Sulzthal
Energie

Vier Windräder für Sulzthal

Südlich von Sulzthal sollen vier Anlagen Strom erzeugen. Ein Beteiligungsmodell will den Bürgern den Bau schmackhaft machen. Doch nicht alle sind überzeugt.
Blick zwischen Bäumen hindurch auf ein Windrad. So eine Perspektive ist vielleicht bald auch in Sulzthal zu sehen. Foto: Archiv/ Markus Reeh
Blick zwischen Bäumen hindurch auf ein Windrad. So eine Perspektive ist vielleicht bald auch in Sulzthal zu sehen. Foto: Archiv/ Markus Reeh
Das hätte die Gemeinde schon früher machen sollen - diese Meinung war beim Bürgerforum zur Windkraftanlage häufig zu hören. Denn viele Sulzthaler besuchten die Veranstaltung mit dem Gefühl, bisher nicht ausreichend informiert worden zu sein. Beim Bürgerforum erklärten Mitarbeiter von Enercon an Schautafeln Details der Planung und den angedachten Bauablauf.

Der Informationsabend war zum Teil eine Reaktion auf den "Bürgerbrief", den 216 Sulzthaler an Bürgermeister und Marktgemeinderat gerichtet hatten. Das räumte August Weingart (CSU und Wählergemeinschaft) auch ein: "Nach den vielen Unterschriften haben wir uns mit Enercon für das Bürgerforum entschieden. Mehr Information ist nicht mehr möglich."

Der Bürgermeister widersprach aber dem Vorwurf, bisher nicht genügend informiert zu haben. Über eine Windkraftanlage werde schließlich seit 2013 gesprochen. Im November des vergangenen Jahres, als das Vorhaben konkret wurde, fand eine Bürgerversammlung statt. Noch am selben Abend stimmte der Gemeinderat damals für einen Vertragsschluss mit dem Unternehmen Enercon.

Den Unterstützern des "Bürgerbriefs" ging dieses Tempo zu schnell. Sie kritisieren außerdem, dass für den Bau der Windräder Bäume gefällt werden müssen. Durch die Masten und Rotoren verliert der restliche Wald für sie ein Stück seiner Erholungsfunktion.

Die vier Windräder sollen sich auf einer gemeindeeigenen Forstfläche südlich des Ortes drehen. Jede Anlage hat eine Leistung von drei Megawatt. Vom Boden bis zur Nabe messen die Masten 149 Meter. Die Rotoren erstrecken sich im Durchmesser 115 Meter weit.

Die Anlage unterschreitet damit die neue 10-H-Regelung. Die besagt, dass der Abstand zwischen einer Windkraftanlage und der nächsten Bebauung mindestens das zehnfache der Höhe des Windrads betragen muss. Mit einem Bebauungsplan kann die Gemeinde allerdings von der Regel abweichen. Der Bebauungsplan wird in den kommenden Monaten erstellt.

Untersuchung der Vogelwelt

Bereits begonnen hat die artenschutzrechtliche Untersuchung. Sie erfasst unter anderem die Flugwege des Milan. Die Beobachtungen werden in den kommenden Monaten fortgesetzt, wie Biologe Michael Werner erklärte. Bisher ist vor allem das Vorkommen von Spechten kartiert. Die Daten werden um weitere Vogelarten sowie um Fledermäuse erweitert, sobald die Tiere nun wieder in der Natur aktiv werden. Wenn diese und weitere Vorarbeiten erledigt sind, will Enercon gegen Ende des Jahres den Bauantrag stellen. Parallel zu dem Genehmigungsverfahren will das Unternehmen prüfen, ob sich Bürger an der Windnutzung beteiligen wollen.

Denn zwei der vier Windräder gibt Enercon zum Verkauf an einen örtlichen Zusammenschluss frei. Das kann eine noch zu gründende Energiegenossenschaft oder GmbH & Co. KG sein, sagte Heiko Rüppel. Auch die Gemeinde kann einsteigen. Für den Kauf eines Windrads ist laut Rüppel mit einem Eigenkapitalbedarf von einer Million Euro zurechnen. Als weiteren Anreiz verspricht Enercon seinen Sulzthaler Stromkunden eine Preisreduzierung.

Doch noch sind nicht alle Sulzthaler überzeugt. Den Kritikern kam zum Beispiel das Thema Infraschall zu kurz. Die Initiatoren des "Bürgerbriefs" wollen daher eine eigene, unternehmensunabhängige Infoveranstaltung organisieren.