Seit Januar 2019 betreiben Agnieszka und Roland Brand ihren Biohof mit Direktvermarktung und Ferienwohnungen am Schafhof in Aura. Begonnen hat alles mit Hühnern, später kamen Bienen und das "Schweine-Leasing" dazu. Auf einem sechs Hektar großen Grundstück lebt die vom Aussterben bedrohte Rasse "Rotbunte Husumer Sattelschweine" ganzjährig in Freilandhaltung. "Die Schweine können wühlen, sich suhlen und ganz Schwein sein", sagt Agnieszka Brand. Die Brands hoffen, dass sie der Trend zu regionalen Produkten, Bio und artgerechter Haltung auszahlt: "Wir bieten alles an, was die Tiere glücklich macht. Wir würden uns wünschen, dass die Nachfrage konstant bleibt." Corona ging auch am Biohof der Brands nicht spurlos vorüber: "Immer Auf und Ab, mal darfst du, mal darfst du nicht. Das alles macht dich einfach nur mürbe", sagt Agnieszka Brand.

Das Schweine-Leasing laufe nach wie vor gut, aber die Nachfrage nach weiteren Fleischprodukten sei deutlich gesunken. "Das, was wir schlachten wollten, muss leider warten. Du weißt ja nicht, wie weit du gehen kannst, und es ist ein großes Fragezeichen, da wir die Nachfrage abwarten müssen", sagt Agnieszka Brand. Laut Roland Brand sind aktuell acht Schweine verleast und der Rest wird für die eigene Produktion verwendet. Die Brands schlachten nach Bedarf, nicht auf Vorrat. "Wir haben auch gar nicht die Möglichkeit zur Kühlung solcher Mengen."

Weil die Nachfrage durch Corona nachgelassen habe, seien einige Schweine mittlerweile "überreif". Der Betrieb weicht vermehrt auf Wurstgläser aus und setzt verstärkt auf Selbstbedienung: Einer der drei Kühlschränke steht im Außenbereich und werde gut angenommen. Die Kunden haben die Möglichkeit, coronagerecht und mit Abstand in Selbstbedienung einzukaufen. "Du merkst, dass die Leute wenig Kontakt haben wollen, sie haben Angst und sind unsicher", erzählt Agnieszka Brand, und: "Durch Corona merkst du, dass die Kunden mehr auf ihr Geld achten, du merkst halt, dass es langsamer wird."

Zu Corona kam dann auch noch die Vogelgrippe. I Auch die Hühner der Brands leben das ganze Jahr über draußen, seien dort sehr glücklich. Jetzt musste die Familie innerhalb kürzester Zeit eine Möglichkeit schaffen, die Hühner nach den derzeitigen Regeln zu halten. "Ich wünsche mir für meine Hühner wieder die Freiheit", sagt Agnieszka Brand, und: "Die Regelungen sind im Landkreis ungerecht gelöst. Hier entlang der Saale haben ein paar Dörfer auf und ein paar Dörfer zu."

Vor Corona hatte die Familie vor ihrem Haus eine Kiste mit Eiern, wer etwas haben wollte, rief vorher an und holte die Ware dann zwanglos ab. Mittlerweile ist ein neuer Hofladen und ein Bistro dazu gekommen. Durch Auflagen und neue Regelungen sei das Projekt immer wieder in die Länge gezogen worden. Trotzdem setzten die Brands konsequent auf ToGo als weitere Alternative, Waren zu vermarkten.

"Ein Biobetrieb braucht mindestens drei Jahre, bis er sich eingebürgert hat", sagt Roland Brand. "Du hast ja Standbeine aufgebaut, aber langsam wackeln alle. Man wird müde und die Kunden auch. Die Leute haben das alles satt, diese Verbote, du willst einfach nur normal weiterleben", macht seine Frau deutlich. Manchmal raucht ihnen der Kopf wirklich durch die zusätzliche Arbeit, wie die neue Idee eines Online-Shops.

Der Hofladen wurde zum 1.April offiziell eröffnet. Zusätzlich zum bisherigen Angebot gibt es darin selbst gemachten Kuchen, und durch den neu gekauften Grill können auch Bratwürste im Brötchen angeboten werden. Im Moment sind die Öffnungszeiten für Donnerstag bis Samstag, von 11 bis 16 Uhr vorgesehen, feiertags ist geschlossen. In den kommenden Monaten soll dann ab Mai auch schon ab Dienstag geöffnet sein. Dann beginne die Saison für Kanufahrer, die direkt unterhalb des Anwesens anlegen und sich ihren Proviant mitnehmen können. Sobald Außengastronomie erlaubt ist, werden vor dem Hofladen und unter dem nahe liegenden Carport Tische und Bänke stehen und die Familie bietet ein Bistro in kleinem Rahmen an. Ein Alkoholausschank ist aktuell beim zuständigen Landratsamt noch in der Genehmigungsphase.Vor allem Radfahrer und Wanderer wird das freuen.

Einen Einbruch gab es durch Corona auch bei den Ferienwohnungen: "Da brach letztes Jahr mit einem Mal alles weg", erklärt Roland Brand. Das sei für die Familie besonders bitter gewesen. Immerhin könnten sie aktuell an Arbeiter vermieten. So ganz verstehen sie die Regelungen aber nicht, denn der Tourismus bleibt weiterhin außen vor. Sie hoffen, dass sich das bald ändert. Die Mieter hätten sich immer sichtlich wohlgefühlt und manche blieben dann auch mal ganz spontan ein paar Tage länger. Neu ist, dass die Mieter auch ein Frühstück dazu buchen können.