Die Geschichte des Mittelalters kennenzulernen - soweit es Ritter und Burgen betrifft - ist Sinn der "Knappen-Schule", die die Freunde der Trimburg zum sechsten Male auf der Burgruine initiierten. Auch heuer zählten 15 Flüchtlingskinder aus Hammelburg, Gauaschach und Trimberg zu den Eingeladenen.
"Hugo von Trimberg", alias Matthias Schiebl, den die Historiengruppen "Sir Galahad" aus München, die Burgwächter von "Custor Castelli" aus Gauaschach, die Bamberger Kastellans-Familie von Grauberg, die "Troubadours" aus Fuchsstadt und Mitglieder des walisischen Clans Sgreimle Solais begleiteten, begrüßte die jungen Gäste, die zunächst ein Knappen-Gewand erhielten und am Kochtopf landeten.


Huhn- und Gemüsebrühe

Wer den Tugenden der Ritter folgen will, muss erst einmal das Dienen lernen. Gemeinsam mit Richard von Wolkenstein richteten die Knappen aus dem Morgenland das Königsmahl für Sir Galahad, seine Ritter und für sich selbst. Der kräftigen Huhn- und Gemüse-Brühe mit Brot sprach die Gesellschaft der Tafelrunde gerne zu. War es doch Mittagszeit und der Appetit stellte sich ein.
Danach gab es Instruktionen von Matthias Schiebl über die Trimburg und ihre Historie, wobei die in Deutsch Geübteren als Übersetzer für sprachlich nicht so Fortgeschrittene einsprangen. Wo es haperte, halfen Gesten oder einfach das praktizierte Beispiel.
Im Echtersaal präsentierten die adeligen Recken die Kampfkunst und die der Waffenführung. Hier durften die Knappen selbst ausprobieren, wie man eine Rüstung anlegt und ein Schwert geführt wird. Wie hört sich das an, wenn ein Schwertschlag auf einem Topfhelm landet? Dröhnend, befand eine junge Teilnehmerin, die schnell den Helm wieder abnahm.
Vor dem Hintergrund der jüngsten Ereignisse taucht die Frage auf, ob der Umgang mit Waffen Attentaten Vorschub leisten könnte. Der Vize-Vorsitzende der Freunde der Trimburg, Schiebl, hält dies für "absolut unwahrscheinlich. Wir wollen hier das Ehrenvolle herausstellen, die historische Art sich zu verteidigen, das Kräftemessen und das ritterliche Verhalten. Wir würde nie etwas motivieren, was einem Wehrlosen schaden könnte", unterstreicht er. Das Ritterleben bestand ja auch nicht nur aus dem Kampf, sondern weist durchaus schöne Seiten auf. Tanz, Feiern und Gesang zelebrierten die Fuchsstädter Troubadours im Erthalsaal mit mittelalterlichen Liedern und Reigen. Freilich gab es Probleme, den teilweise in Alt-Hochdeutsch gesungenen Versen vokal zu folgen, denn das schafft nicht einmal ein Einheimischer, auch wenn er den Text in Händen hat.
Es genügte das Summen oder das Klatschen, um mitmachen zu können. Mit einfachen Instrumenten, Rasseln und Glöckchen begleiteten die jungen Zuwanderer begeistert die Melodien. Der Liederwunsch lag zwar nicht ganz auf dieser Linie, aber bitteschön, warum nicht "We will rock you"? Auch der bei den Jungen so heiß geliebte Fußball kam noch zu seinem Recht in Form eines von Schnüren zusammengehaltenen Wollknäuels.


Interessantes Erlebnis

Keine Probleme haben die jungen Menschen aus dem Kosovo, Syrien und Afghanistan, die größtenteils Muslime sind, offensichtlich mit dem christlichen Kreuz, das viele Recken trugen. Gefragt, meint die 13-jährige Kososvanerin Esmere:. "Nein, damit habe ich keine Schwierigkeiten. Es ist euer Symbol als Christen", lautet die erstaunliche Antwort. Ohnehin stand das Erleben, das Abenteuer, bei den Eingeladenen im Vordergrund. Ein Tag auf einer Burg mit vielen interessanten Events und unterstützt von den Freunden der Trimburg, den Lions-Clubs Trimburg-Saaletal und Schweinfurt sowie einer Würzburger Brauerei, und bewirtschaftet von der Reservistengemeinschaft Hammelburg, war ganz nach dem Geschmack der Teilnehmer und Gäste und eine willkommene Abwechslung.