"Jüdische Friedhöfe sind Orte der Ruhe und heißen auch Haus des ewigen Lebens", sagte Kreisheimatpflegerin Cornelia Mence bei der Führung durch den jüdischen Friedhof Pfaffenhausen im Rahmen der Jüdischen Kulturtage Bad Kissingen. Wichtig war ihr dabei, die Totenruhe nicht zu stören. Es fänden sich nur wenige Besucher auf dem Friedhof ein, weil die Nachkommen der hier Beigesetzten auch bereits verstorben seien: Die letzte Bestattung im jüdischen Friedhof Pfaffenhausen fand im Jahr 1937 statt.

Jüdische Friedhöfe lägen immer außerhalb, oft am Waldrand oder in schwierigen Gebieten, informierte Mence die Führungsteilnehmer. In Pfaffenhausen sei der Kopf der Toten immer nach Osten gebettet. Der Friedhof ist der älteste jüdische Friedhof im Landkreis Bad Kissingen und diente lange als Bezirksfriedhof, 27 Gemeinden haben ihre Toten dort bestattet.

Friedhof diente als Spielplatz

Die Führung begann und endete am Taharahaus neben dem Eingang. Dort wurden laut Cornelia Mence die Leichenwaschungen vorgenommen, die letzte Leichenwäscherin hieß Jettchen Levin und stammte aus Untererthal. Nach dem Krieg war im Taharahaus der Kindergarten untergebracht, der Friedhof diente laut Mence als Spielplatz.

Schon über Jahrzehnte beschäftigt sich Mance mit der Geschichte der jüdischen Bevölkerung in den Altlandkreisen Hammelburg und Bad Brückenau. Zwischen den Grabsteinreihen ging sie auf Symbole, Inschriften und Zustand der Grabsteine ein. An Symbolen waren Kränze, Davidstern, Levitenkanne oder auch die segnenden Priesterhände zu sehen. Unter den Namensinschriften ging sie auf Persönlichkeiten wie "Hirschberger" oder "Schleßinger" ein und hob das gute Zusammenleben untereinander und in der Ortsbevölkerung hervor. Zwischen 1900 und 1930 sei die Qualität der Grabsteine nicht besonders gut gewesen, was wohl am Ersten Weltkrieg lag.

"Die Wohltätigkeit ist im jüdischen Glauben sehr wichtig", betonte Mence. Teilweise habe deswegen die Gemeinde Grabsteine anfertigen lassen und auch für die Bestattung gesorgt. Im Sinne der Wohltätigkeit seien durchziehenden Juden auch Essen und Übernachtungen bezahlt worden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg seien die Pfaffenhäusener von den Amerikanern gezwungen worden, die Grabsteine wieder aufzurichten. In den 1970er Jahren habe ein Steinmetzbetrieb Restaurierungsarbeiten im Friedhof durchgeführt. Jetzt werde sich die Stadt Hammelburg mit dem Antrag für ein Leaderprojekt um die Erhaltung der Stätte kümmern, eine Drohnenbefliegung über die 1076 Grabsteine hätte bereits stattgefunden. Geplant sei eine Dokumentation in mehreren Schritten: Reinigung und Sicherung der Steine, eine photographische Dokumentation und die Übersetzung der Inschriften. Mence bezifferte die dafür anfallenden Kosten auf rund 100 Euro pro Grabstein.

Antragsstopp für Leaderprojekte

Bereits im September 2021 stimmte der Hammelburger Stadtrat für ein Leaderprojekt, bei dem die Grabsteine vermessen, fotografiert und in eine öffentlich zugängliche Online-Datenbank eingetragen werden sollen. Der Stand ein Jahr nach dem Beschluss: "Bei der laufenden Leaderperiode gibt es einen Antragsstopp", berichtet Kulturamtsleiterin Elli Böck auf Nachfrage. Anträge seien erst wieder ab Frühjahr 2023 möglich. Mit Hilfe der Luftbilder sei immerhin bereits eine Übersicht erstellt worden, aber: "Wir müssen noch einiges an Vorbereitungen leisten", verweist Elli Böck auf Voraussetzungen für den Leaderantrag. Die Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege zur fachlichen Begleitung und mit dem Regionalmanagement am Landratsamt laufe sehr gut. Wann es tatsächlich losgehen könnte mit der Erfassung der Grabsteine und der Übersetzung der Inschriften, sei im Moment allerdings noch offen.