Der Diebacher Sportplatz war Ausgangspunkt für den diesjährigen Waldbegang der Stadt Hammelburg, das Motto dabei lautete "Stadtwald 2050". Bürgermeister Armin Warmuth begrüßte neben Matthias Wallrapp - Stiftung Juliusspital - die Stadträte und das Forstpersonal der Stadt Hammelburg. Angefahren wurden drei unterschiedliche Waldabteilungen, die bei den Teilnehmern für unterschiedliche Eindrücke sorgten.

Schadholz geschlagen

Primäres Ziel in der Stadtwald-Bewirtschaftung sei die Erzielung gemischter, multifunktionaler Wälder und die Vermeidung von teuren Kahlflächen mit Verlust aller positiven Waldeigenschaften wie Trinkwasserschutz, Erholungs- und Nutzfunktionen, so Wallrapp. Erster Anfahrtspunkt war dann die Kahlschlagfläche "Römerberg". Dabei handelt es sich um einen rund 40-jährigen Fichtenbestand aus ehemaliger Erstaufforstung. Der Sommersturm 2018 und mehrmaliger Borkenkäferbefall hätten dazu beigetragen, dass der Standort geräumt werden musste. Insgesamt seien dort seit 2015 rund 1100 Festmeter Schadholz eingeschlagen worden, und das Holz hätte oft nur zum Selbstkostenpreis vermarktet werden können. Erst die letzte Räumung in diesem Jahr mit 250 Festmetern hätte einen Nettoerlös in Höhe von 11 000 Euro erbracht. Die noch unbestockte Kahlfläche muss nun im nächsten Frühjahr aufgeforstet werden, geplant sei ein Neuanfang mit Douglasie und Eiche unter Zuhilfenahme Staatlicher Fördermittel. In den nächsten Jahren entstünden so nicht unerhebliche Kosten für die Pflege, Einnahmen seien hier auf lange Sicht nicht zu erwarten. Wallrapp bezeichnete den geplanten Umgang mit der Fläche als alternativlos.

Gesunde Tannen

Nächster Schaupunkt war die Abteilung "Stöckig", ein rund 100-jähriger Buchenbestand mit Fichte und Kiefer sowie einzelnen Eichen und Tannen. Das Gebiet sei geprägt durch sehr tonig-steinige, schwere Böden, die nur von sehr wenigen Baumarten erschlossen werden können. Seit 2018 würden immer wieder einzelne Buchen sterben, an vielen Stämmen finde sich Schleimfluss als Zeichen der Schädigung des Baumes. Die Tannengruppen sowie die einzelnen Eichen erfreuten sich hingegen bester Gesundheit, und auch die Naturverjüngung entwickle sich hier gut. Buchen könnten sich durch ihre genetische Vielfalt in Zukunft hoffentlich doch noch durchsetzen. Man müsse hier auch Augenmerk auf Verbiss-schäden richten und gegebenenfalls die Jagd in Hammelburg anders organisieren. Beim Juliusspital laufe die Jagd schon anders, aber man würde dafür auch teilweise angefeindet, informierte Wallrapp die Teilnehmer. Aus dieser Abteilung nehme man mit, dass in den Folgejahren zunehmend mit absterbenden Buchen im ganzen Stadtwald gerechnet werden müsse. "Wir können aber nicht jeden kranken Baum rausnehmen, sonst machen wir den Bestand noch lichter und damit noch wärmer", sagte Wallrapp. Es sei unverzichtbar, natürliche Buchenverjüngung mit klimatoleranten Mischbaumarten wie Eiche, Roteiche, Douglasie und Tanne anzureichern. Auf großen Flächen seien hierfür teure Wildschutzmaßnahmen unumgänglich.

95-jähriger Fichtenbestand

Aktuell Holz abgefahren wurde in der Abteilung "Eisengrube", der letzten Station des Waldbegangs. Der Standort mit seinem 95-jährigen Fichtenbestandsrest gehört zu den wüchsigsten Böden des Stadtwaldes. Die Altfichten seien sukzessive genutzt worden und hätten der Stadt meist gutes Geld gebracht. Oftmals seien die Bäume aber auch Sturm oder Borkenkäfer zum Opfer gefallen. Der Erhalt eines gewissen Nadelholzanteils auf den wüchsigen Standorten der Revierteile Diebach und Morlesau sei aus betriebswirtschaftlicher Sicht nötig und angebracht. Für den Gesamtbetrieb müsse künftig mit deutlich sinkenden Nadelholz-Anteilen gerechnet werden. Dies werde, zusammen mit den sinkenden Zuwächsen aufgrund der Trockenheit, betriebswirtschaftlich nicht ohne Folgen bleiben. Bisher nicht monetär bewertete Leistungen (Erholung, Tourismus, Natur- und Trinkwasserschutz) würden hingegen weiter an Bedeutung zunehmen. Erbracht werden könne dies nur mit möglichst stabilen, dauerhaften Wäldern mit hohen Laubholzanteilen.

"Wir können uns im Wald viel vornehmen und gute Pläne aufstellen, aber letztendlich übernimmt die Natur die Herrschaft", sagte Wallrapp abschließend. Wenn es in der Waldwirtschaft ähnliche Fördermittel wie bei der Landwirtschaft gäbe, wäre der Fortbestand des Waldes gesichert.

Warmuth bedankte sich bei Wallrapp für die beeindruckende Waldführung. Hinter jeder Unternehmung im Wald würde sich ja auch immer ein ökologisches Projekt verbergen.