Genervte Pendler, verspätete Schulbusse, Umsatz-Einbußen für den Supermarkt jenseits der Bundesstraße und hilfsbereite Anwohner, die den Verkehr stundenlang regeln: Die Baustelle am Euerdorfer Kreisverkehr, speziell die Sperrung der südlichen Hälfte samt neuer Verkehrsführung hat am Dienstag für ein Verkehrschaos in Euerdorf gesorgt. Hauptproblem war dabei die Engstelle zwischen Bundesstraße und Ringstraße, die bei Normalverkehr gar nicht aus allen Richtungen befahrbar ist. Bereits zwei Pkw kommen dort nur knapp aneinander vorbei. Einzelne Lkw, die den weiten Umweg über Bad Kissingen vermeiden wollten, verstopften das Nadelöhr komplett. Immerhin passieren laut der jüngsten Verkehrszählung aus dem Jahr 2015 rund 9500 Fahrzeuge am Tag den Kreuzungsbereich von Bundesstraße B 287 und Staatsstraße St 2290.

"Es ist eine Katastrophe!"

Die Umleitung schlug auch in sozialen Medien hohe Wellen: "Total planlos, wenn Busse und Lkw alles blockieren", kommentierte etwa Stefan Mährlein das Chaos. "Danke an die Anwohner", würdigt Carmen Kötzner den Einsatz von Euerdorfern, die den Verkehr aus vier Richtungen koordinierten. "Muss jeden Tag nach Euerdorf zur Arbeit. Es ist eine Katastrophe!", schreibt Userin Franzi Coroly. Und Melanie Schießer ergänzt: "Eine extrem schlechte Beschilderung, kein Mensch blickt mehr durch."

Solche und ähnliche Beschwerden sind auch bei der Hammelburger Polizei und bei der Gemeinde eingegangen. Von bis zu 45 Minuten Verspätung berichten Autofahrer, andere bemängeln, dass zeitweise im Notfall auch keine Rettungs- oder Feuerwehr-Fahrzeuge mehr durchgekommen wären. "Ich habe mich heute gleich mit Polizei und Staatlichem Bauamt am Kreisel getroffen", berichtet der Euerdorfer Bürgermeister Peter Bergel. Es seien mehrere Vorschläge diskutiert worden: Die Einbahn-Regelungen im Altort aufheben oder zumindest umdrehen, den Verkehr aus Richtung Sulzthal über den Radweg in Richtung Hammelburg zulassen oder gleich weiträumig umleiten: "Ich habe auch angesprochen, ob man die B 287 nicht gleich ab Bad Kissingen sperrt", berichtet Bergel.

Ralf Peter von der Hammelburger Polizei war am Vormittag vor Ort. Bereits bei der ersten Umleitung zum Ausbau der nördlichen Hälfte des Kreisverkehrs hatte er Verbesserungsvorschläge gemacht, damals wurde unter anderem eine Einbahnregelung in Richtung Gewerbegebiet Siebenäcker eingerichtet. Auch jetzt schlug Peter eine Entzerrung des Verkehrs vor: Damit es an der Einmündung der Ringstraße nicht erneut zu Engpässen kommt, werden jetzt alle Pkw in der Ortsmitte auf die alte Saalebrücke umgeleitet, auf der für die Bauzeit eine Einbahn-Regelung in Richtung Bundesstraße gilt. Wer Richtung Hammelburg will, muss nach der Saalebrücke links abbiegen. Als weitere Maßnahme wird die Ampel östlich der Baustelle weiter in Richtung Bad Kissingen versetzt. "So wird künftig gewährleistet, dass der Kreuzungsbereich frei bleibt", teilt das Staatliche Bauamt Schweinfurt mit. Aus der Ringstraße dürfen nur noch Busse in die Bundesstraße einbiegen.

Das Staatliche Bauamt dankte den Anwohnern, die zu einer Entzerrung des Verkehrs beitrugen. Die Behörde habe am Mittwoch "mit Nachdruck daran gearbeitet, eine schnelle Lösung zu finden". Vor allem sollte dabei die Ringstraße entlastet werden. Auch die neue Regelung werde im Auge behalten.

Das Staatliche Bauamt geht auf Nachfrage auch auf Kritik aus dem Netz ein, der Kreisel sei zu klein geplant worden: Der Euerdorfer Kreisel war 2006 der erste Kreisverkehr überhaupt entlang einer Bundesstraße im Landkreis Bad Kissingen. Trotzdem sei er noch zeitgemäß: "Mit einem Durchmesser von 38 Metern entspricht der Euerdorfer Kreisverkehr den heute gültigen Vorschriften für Kreisverkehre außerorts", heißt es auf Nachfrage aus Schweinfurt. Der Regeldurchmesser liege zwischen 35 und 50 Metern, alle Fahrbeziehungen seien mit Schleppkurven nachgewiesen worden.

Die Erfahrung habe aber gezeigt, dass Lkw in den vergangenen 15 Jahren den Bordstein des Asts Euerdorf überfuhren und beschädigten. In dem Bereich werde der Kreisel deshalb erweitert. Im Kreisverkehr selbst sei die Fahrbahndecke einfach verschlissen, auch der gepflasterte Innenring habe Schäden aufgewiesen. Deshalb gibt es eine durchgehende Asphaltschicht für den Knotenpunkt zwischen Bundes- und Staatsstraße. "Der Unterbau kann belassen werden", widerspricht das Bauamt Spekulationen um größere Schäden.

Der Euerdorfer Bürgermeister Peter Bergel hofft, dass die neue Umleitung nun bis zum Ende der Baustelle Ende Juli für Ruhe sorgt. Er werde aber die Situation weiter genau beobachten.