Drei Jahrzehnte lang flog der gebürtige Ramsthaler Matthias Söder (59), seit zwei Jahren in Bad Kissingen wohnhaft, als Pilot rund um den Globus. Vor einigen Jahren tauschte er das Cockpit gegen das heimische Arbeitszimmer, um Thriller zu schreiben, in denen nun seine Killer um die Welt jetten. Nach dem Debüt "Herzschlag der Gewalt" (2017) erscheint jetzt sein zweiter Roman "Herzschlag des Bösen". Eine dramatische Szene der weltumspannenden Handlung spielt sogar im Bad Kissinger Regentenbau.

Schon als Jugendlicher dachte sich Soeder gern Geschichten aus. Doch alle Versuche, diese schriftlich festzuhalten, "scheiterten kläglich", erinnert sich der heute 59-Jährige: "Ich hatte eine Sauklaue." Deshalb machte er nach dem Hauptschulabschluss lieber die Ausbildung zum Kfz-Mechaniker, verpflichtete sich anschließend für zwölf Jahre bei der Bundeswehr, erwarb nebenbei in der Abendschule mit Ausbildung zum Bürokaufmann den mittleren Bildungsabschluss und ließ sich 1991 als 29-Jähriger mit Nachweis der Hochschulreife zum Verkehrspiloten ausbilden.

"Es folgte ein abenteuerliches Leben als Absetzpilot für Fallschirmspringer. In Korsika gab es die Drohung eines Bombenanschlags auf mein Flugzeug." Ab 1994 stieg Soeder zunächst als Copilot bei einer zivilen Airline ein, fünf Jahre später bei einer Frachtfluggesellschaft und ab 2007 war er für diese als Kapitän eines Jumbo-Jets in weltweitem Einsatz, bis er - nach Veröffentlichung seines ersten Romans - im Jahr 2018 sein Cockpit endgültig verließ. "Meine Leidenschaft fürs Schreiben war inzwischen stärker geworden als für die Fliegerei. Ich musste eine Entscheidung treffen." Doch Liebesromane oder Familiensagas sind nicht sein Ding, ist auf Soeders Website zu lesen. Wir haben nachgefragt, warum das so ist.

Herr Soeder, als welterfahrener Pilot hätten Sie doch viele Ansatzpunkte für Krimis, Agenten- oder Politthriller. Warum haben Sie sich auf brutalere Thriller festgelegt?

Matthias Soeder: Während meines Fernstudiums der Schriftstellerei versuchte ich mich tatsächlich in verschiedenen Genres, doch ich konnte mich schlecht in diese Fantasiewelten versetzen. Mir fehlte der Nervenkitzel. Das Bedrohliche und die menschlichen Abgründe begeistern mich. Es ist die kranke Psyche, die so faszinierend und gefährlich ist.

Was finden Sie daran so faszinierend?

Wie eng Genialität und Wahnsinn bei einander liegen. Für meinen neuen Roman recherchierte ich viel über Serienmörder und Psychopathen. Als ich in die Welt des Irrsinns abtauchte, war ich erschüttert und schockiert. Diese Gefühle versuchte ich einzufangen und für den Leser lebendig zu machen. So wurde Igor Poljakow, eine meiner drei Hauptfiguren, zu einem Zeitgenossen, dem man auf keinen Fall begegnen möchte.

In beiden Romanen kommt der islamistische Terror in Afrika vor. Dies scheint Ihnen wichtig zu sein. Haben Sie persönliche Erlebnisse?

Ich war als Pilot oft in Afrika und habe das Leben in den dortigen Slums beobachtet. Vor sieben Jahren wurde ich während der fast täglichen Bombenanschläge in Nairobi (Kenia) in einem Somalier-Viertel gejagt und in der Nähe des Airports fast erschossen. Kollegen von mir wurden in Lagos (Nigeria) mit vorgehaltenen Maschinenpistolen überfallen und ausgeraubt.

Wovon handelt Ihr neuer Thriller "Herzschlag des Bösen"?

Es geht um den menschlichen Wahnsinn, um die Stärken und Schwächen der Psyche. Der hochintelligente Auftragsmörder Igor Poljakow glaubt an ein früheres Leben, in dem er als Junge von einer Nonne grausam zu Tode gefoltert wurde. Diese Nonne meint er nun in der Journalistin Hanna Engels wiederzuerkennen. Igor, ein begnadeter Computer-Hacker, stellt sich kaltblütig über Recht und Ordnung. Die Jagd auf Hanna wird seine Bestimmung. Auf einem Kongress im Bad Kissinger Regentenbau haben beide erstmals Blickkontakt, doch Hanna hat keine Ahnung von der tödlichen Gefahr.

Ihr neuer Roman findet zwar einen scheinbar befriedigenden Abschluss. Aber der Epilog lässt anderes ahnen. Wird es eine Fortsetzung geben?

Sie haben Recht: Es ist ein Zweiteiler. Die spannende Geschichte um Igor Poljakow, Journalistin Hanna Engels und Flugkapitän Jens Bachmann geht tatsächlich weiter. Der zweite Teil liegt als Skript schon im Lektorat und soll im Januar als Buch ebenfalls im Frankfurter Verlag MainBook erscheinen.

Das Gespräch führteSigismund von Dobschütz

Informationen

Signierstunde: Matthias Soeder lädt zur Signierstunde am Samstag, 10. Juli, ab 13 Uhr in der Buchhandlung "seitenweise", Ludwigstraße 21, Bad Kissingen.

Das Buch:

Matthias Soeder: "Herzschlag des Bösen", MainBook Verlag, Taschenbuch, 270 Seiten, Preis: 12 Euro, ISBN ?978-3948987077