist mehr oder weniger verdaut. Für Pia Schlereth, ihre Nachbarn, ja den ganzen Ort Platz wird der 10. August 2022 unvergessen bleiben. Sieben Anwesen waren durch den Brand betroffen, Drei Wohnhäuser, die leer standen und sieben Scheunen brannten ab, weitere vier Wohnhäuser wurden teilweise beschädigt beziehungsweise waren oder sind nicht bewohnbar.

In einem dieser derzeit nicht bewohnbaren Häuser lebt eigentlich Pia Schlereth. Im Moment kommt sie nur nach Platz, um nach ihrer Post zu schauen. Sie wohnt vorübergehend bei ihrem Freund und dessen Familie in Züntersbach. Wann sie wieder zurück in ihre Wohnung kann, sei derzeit noch unklar, sagt sie. Nach Rauch riecht es in der Wohnung kaum noch. Aber das Sofa ist mit einer dünnen Ascheschicht überzogen. "Es wird den ganzen Tag gelüftet. Doch das Sofa muss ich wohl entsorgen. Den Geruch bekomme ich nicht mehr weg."

Dabei war Pia Schlereth erst kürzlich mit der Wohnungseinrichtung fertig geworden, das Sofa hat sie vor einigen Monaten erst angeschafft. "Was soll's es sind nur Möbel. Wichtig ist, dass niemand zu Schaden kam." Der Brand habe sie nachdenklich werden lassen. Was zählt im Leben? Was ist wirklich wichtig? Ein Sofa? Bilder und Erinnerungen? Ihre Kleidung und Schuhe? Pia Schlereth kam für sich zur Erkenntnis, dass es schön ist, diese Dinge zu besitzen und sich leisten zu können, sie im Ernstfall aber keine Bedeutung mehr haben und letztlich ersetzbar sind. "Wichtig ist das Leben. Ich bin dankbar, dass niemand im Feuer verletzt wurde oder....", sie spricht den Satz nicht zu Ende.

Schlimme Nachricht nach Feierabend

Am 10. August war Pia Schlereth arbeiten. Als sie Feierabend machte und auf ihr Handy schaute war sie mehr als überrascht. Acht Anrufe. Von ihrer Mutter und der Schwester ihres Freundes. "Bei euch brennt's" lautete eine Nachricht. Die Mutter: "Du fährt kein Auto mehr. Dein Haus steht vielleicht nicht mehr". Pia Schlereth erinnert sich: "Ich wusste nicht was los war. Brennt meine Wohnung? Was ist mit meinen Nachbarn? Meine Sachen? Mein Puls war auf 140. Ich zitterte. Mein Arbeitskollege fuhr mich nach Platz. Wie Falschgeld bin ich herumgelaufen." Zu ihrem Haus durfte sie nicht. Die Feuerwehr sicherte den Ort ab. Pia Schlereth wurde zunächst von Sanitätern in Empfang genommen. "Ich weiß nicht mehr was ich alles gedacht habe."

Nur wenige Überbleibsel

Am Wochenende vor dem Brand hatte Pia Schlereth in der Scheune, die zum angemieteten Haus gehört, ihren 22. Geburtstag gefeiert. Im Grunde ist das runde Schild mit der 22 das einzige was ihr aus der Scheune geblieben ist. Ihr Fahrrad, ein Bett aus Jugendzeiten, Brennholz, Alufelgen, ihr selbst gezimmertes Paletten-Sofa mit den maßgeschneiderten Auflagen - alles verbrannt. "Eigentlich ist nichts davon übrig. Bis auf den Grill, der hat es überlebt, sieht wie frisch ausgepackt aus. Und ein Tontöpfchen, ein Überbleibsel von meinem Geburtstag ist auch ganz geblieben."

Auch wenn Pia Schlereth nun der Hausratversicherung alles penibel auflisten und nachweisen muss, steht die Dankbarkeit im Vordergrund. "Was hätte alles passieren können, darüber denke ich immer wieder nach." Direkt neben der abgebrannten Scheune steht ein Gastank. Die Leitung zu ihrem Haus sei zwar zerstört, ebenso wie die Stromleitung, doch der Feuerwehr gelang es den Tank soweit zu schützen, dass er nicht explodierte. Die unterbrochenen Leitungen wie auch die geborstenen Außenscheiben der Fensterverglasung und der Türe sind der Grund, dass Pia Schlereth noch nicht zurück in ihre Wohnung kann. "Es ist soviel zu klären. Für was ist der Vermieter zuständig? Was muss ich melden? Was kann schon aufgeräumt werden? Das dauert wohl noch eine Weile."

Zwei glückliche "Zufälle"

Und noch zwei "Zufälle" retteten wohl das Haus in dem Pia Schlereth ihre Wohnung hat. Ihr Vater habe kurz vor dem Brand die Hecke zurück geschnitten und die Außenfassade des Hauses besteht aus Buchenholz, das nicht so schnell wie die Fichtenbretter der Scheune Feuer fingen. Am Abend des Brandes durfte sie kurz in ihre Wohnung, um die nötigsten Unterlagen und Kleidung zusammen zu packen. Alles war verqualmt. Ein Feuerwehrmann begleitete sie, um für ihre Sicherheit Sorge zu tragen.

"Da ist nichts mehr wichtig, keine Dekoration, keine Bilder oder sonst etwas. Ich wusste meinen Nachbarn war nichts geschehen, das war wichtig." Dass sie im Anschluss vier Tage lang ihre komplette Garderobe waschen musste, weil alles nach Rauch gerochen habe, wollte sie nur der Vollständigkeit halber erwähnt haben. Wichtig ist ihr: "Dankbar bin ich für die Einsatzbereitschaft so vieler Helfer."