Griechische Mythologie als Theaterstück? Ist da Langeweile vorprogrammiert? Weit gefehlt. "Perseus reloaded" war eines der längeren Stücke am Frobenius-Gymnasium Hammelburg. Mit Kreativität, Witz, hie und da leichten verzeihbaren Abweichungen in der Sage und raschen Szenen-Wechseln gelang den "FrobFrogs" eine überaus kurzweilige und intelligente Darstellung des heldenhaften Halbgottes Perseus und seiner Wegbegleiter.

Proben seit Herbst

Seit Schulbeginn probten die fast 40 Mitwirkenden am Theaterstück. "Und bereits bei den Vorbereitungen war die

Kernfrage: Wie lassen sich die antiken und veralteten Mythen rund um Perseus' Abenteuer modern aufbereiten? Immerhin muss dem Publikum die etwas eingestaubte Heldensage des Perseus schmackhaft gemacht werden und das Original wäre dafür etwas weniger gut geeignet", meint Oberstudienrätin Eva-Maria Conrad, bei der alle Fäden zusammenliefen. "Es ist stark zu bezweifeln, dass die konsequente Missachtung der Menschenrechte heutzutage auf viel Zustimmung stoßen würde. Auch mit Gleichberechtigung hatten die Griechen und ihre Götter nicht unbedingt viel am Hut. Die Herausforderung für uns als Theater-AG war also die Gratwanderung, auf der einen Seite nicht zu viel von dem tatsächlichen, antiken Inhalt abzuweichen und auf der anderen das Stück dem heutigen Zeitgeist entsprechend anzupassen. Dabei war schnell klar, dass diese auch mittels einer ordentlichen Portion Humor gemeistert werden soll. Generell entschieden wir uns dafür, das Theaterstück antik aufzuziehen und darin moderne Akzente und Anspielungen zu setzen."

Die Prophezeiung

Davon gab es einige - sowohl im Text als auch bei den Requisiten. Hermes trägt auf der Erde eine Paketzusteller-Uniform, veröffentlicht im Olymp die täglichen Schlagzeilen auf einem Plakat, das Orakel hängt kiffend mit Kumpanen ab. Auf diese Weise wurden dem Publikum die Abenteuer des Perseus auf humorvolle, aber durchaus auch kritische Art und Weise nähergebracht.

Die Geschichte selbst dreht sich um Perseus, Sohn der Danae und Zeus. Bevor Perseus geboren wurde, bekam sein Großvater die Prophezeiung, dass sein Enkel ihn umbringen würde. Dieses schreckte in so ab, dass er seine Tochter in einen Kerker sperrte. Zeus verliebte sich in die Prinzessin, worauf sie Perseus gebar. Der König verstieß seine Tochter samt Enkel, sperrte beide in eine Holzkiste und warf sie ins Meer. Sie wurden an den Strand von Serifos getrieben, wo der Fischer Diktys sie fand und sein Bruder, König Polydektes, die Gestrandeten aufnahm. Polydektes trug Perseus auf, ihm den Kopf der Medusa zu bringen. Denn er hegte die Hoffnung, dass Perseus dabei starb, da er Danae nachstellte und dies Perseus' Missfallen erregte. Wenn Perseus sterben sollte, wäre sein Weg gebahnt. Doch die Götter schicken Hilfe. Perseus schafft das schier Unmögliche. Mit dem abgeschlagenen Kopf im Gepäck macht er sich auf den Heimweg. Auf dem Rückweg rettet er eine schöne junge Frau, die geopfert werden soll. Andromeda, seine spätere Frau.

Menschliche Laster

Das Stück gibt einen Einblick in menschliche Tugenden, vor allem aber auch in alle Laster, wie Hochmut, Habgier, Zorn, Wollust und Neid. Die Götter auf dem Olymp versuchen, die Fäden zu ziehen, doch am Ende sind es die Menschen, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Ein schöner Schluss, getoppt von Hermes, der den abgeschlagenen Medusakopf in einem Paket in den Olymp bringt und so die Götter endgültig erstarren lässt, damit sie nichts mehr vermasseln können. Grandios!

"Ein starkes Team"

Das Stück selbst wurde auf zwei Bühnen dargestellt - eine irdische und eine himmlische. Film-, Sound- und Lichteffekte verstärkten das Gespielte gekonnt. Voll des Lobes war Eva-Maria Conrad für alle Mitwirkenden, die trotz coronabedingter Ausfälle die Proben und vor allem die Aufführungen gemeistert hatten. Einen großen Teil der Arbeit übernahmen die Absolventen des Profilfachs Theater selbstständig. Die Götter im Olymp übernahmen diese Absolventen komplett und schafften es, mit Texten, Ausdruck und Humor den jeweiligen Göttern einen unverwechselbaren Charakter zu geben. Auch Requisiten und Bühnenbild waren Werk der "Profilfächler".

"Ein starkes Team war das dieses Jahr", freute sich Eva-Maria Conrad über die gelungene Aufführung. "Ja, wir mussten erfinderisch sein, hatten dafür aber auch freie Hand", erklärt Jennifer Niebling, Darstellerin und Absolventin des Profilfachs Theater. "Einerseits war da die Mythologie und wir wollten uns unbedingt ausführlich mit einer Geschichte beschäftigen, aber andererseits sollte es an die Moderne angepasst werden. Es war viel Arbeit, bei der wir aber auch extrem Spaß hatten."

Diese Arbeit hat sich überaus gelohnt. "Perseus reloaded" von den FrobFrogs war ein gelungenes, kurzweiliges, humoriges und spannendes Bühnenstück.

Darsteller: Luisa Greubel, Clara Strauß, Ronja Aulbach, Anna Buttler, Anne Granich, Anna Hoffmann-Feser, Sorin Kickuth, Vincent Kriesel, Marta Lutz, Ria Schipper, Neele Aulbach, Jakob Weber, Amaya Kickuth, Ulrich Knüttel, Sophia Thust, Sophia Warnke, Hanna Schaupp, Emma Schaub, Rebekka Kreß, Jule Hannawacker, Julia Gabel, Alexander Knüttel, Jennifer Niebling, Linus Reichert, Lena Manger

Technik: Raphael Luxem, Dominik Niebling, Kilian Warmuth, Claudius Schübel,

Plakatgestaltung:

Greta Bindrum

Bühnenbild:

Emily Leitschuh

Programmheft, Idee Plakat: Charlotte Vervoort

Requisite: Franziska Bauer

Videoschnitt: Luisa Hesse

Kostüm und Ausstattung: Ann-Sophie Seufert

Leitung: Eva-Maria Conrad