Das Integrale Konzept zum Sturzfluten-Risikomanagement für den Markt Oberthulba steht und wurde den Gemeinderäten in einer mehrstündigen Präsentation vorgestellt. Bürgermeister Mario Götz nahm den 99-seitigen Abschlussbericht und die Sturzflutgefahrenkarten - auch für die Ortsteile - entgegen. Das Thema nahm auch breiten Raum in der sich anschließenden Gemeinderatssitzung ein.

Entstanden ist das Konzept in Zusammenarbeit mit Uwe Seidl vom Wasserwirtschaftsamt und Dr. Kaj Lippert, Geschäftsführender Gesellschafter Björnsen Beratende Ingenieure. Bürgermeister Mario Götz zeigte sich froh und dankbar über das Projekt und betonte, dass man dreieinhalb Jahre intensiv auf diesen aktuellen Stand hingearbeitet habe. Jetzt gehe es darum, was man daraus mache, so Götz. "Es ist ein aktuelles Thema, und wir werden es bei unseren Entscheidungen, nicht zuletzt bei der Schaffung von Bau- oder Gewerbegebieten, mit einbeziehen", sagte er.

Mit aktuellen Fotos von Starkregen-Überflutungen begann Seidl seinen Part der Präsentation. Man könne dabei nicht immer exakt unterscheiden zwischen wild abfließendem Wasser aus Niederschlägen und Hochwasser, bei dem Gewässer über die Ufer treten. Sturzfluten würden sehr schnell entstehen und könnten hohe Geschwindigkeiten erreichen. Gefahren entstehen durch Wasserdruck, wenn sich beispielsweise Kellertüren nicht mehr öffnen lassen, oder durch Strömungen, bei denen Menschen mitgerissen werden.

Fünf Stufen notwendig

Der Weg zur Risikomanagement-Strategie besteht aus fünf Stufen: Bestandsanalyse, Gefahrenermittlung, Gefahren- und Risikobeurteilung, der konzeptionellen Maßnahmenentwicklung und der Integralen Strategie zum kommunalen Sturzfluten-Risikomanagement. Bei der Risikobeurteilung geht es um Gefahrenlagen bezüglich Wassertiefe und Fließgeschwindigkeit, um kritische Bereiche und Einrichtungen und die Größe des bestehenden Schadenpotenzials.

Um bauliche Schutzmaßnahmen und ihre voraussichtliche Wirkung geht es bei der Maßnahmenentwicklung. Hier stelle sich die Frage nach den Maßnahmen, die unmittelbar angegangen werden könnten, und auch der jeweilige geschätzte Kostenrahmen dürfe nicht außer acht gelassen werden. Interessant seien auch die dann verbleibenden Risiken, die Priorisierung der Maßnahmen und die Kommunikation nach außen.

Das aktuelle Sonderprogramm war zunächst auf 40 Vorhaben bayernweit limitiert und ist aufgrund der großen Nachfrage auf 75 aufgestockt worden. Der Fördersatz beträgt 75 Prozent, die maximale Fördersumme 150 000 Euro. Aufgrund der schnellen und engagierten Herangehensweise vertritt Bürgermeister Götz das Konzept um den Markt Oberthulba bei einem Treffen der DWA, Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall.

Klimawandel: Intensiver und häufiger

"Wir haben das nicht zuletzt auch wegen des Klimawandels gemacht", sagte Kaj Lippert. "Die Starkregenereignisse nehmen wohl an Intensität als auch an Quantität zu". Der Aufbau der Modelle bestehe aus sehr arbeitsintensiven Schritte. Detailliert eingearbeitet seien Gewässer aller Art, Gräben, Durchlässe, Brücken und topographisch markante Punkte. Dadurch entstünden 3D-Modelle, die dann mit unterschiedlichen Wassermengen beregnet würden. Die Karten zeigten dann die "maximale Situation" des Wassers, bis es beim Vorfluter ankomme. Auch Lippert betonte die fehlende exakte Grenze zwischen Sturzflut und Flusshochwasser. Dementsprechend gebe es Hochwassergefahren- und Sturzflutgefahrenkarten. Er stellte die Karten für alle Ortsteile vor und ging auf die bis jetzt 41 möglichen Maßnahmen ein.

Dies und das aus der Gemeinderatsitzung

Neben dem Sturzfluten-Risikomanagement standen Bauanträge, die Verkehrsschau und Berichte über die Lenkungsgruppensitzungen der Allianzen auf der Tagesordnung. Bürgermeister Mario Götz berichtete von der Verkehrsschau mit Ralf Peter von der Polizeiinspektion Hammelburg. Dabei ging es in Oberthulba um das neue Areal "Innenbereich Quelle", in Wittershausen um den Südring und die Friedenstraße und in Frankenbrunn um den Bereich Steinstraße/Forststraße. Ferner diskutiert wurde die Beschilderung des Campingplatzes in Thulba, der Kreuzungsbereich Ahlmannstraße/ Thulbaer Straße in Reith und ein paar weitere neuralgische Verkehrspunkte.

Aus der Lenkungsgruppensitzung Kissinger Bogen berichtete der Bürgermeister über die Anschaffung einer mobilen Bühne, die Vorstellung des Films "Rhönkäppchens Heimat" und das Projekt "picknickbeutel.de". Die Allianz Fränkisches Saaletal wird sich der Initiative "picknickbeutel.de" anschließen.

Nach rechnerischer Prüfung hat die Firma Zenner International GmbH & Co. KG aus Saarbrücken das wirtschaftlichste Angebot zum Liefern von 156 Wasserzählern abgegeben. Den Einbau der Zähler übernimmt die Firma Metallbau Winfried Heil aus Frankenbrunn.

An der ersten digitalen Jugendbürgerversammlung haben laut Götz rund 20 Jugendliche teilgenommen. Man hätte sich ein paar mehr gewünscht, aber es sei eine angenehme Runde gewesen, und die Jugendlichen seien mit klaren Vorstellungen aufgetreten. Paul Bieber fragte an, ob die Sonnwendfeuer stattfinden könnten und wenn ja unter welchen Bedingungen. Die Verwaltung will dies klären. Die nächste Sitzung beginnt mit einem Vor-Ort-Termin am Hassenbacher Friedhof.

Alle Bauanträge genehmigt

Kämmerer Klaus Blum erläuterte die eingegangenen Bauanträge: Befürwortet wurden der Abbruch und die Erneuerung des Dachstuhls einer Scheune und eines Nebengebäudes in Thulba, An der Klostermauer; der Neubau eines Einfamilienhauses mit Garage in Oberthulba, Am Hochfeld; der Anbau eines Abstellraumes und Erweiterung des Wartebereiches in der Praxis für Physiotherapie in Reith, Neuwirtshauser Straße; der Neubau einer Garage in Oberthulba, Kissinger Straße sowie der Tekturplan zur Errichtung eines Wohnhausneubaues Mühlbachmitte 1 in Thulba. Ebenfalls genehmigt wurde die Erweiterung der PV-Anlage, Umbauung Terrasse und Backofenneubau auf einem Grundstück in Oberthulba, das der Markt verpachtet hat.