Das Motto des Liederabends der Chorgemeinschaft MGV Hammelburg "Wer singt , bleibt jung" war bewusst gewählt, denn es sollte die Lebendigkeit der Musik, den Fleiß der Laienchöre aber auch ihre Geselligkeit widerspiegeln. Der Abend belegte, dass das selbst erprobte Lied trotz schwindender Sängerzahlen seinen Platz zu Recht behauptet.
Offensichtlich gelingt den Chören dies mit erneutem Liedgut und - ohne den traditionellen Bestand aus den Augen zu verlieren - der Bereitschaft auch Experimente einzugehen. Die Zeichen der Zeit erkennend, sehen die oft an Aktiven darbenden Gesangvereine augenscheinlich ihre Überlebenschance in jungen Dirigenten und darin, ausgetretene Wege einmal zu verlassen.
Von Chorgemeinschafts-Vorsitzenden Klaus Wüstner willkommen geheißen, zeichnete sich dies schon beim gastgebenden Verein mit "Chevaliers de la table ronde" (Die Ritter der Tafelrunde) ab, ein selten dargebotenes französisches Trinklied aus "Die Streuner".
Der Gemischte Chor aus Westheim unter Leitung von Stefan Baron ist einer von vier Chören des Stadtteils wie Vorsitzender Wolfgang Hefner vermittelte und entdeckte Evergreens als Stilmittel. Songs wie "Schön war die Zeit" von Freddy Quinn oder "Schuld war nur der Bosanova" der deutschen Schlagersängerin Manuela gaben der Darbietung einen frischen Eindruck.
Der Gesangverein "Hoffnung" Untereschenbach stellte mit 27 Frauen und Männern ein stattliches Kontingent für ein 300-Seelen-Dorf. Begründet ist dies auch durch "Zuwanderer" aus anderen Orten, die Chorleiterin Heike Schmitt und Vorsitzender Georg Schuler, der einen kurzen, geschichtlichen Abriss gab, gerne aufnehmen.
In ihre beiden Auftritte mischten die Stadtteilesängerinnen und -sänger Traditionals wie "Michael row the boat ashore" oder Harry Belafontes "Island in the sun" mit deutschen Text. Bemerkenswert war das in Afrikaans gesungene und von Albin Freibott bearbeitete "Klim op die wa" (Komm spring auf den Wagen), eigentlich ein Gewerkschafts-Werbelied für bessere Lebensverhältnisse, das die Untereschenbacher mit südafrikanischer Fröhlichkeit und Begeisterung treffend versahen.
Eine gesungene "Perlenkette an die Nacht" knüpfte der Sängerkranz aus Reichenbach unter den jungen Dirigentin Mirja Betzer und in Klavier-Begleitung ihres Vaters. Die Sängergemeinschaft, die am Folge-Tag den Fränkischen Abend in Bad Bocklet gestaltete , so Vorsitzender Hillenbrand, wusste zu beeindrucken mit J. P. Rameaus "Hymne an die Nacht (Hymne a la nuit)", Maierhofers "Zwischen Himmel und Erde" und "Die Schöne und das Biest". Die Anerkennung für die hervorragende Präsentation gebührt einem der besten Gesangvereine im Kreis.
Stellvertretende Bürgermeisterin Rita Schaupp freute sich über "fröhliche und offene Menschen", die dem Gesang in der dargebotenen Form trotz enormen, digitalen Angebots die Treue halten. "Es ist wirklich erfreulich, dass Zeit zum Singen bleibt und immer noch ehrenamtliche Funktionen übernommen werden ", betonte sie. Edeltraud Millner gab mit dem Gedicht "Herbsttag" einen lyrischen Farbtupfer hinzu.
Der Gastgeber, die MGV Chorgemeinschaft Hammelburg, gab sich unter Leitung von Nikolaus Metz und von Kantor Dieter Blum am Klavier begleitet, eine variable Note. Sowohl Andrew Lloyd Webbers "Memory", Maierhofers "Neigen sich die Stunden" aber auch das temperamentvolle "Eviva Espana" fanden Eintritt in ihre Präsentation. Vorsitzender Wüstner garnierte den Schlussakt mit einem Rückblick in die Geschichte des Vereins.
Trotz schmerzlicher Aktiven-Verluste zeigten die heimischen Sängerinnen und Sänger, dass Laienchöre ihre Existenz weiterführen und sich weiter entwickeln können. Das sollte ein Silberstreif am Horizont sein.