Knapp zwei Dutzend Liegeradfahrer aus nah und fern versammeln sich am Bahnübergang in Elfershausen. "Der Kontakt zu den anderen Fahrern und der Erfahrungsaustausch über Neuerungen hat mich hergelockt", sagt Christian Voss aus Heidelberg. Schon das ganze Jahr habe er sich auf diesen Termin gefreut. Da sei das nasskalte Wetter Nebensache.

"Spaß macht es obendrein", meint Sven Kröll aus Stade bei Hamburg. Mit seinem Velomobil, einem voll verkleideten Liegefahrrad, erreicht er ein Tempo von etwa 70 Stundenkilometern - mit reiner Muskelkraft.

"Nein, im Winter friere ich nicht auf meinem Liegerad", erklärt er. Denn spätestens nach vier Minuten Strampeln fange er schon zu schwitzen an, und seine eigene Körperheizung sei dann aktiv. Nur viel Schnee kann Kröll vom Fahren abhalten, ist doch nur eine Handbreit Bodenfreiheit zwischen der Verkleidung und der Fahrbahn.

Es liegt Pioniergeist in der Luft, wenn die Velomobil-Fans ihre nur 20 Kilogramm schweren Liegeräder von den Dachträgern ihrer Autos oder von ihren Anhängern auf die Straße heben. Auf dem Parkplatz der Schwedenberghalle haben sie ihre Autos abgestellt. Ein Schluck heißer Kaffee aus der Thermoskanne hilft gegen die Kälte und den einsetzenden Nieselregen.

Es erinnert ein wenig an Bob-fahrer, wenn sich die Piloten in ihre maßgeschneiderten Gefährte zwängen. Gelenkt werden die beiden Vorderräder der Velomobile über eine Steuerstange. Bei den Fachsimpeleien geht es um die ausgefeilte Technik. Vor allem mit Daniel Fenn, der seine Velomobile selbst konstruiert und baut, wird das Gespräch gesucht.

"Nein, ich bin kein studierter Ingenieur", sagt der aus Elfershausen stammende Fenn. Zurzeit tüftle er in der rumänischen Niederlassung einer niederländischen Firma an der Aerodynamik der Gehäuse und an der Optimierung des Rollwiderstands. "Ich bin zufrieden", stellt Fenn nach den Tests seines neuesten Modells fest.

Hohe Geschwindigkeit

Er hätte zuvor nie gedacht, dass es die Liegeräder ohne Pedalbetätigung nur dank des geringen Gefälles vom Bahnübergang bis über die Trimberger Saalebrücke schaffen. Auf ein hohes Tempo kommen seine neuen Velomobile beim zweiten Test auf der Gefällstrecke zwischen Elfershausen und Aura.

Da ist auch Velomobil-Chef Ymte Sübrandy total begeistert. Im vergangenen Jahr haben 180 Velomobile seinen Betrieb verlassen. Dennoch sei die Gesamtzahl der europäischen Fahrer noch überschaubar: "Es gibt wenige tausend, die meisten in Deutschland." Der Trend gehe aber zurzeit nach oben, bestätigt der Firmen-Chef.
Neben dem niederländischen Unternehmen gibt es zum Beispiel auch einen Hersteller in Hannover und einen in Straelen an der niederländischen Grenze sowie eine Firma in Belgien. Die Anzahl der Betriebe sei aber überschaubar.

Geringer Luftwiederstand

"Liegefahrräder gibt es schon seit langer Zeit", erklärt Fenn. Was ihn fasziniere, sei die Hightech-Version an der oberen Grenze des Machbaren. Die windschnittige Verkleidung aus Karbon, Epoxidharz und Glasfasern soll möglichst wenig Luftwiderstand bieten. Das Gehäuse ist leicht, aber zugleich so verwindungssteif, dass Fenn sich zur Demonstration mit seinem ganzen Körpergewicht darauf abstützen kann.

"Das Rad ist schon erfunden, aber an der Technik lässt sich noch einiges verbessern", ist Fenn überzeugt. Fenns Liegefahrräder der neuesten Generation haben eine so große Effizienz, dass sie Tour-de-France-Fahrer locker überholen. "Eine Strecke von 70 Kilometern in nur einer Stunde, das schafft kein konventioneller Radfahrer", sagt Fenn.

"Mit meinem Liegerad schaffe ich sogar die 2000 Kilometer zu meinem Urlaubsort, ohne dass ich aufgeben muss", erklärt Martina Hilgendorf aus Hildesheim. Allerdings müsse sie sich beim Reisegepäck einschränken. Passt doch nicht allzu viel zwischen den Sitz und das hintere Gehäuset. Fahrer Helge Richert traut sich sogar alpine Fahrstrecken im Vorarlberg zu: "Die fahre ich mit meinem Milan auch zügig hinauf."

Für den Preis eines solchen Liegerads kann man leicht einen Kleinwagen bekommen. Fenn nennt einen Anschaffungspreis von rund 6000 bis 12.000 Euro. Je nach Fahrergröße und Sonderwünschen wird für jeden Kunden individuell gebaut.