Lange hat Alexandra Schnell sich den Kopf zerbrochen: Soll die Geschäftsführerin das "Hotel Frankenland" in Bad Kissingen über den Corona-Lockdown im November hinaus schließen oder nicht? Soll sie es Anfang Dezember - falls erlaubt - wieder öffnen? Am Ende entschied sich der Aufsichtsrat für eine Schließung bis 10. Februar 2021 (wir berichteten). Schnell spricht über die Gründe. Und ob das Frankenland in seiner Existenz gefährdet ist.

Obwohl das Hotel Frankenland diese Woche schon geschlossen hat, herrschte noch reges Treiben. Mitarbeiter räumten auf, machten sauber. Bereiteten das Haus quasi auf die angekündigte winterliche "Betriebsruhe" vor. Noch diese Woche muss Alexandra Schnell rund 130 Angestellte in Kurzarbeit schicken. Nur Techniker und Sicherheitsleute harren aus; die Rezeption bleibt besetzt.

Zuletzt, erzählt die Geschäftsführerin, hätten sich sogar Gäste unter Tränen aus dem Vier-Sterne-Haus verabschiedet. Doch die Entscheidung, das Frankenland monatelang zu schließen, erschien ihr am Ende die richtige. "Ich persönlich hätte sogar bis März zugemacht."

Im Frankenland nimmt die Belegung in Normalzeiten erst ab dem 18. Dezember Fahrt auf. Viele Gäste würden Weihnachten und Silvester gern in Bad Kissingen verleben, mit Rundumbetreuung im Hotel. Doch Alexandra Schnell weiß nicht, ob die Bundesregierung den Lockdown auf den Dezember ausdehnt. "Ich glaube nicht daran, dass wir nach dem November normal weiterarbeiten können."

Januar und Februar sind in dem Hotel die Monate, in denen es mit Tagungen Umsatz erwirtschaften kann. Doch auch die stehen in den Sternen. Selbst als sich nach dem ersten Lockdown die Lage entspannt hatte, verbuchte das Frankenland nur "Tagungen in geringem Umfang", etwa 50 Prozent vom Normalen. Geschäftsreisende steigen im Frankenland sehr wenige ab.

Schnell verweist auf "Kostenblöcke", wie das Wellness- und Gesundheitsangebot (Spa), den Aquabereich oder die Sauna. Die ließen sich nicht einfach herunterfahren. Ein Notbetrieb wie in kleineren Hotels lasse sich im Frankenland nicht einrichten. Entweder ganz dichtmachen oder gar nicht.

Und so überlegte die Geschäftsführerin hin und her. Schaffen wir den "Breakeven oder nicht? Der Punkt, ab dem sich der Betrieb ihres Hotels rechnet, liegt nach Schnells Angaben bei etwa 230 Gästen. In diesem Jahr waren es meist um die 200, in Zeiten der Lockerung auch mal 300 bis 400. Der Betrieb lief gerade so weiter. Nicht mehr.

Doch selbst die minimale Wirtschaftlichkeit schien der Geschäftsführerin derzeit nicht mehr erreichbar. Schon als die Diskussion über einen zweiten Lockdown losging, hagelte es Stornierungen. Jetzt sei es günstiger, das Haus zu schließen, als es weiterlaufen zu lassen.

Alexandra Schnell betont, dass das Hotel Frankenland durch die Schließung bis 10. Februar nicht in der Existenz bedroht ist. "Wenn wir wie geplant wieder anlaufen dürfen, ist das Haus nicht wirklich gefährdet. Wenn es mit dem Februar nicht klappt, wird es aber schon eng." Zwar sei noch eine gewisse Rücklage vorhanden, aber nicht mehr in dem Maße wie vor dem ersten Lockdown. "Wir wollten die Zimmer sanieren. Das ist jetzt komplett gestrichen. Das Risiko ist zu hoch", sagt Schnell. Schließlich wisse sie nicht, wieviel Geldreserve sie für die Bewältigung der Corona-Krise benötige.

Im Forum des Hotels Frankenland sollte am 18. Januar der Dehoga-Neujahrsempfang auf Kreisebene stattfinden - ein Höhepunkt des Jahres. Kreisvorsitzender Heinz Stempfle sorgt sich angesichts der Betriebsruhe um diesen Termin. Einen so großen Raum wie im Vier-Sterne-Hotel könnten andere Bad Kissinger Beherbergungsbetriebe nicht bieten.

Geschäftsführerin Schnell hält an dem Termin bisher fest. "Wenn wir es dürfen, würden wir es machen." Man könne den empfang auch auf den Februar schieben. Aber das sei - wie vieles - eine Entscheidung der Politiker.