Die Gemeinden stehen alle vor dem gleichen Problem: Wohin mit dem Klärschlamm? Früher wurde er einfach auf den landwirtschaftlichen Feldern verteilt. Doch inzwischen ist die Schadstoffbelastung gestiegen, die Landwirte wollen den Klärschlamm meist nicht mehr, Lagerkapazität fehlt, die Preise für eine mobile Entwässerung steigen stetig, und gesetzliche Vorgaben wie die Recyclingpflicht und die neue Düngemittelverordnung drängen auf eine thermische Lösung, das seltene Phosphat soll am Ende außerdem wiedergewonnen werden. Deshalb hat der Abwasserzweckverband Thulba-Saale eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, die Klärschlammverwertung, -entwässerung und -transport im Verbund prüft. Ziel ist es dabei, eine eigene Schlammentwässerung zu betreiben, um von der mobilen Entwässerung wegzukommen.

Das Ergebnis liegt nun vor und wurde den Mitgliedern des Abwasserzweckverbandes sowie Vertretern weiterer interessierter Gemeinden und Betreiber von Kläranlagen in einer Videokonferenz vorgestellt. Die gute Nachricht: Die Kooperation ist technisch machbar und bringt den Vertragspartnern ökonomische wie ökologische Vorteile, wie Dr. Dieter Schreff vom beauftragten Ingenieurbüro in Miesbach nach einem Jahr intensiver Arbeit den 24 Konferenzteilnehmer mitteilte. Er sprach über mögliche Varianten, notwendige bauliche Maßnahmen, Fördermöglichkeiten und die Kosten.

Durch den Verbund bei der Klärschlammverwertung ist die Entsorgung gesichert, Preise sind nicht wegen zu geringer Abgabemengen extrem hoch, der Entsorgungspreis bei der thermischen Verwertung wird geringer. Durch den regelmäßigen Abtransport des Klärschlamms nach Hammelburg - vorgesehen sind etwa 250 Fahrten pro Jahr, insgesamt rund 5700 Kilometer sowie ca. 115 Fahrten mit dem entwässerten Schlamm zur regionalen thermischen Verwertung ins Zementwerk Karlstadt - wird unkontrollierte Methanausgasung vermieden. Aus den Fremdschlämmen wird durch die Faulung -neutrale Energie erzeugt und durch die Einsparung von Fahrtkilometern und -Emissionen wird der ökologische Fußabdruck der Region verringert, die Akzeptanz in der Bevölkerung steigt.

Bau einer neuen Anlage

Weil die bestehende Anlage des AZV in Hammelburg überfordert wäre, ist laut Schreff der Bau einer eigenen Anlage in der Kläranlage geplant. Dorthin wird der Klärschlamm regelmäßig gebracht - 18 000 Kubikmeter Nassschlamm von zwölf Kläranlagen, an die 34 Kommunen, sprich 35 000 Einwohner, angeschlossen sind. "Fünf Jahre warten und dann die Teichanlage auf einmal leer machen, geht dann nicht mehr, die Abholung erfolgt etwa einmal monatlich", macht Schreff den Gemeindevertretern deutlich.

Ihre eigenen Anlagen müssen die Gemeinden zudem gegebenenfalls nachrüsten bzw. umbauen, entweder durch ein integriertes Vorklärbecken oder einen separaten Stapelbehälter. Ob die mechanische Vorreinigung, sprich mit Rechen oder Sieb zur Störstoffbeseitigung jeweils vor Ort oder in Hammelburg erfolgt, müsse im Einzelfall entschieden werden. Die Frage stellt sich für Aura, Sulzthal, Schwärzelbach und Wittershausen. Eine dezentrale Lösung würde jeweils 75 000 Euro kosten, eine zentrale in Höhe von 300 000 Euro lohne sich daher nur, wenn mindestens drei Gemeinden sich dafür entscheiden, erläuterte Hannah Garthe vom Ingenieur-Büro auf Nachfrage.

Die Investitionskosten für zuliefernde Kläranlagen belaufen sich - ohne Förderung - auf rund 75 bis 80 Euro pro Einwohner. Darin sind der Bau der Entwässerungsanlage inklusive Lagerhalle in Hammelburg für 1,43 Millionen Euro, die Prozesswasserbehandlung für 380 000 Euro, die Schlammannahme (40 000 Euro) und die Logistik (Fahrzeugkauf und Transport für rund 110 000 Euro) enthalten. Die langfristigen Kosten werden nach dem Nutzerprinzip umgelegt.

Eine entsprechende Auflistung für seine Gemeinde, was nötig wäre und wie viel Zuschuss es gibt, hat bereits jeder bekommen. Durch die gegenseitige Kooperation gibt es Fördermöglichkeiten. Die Bundesförderung liegt bei bis zu 30 Prozent oder maximal 200 000 Euro. "Wenn der Antrag noch heuer erfolgt, gibt es zehn Prozent Corona-Zuschlag", so Schreff, der die Umsetzung am Ende empfahl. Alternativen wie etwa die Beauftragung eines mobilen Entwässerers sind nicht attraktiv, legte Scheff dar.

Strammer Zeitplan

Nachdem Dr. Werner Weber und Gerhard Himmelstoß vom Bayerischen Kommunalen Prüfungsverband noch über vertrags- und steuerrechtliche Fragen zum anvisierten interkommunalen Kooperationsmodell informiert hatten, erläuterte AZV-Geschäftsführer Burkhard Oschmann den zeitlichen Ablauf für die nächsten Schritte. Zunächst müssen die einzelnen Kommunen jetzt in ihren Ratsgremien klären, ob sie dem Verbund via Zweckvereinbarung beitreten wollen. Und das am besten bis Juni 2021. Denn der Abschluss der Kooperationsverträge ist für Ende Oktober geplant, damit die Förderanträge bis Ende 2021 gestellt werden können. Dann können im Frühjahr 2022 die Planungsaufträge vergeben werden, die bauliche Umsetzung der geplanten Maßnahmen folgt 2023 und die Inbetriebnahme erfolgt 2024.

"Ich weiß, das ist ein strammer Zeitplan", so Oschmann in seinem Fazit. Aber er verwies auf den Handlungsdruck durch die veränderten rechtlichen Rahmenbedingungen. Die Kosten für die Verwertung hätten sich in den letzten fünf Jahren teilweise verdreifacht. Deshalb sei es erfreulich, dass die gemeinsame Klärschlammverwertung technisch möglich ist. "Auch wenn die zusätzlichen Aufgaben bei sechs Verwaltungseinheiten bzw. elf Kläranlagen nicht unerheblich sind, es ist aber machbar."