Wo nahm die Hammelburger Geschichte ihren Ausgang? Diese Frage treibt Kreisheimatpfleger Roland Heinlein um. Es geht in die Zeit der fränkischen Landnahme, als das Frankenreich sich ausdehnte. Damals bildeten und festigten sich die herrschaftlichen Strukturen, wie Heinlein erklärt. Das macht diese Epoche für Geschichtsinteressierte so spannend. Sie legte den Grundstein für viele heutige Siedlungsräume.

In einer Urkunde aus dem Jahr 716 taucht ein Hinweis auf eine Burg oder Befestigung auf, die seitdem als hamulo castellum bekannt ist. Der Hammelberg gilt schon immer als Standort dieser Burg. Schließlich sind zwei Bodendenkmäler auf der Anhöhe dokumentiert: Funde aus der frühen Latènezeit und zwei Gräber der Merowingerzeit.

Aber auf eine Befestigungsanlage deuten keine Spuren mehr. Das Gelände ist durch den Weinbau zu stark umgeformt, sagt Heinlein. Zwar erwähnen ältere geschichtliche Abhandlungen eine "doppelte Steinwallbefestigung", doch geht der Kreisheimatpfleger eher davon aus, dass es sich um alte Weinbergsmauern handelte.
Früher seien in Weinbergslagen Lesesteine zu Mauerriegeln angehäuft worden. So wurden die Weinbauern die Steine einerseits los, andererseits stabilisierten die Mauern die Hänge. Anhand einer alten Katasterkarte belegt Heinlein, dass solche Steinriegel für den Hammelberg verzeichnet waren.

Der starke Bewuchs dort verhindert, dass sich heute an der Oberfläche noch was finden lässt. Das hat vor einigen Tagen eine Begehung bestätigt. Geschichtsinteressierte Hammelburger, Freiwillige des Projekts "Archäologie und Ehrenamt", die Heinlein für die Region betreut, und Ralf Obst vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege nahmen auf dem Hammelberg mehrerer Stellen in Augenschein. Die Exkursion blieb ergebnislos.

"Auf dem Hammelberg kommen wir nicht weiter", sagt Heinlein. Er will daher einer anderen Theorie nachgehen, die sich auch überprüfen lässt. Denn möglicherweise ist das hamulo castellum auf einer ganz anderen Anhöhe zu suchen: auf dem Schlossberg.

Hinweis auf Befestigungswall

Für diese Vermutung spricht laut Heinlein ein Vergleich mit anderen Städten. So gebe es zum Beispiel in Karlstadt eine vormittelalterliche Befestigung, die dann von einer Burg abgelöst wurde. In Hammelburg könnte es demnach anlog gewesen sein: Auf eine erste Verteidigungsanlage folgte im Mittelalter an einer stärker vorgelagerten Position eine neu Burg, das Schloss Saaleck.

Das hamulo castellum könnte sich auf dem Plateau beim Jugendzeltplatz befunden haben. Eine strategisch günstige Lage, wie Heinlein beschreibt. Dank des natürlichen Geländeeinschnitts des Liebenthals sei der Standort leicht zu sichern. Und in der Landschaft zeichnet sich tatsächlich eine viel versprechende Stelle ab. "Es ist eine sehr leichte Erhebung zu erkennen, die von einem verschliffenen Wall stammen könnte", sagt Heinlein.

Eine geophysikalische Prospektion soll nun klären, ob sich ein Wall oder Graben nachweisen lässt. Heinlein will die Untersuchung noch für dieses Frühjahr beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege beantragen. Der Hammelburger Förderkreis Stadtmuseum und Denkmalpflege will sich beteiligen. "Die Untersuchung könnte ein klareres Licht auf die frühe Geschichte werfen", meint Vorsitzende Christiane Schmid. Die Sondierung kommt ohne Grabung aus. Spezielle Geräte spüren lediglich lokalen Störungen der Magnetfeldlinien nach, die auf Überreste baulicher Strukturen zurückzuführen sind.

Die Untersuchung soll den Schlossberg als Standort der Ursprungsburg bestätigen oder ausschließen. Möglicherweise öffnet sie Raum für neue Spekulationen. Denn es ist im Augenblick vorstellbar, dass es sowohl auf dem Hammelberg als auch auf dem Schlossberg eine ursprüngliche Befestigung gab, was Hammelburg eine ganz neue Bedeutung zugestehen würde.