In den Salons wird's jetzt haarig

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Timo Baier (links) arbeitet in seinem Bad Kissinger Salon mit doppeltem Coronaschutz. Wie die meisten Friseure im Landkreis sieht er sich einer Flut von Anfragen gegenüber. Foto: Steffen Standke
Timo Baier (links) arbeitet in seinem Bad Kissinger Salon mit doppeltem Coronaschutz. Wie die meisten Friseure im Landkreis sieht er sich einer Flut von Anfragen gegenüber. Foto: Steffen Standke

Lange sechs Wochen mussten die Friseure im Landkreis warten, bis sie ihre Geschäfte wieder eröffnen durften. Dafür stehen sie mächtig im Stress, weil ihnen die Kunden seit Montag die Läden einrennen.

Elf Stunden Öffnungszeit am Tag. Und das vier Wochen lang. Damen- und Herrenfriseur Timo Baier und seine vier Angestellten muten sich ein gewaltiges Arbeitspensum zu, nachdem der Salon in der Bad Kissinger Innenstadt seit Montag wieder öffnen darf. Es gibt viel nachzuholen. Und so erleben die Friseure im Landkreis eine wahre Kundenschwemme.

"Es ist Horror." Baier findet markige Worte, um die Situation nach Wiedereröffnung seines Salons zu schildern. Jeder Kunde wolle "sofort und schnellstmöglich drankommen.

Erfüllen kann Baier, den die meisten in Bad Kissingen als "Fürst Rakoczy" kennen, solche Turbo-Wünsche nicht. "Wir sind die nächsten zwei Wochen ausgebucht." Die Anfragen dafür hat Baier in den vergangenen zwei Wochen telefonisch entgegengenommen.

Jeder, der jetzt anruft, erhält einen Termin, verspricht Baier. "Er muss dann eben ein bisschen warten." Dafür brächten die Leute aber Verständnis auf.

Laufkundschaft nimmt Baier keine. Darf er auch nicht wegen der Beschränkungen, die der Gesetzgeber wiedereröffneten Friseurläden auferlegt. Dazu gehört, dass Stühle minimal 1,5 Meter voneinander entfernt stehen müssen. Kunden und Haarkünstler tragen Maske; nach jeder Behandlung werden Stuhl und Geräte desinfiziert, ein neuer Umhang verwendet.

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Wegen der Auflagen hat Timo Baier seine Preise etwas erhöht. "Aber die 20 bis 30 Prozent, die der Verband vorgeschlagen hat, nehme ich nicht."

Montags stets geschlossen bleibt der "Friseur am Marktplatz" in Zeitlofs. Eigentlich. Denn Inhaberin Nicole Greb weicht diesen und nächsten Montag von dem Prinzip ab. So will sie die Flut an Anfragen bewältigen. Außerdem führt sie zwei "Männer-Samstage" ein. Herren-Haarschnitte lassen sich eher schnell bewältigen; Frauenfrisuren halten wegen der Einwirkzeiten mehr auf. "So gibt es kein Durcheinander. Vor allem können meine Mitarbeiterin und ich parallel arbeiten."

Arbeiten im Schichtsystem

An den anderen Öffnungstagen arbeiten entweder Greb oder ihre Mitarbeiterin Roberta Hauke abwechselnd, quasi im Schichtbetrieb. Der Friseursalon verfügt nur über vier Plätze; in voller Besetzung und mit Männlein und Weiblein gemischt würde es zu eng und unübersichtlich werden. So weilen im Salon immer nur eine Friseurin und zwei Kunden. "Die Tür bleibt geschlossen. Wir sehen, wenn jemand kommt und lassen ihn rein", so Greb.

Diskussionen führt die Altengronauerin nach eigenen Worten manchmal mit Männern, die sich nicht die Haare waschen lassen wollen. "'Das können wir doch selber daheim", heißt es dann." Doch es gehöre zu den Auflagen in der Krise, dass keine Trockenhaarschnitte erlaubt seien.

Beim Friseur Jaksch in Euerdorf läutete das Telefon seit Montagmorgen ununterbrochen, berichtet Inhaber Heiko Jaksch auf Anfrage. "Die Kunden warten sehnlichst auf einen Friseurtermin."

Der Salon arbeitet vor allem feste Terminvereinbarungen ab; Laufkundschaft, zu der meist Männer gehören, besitzt schlechte Chancen dranzukommen. Tendenziell haben Frauen terminlich vorgesorgt, heißt es. Unterschiede zwischen Männlein und Weiblein werden aber nicht gemacht."Jeder kommt der Reihe nach dran."

Wegen der Corona-Auflagen muss bei Jaksch mindestens die Hälfte der elf Plätze freibleiben; nur an fünfen wird gearbeitet. Der höhere Aufwand wird über die Preise geringfügig auf die Kunden umgelegt.

Kein Rasieren, kein Bartstutzen

Vor der Krise empfing Fisherman's Barbershop in Münnerstadt 80 Prozent Männer und 20 Prozent Frauen. Inhaber Stefan Fischer glaubt, dass sich das Verhältnis zugunsten der Kundinnen angleichen wird. Zumal er momentan keine Rasuren durchführen oder Bärte schneiden darf. Gesichtsbehandlungen sind allgemein untersagt.

Gewöhnungsbedürftig findet der Barbier, dass alle Maske tragen müssen. "Das ist nicht unbedingt angenehm, das Geschnaufe mit Brille", schildert Fischer seine Erfahrungen. Wenn es ums Schneiden rund um die Ohren gehe, müsse der Kunde die Maske teilweise abziehen und mit der Hand festhalten. Ein umständlicher Akt.

Für die nächsten vier Wochen ist der Barbershop ausgebucht, sagt der 58-Jährige. Wobei sich bei der Terminvergabe nicht viel verändert hat. Seit 1985 arbeitet Fischer fast nur mit festen Absprachen. Klärungsbedarf gab es nur mit den Kunden, die Termine während der Schließzeit gebucht hatten. Die werden in den nächsten Wochen nachgeholt.