Die Schauspieltruppe der Schweinfurter Kulturwerkstatt Disharmonie unter der Regie von Bernd Lemmerich, die auch die "Nacht der Poesie" für den verstorbenen Rudolf Herget besetz, erobert mit ihren Aufführungen die Sympathien des Publikums. Diesmal mit Oscar Wildes Komödie "Bunbury".

Der englische Titelzusatz "The Importance of Being Earnest" wird, ins Deutsche übersetzt, der beabsichtigten Doppelsinnigkeit des Autors nur unzureichend gerecht. Was das Deutsche mit "Ernst sein ist wichtig" definiert, drückt nicht das aus, was eigentlich gemeint ist. Im Englischen steht Earnest oder der gleichklingende Vorname Ernest auch für "aufrichtig".

Der 1854 in Dublin geborene Oscar Wilde studierte in England und ließ sich in London nieder. In seinem Stück nimmt Wilde die "Aufrichtigkeit" des englischen Adels aufs Korn.

Zwei englische Gentlemen versuchen ihren Ruf zu wahren, geben sich unter erfundenen Namen aber dem Vergnügen hin. Der eine, Algernon, der einen kranken Freund namens Bunbury auf dem Lande erfindet, der andere, Jack, der Ernest als seinen liederlichen Bruder vorgibt, um in der Stadt "wildern" zu können, wo er sich selbst Ernest nennt.


Das Verwirrspiel beginnt

Dort lernt er Gwendolen kennen, Algernons Cousine, in die er sich verliebt. Doch auch Algernon treibt ein falsches Spiel. Er behauptet Jacks Bruder Ernest zu sein und trifft Cecily, deren Vormund Jack ist. Seltsamerweise haben beide Damen eine Schwäche für den Vornamen Ernest. Sie sind der Meinung, dieser sagt etwas über den Charakter eines Mannes aus, den sie heiraten wollen.

Das Verwirrspiel folgt den Regeln der Komödie: Jack würde gern Gwendolen heiraten, doch Algernons adelige Tante ist dagegen, weil Jack keine Eltern hat und als kleines Kind in einer Reisetasche in der Londoner Victoria Station gefunden worden war. Ihre Tochter habe Besseres verdient, befindet Tante Auguste.

Gegen eine Heirat zwischen seinem Mündel Cecily und Algernon hat Jack zwar keine Einwände, gestattet dies aber nur, wenn er Gwendolen bekommt.

Licht in das nebulöse Halbdunkel von Herkunft und verschwiegenen Verwandtschaften bringt Jacks Haushälterin, Mrs. Prism. Sie gesteht, Jack einst in einer Reisetasche am Bahnhof vergessen zu haben. Das Baby, nach seinem Vater Ernest benannt, war natürlich Jack selbst, der unbewusst die ganze Zeit die Wahrheit sagte.

Jack ist Algernons älterer Bruder und damit von respektabler Herkunft. Um ihren künftigen Gattinnen zu gefallen, lassen sich beide Brüder vom wortgewaltigen Prediger Jezebel auf den Namen Ernest taufen. Den Hochzeiten steht nichts mehr im Wege - und Tante Auguste schnappt sich den Butler und zerrt ihn ins Obergeschoss.
Engin Secgin (Jack) und Stefan Busch (Ernst) meistern die männlichen Hauptrollen mit Bravour und Verve. Eine Spur der Männermode des 19. Jahrhunderts hätte der Authentizität jedoch nicht geschadet.

Die mondäne Gwendolen (Nora Hetztelt) spielt als gereifte Adelige eine absolut überzeugende Rolle. Das gilt auch für Nathalie Folz alias Cecily, die im Mini-Kleidchen die "Unschuld vom Lande" gibt und frech und voller Leidenschaft einen erfahrenen Ehemann sucht.

Christine Hadulla ist die Rolle der "Tante Auguste" auf den Leib geschrieben. Die erfahrene Schauspielerin kann sich offensichtlich in viele Charaktere gut hineinleben. Mrs. Prism (Irene Memmel) spielt mit Überzeugung die Gouvernante von Cecily, ebenso wie der devote aber stets präsente Butler (Nico Lommatzsch). Es bleibt der stimmgewaltige Jezebel (Maximilian Rückert), der als Vertreter der anglikanischen Kirche in der damaligen Zeit zweifellos durchgegangen wäre.