Das Thema wird landauf, landab diskutiert und hat auch den Hammelburger Stadtrat schon mehrfach beschäftigt: Sollen Kommunen als Sachaufwandsträger von Schulen und Kindertagesstätten Luftfilter kaufen? In zwei Beratungen hatte der Hammelburger Stadtrat das bisher abgelehnt. Die CBB-Fraktion hatte die Anschaffung bereits im Winter beantragt. Allerdings lehnten die Schulleitungen sowohl der Grundschule, als auch der Mittelschule vehement ab und verwiesen auf die Lüftungskonzepte. In der letzten Sitzung vor der Sommerpause wurde nun erneut beraten. "Die Staatsregierung macht Druck", begründete Bürgermeister Armin Warmuth (CSU) seinen erneuten Vorstoß.

"An den kritischen Stellungnahmen der Schulleitungen und der Hausmeister hat sich nichts geändert", fasste Warmuth die Gespräche zusammen. Auch er selbst habe sich bei der Bürgermeister-Dienstbesprechung kritisch geäußert. Allerdings gebe es mittlerweile das Ziel, dass alle Kommunen im Landkreis einheitlich vorgehen.

Der Bürgermeister schlug nun vor, dass der Stadtrat die Verwaltung ermächtigt, "nach entsprechender Abstimmung zwischen den Kommunen des Landkreises Bad Kissingen und dem Landkreis selbst die notwendigen Schritte zur Beschaffung von Luftreinigungsgeräten einzuleiten und diese umzusetzen". Vor einem endgültigen Auftrag soll der Stadtrat über Auswahl und Kosten informiert werden. Diesem Antrag stimmte eine eindeutige Mehrheit zu, lediglich drei Gegenstimmen gab es: 3. Bürgermeister Christian Fenn (Junge Liste), Monika Horcher (Grüne) und Edmund Schaupp (HAB).

"Das größte Problem bei den Schülern ist doch nicht die Situation im Unterricht, sondern der Schulweg", merkte CSU-Fraktionssprecher Martin Wende an. Aus seiner Sicht sei die Diskussion über Luftfilter eine "unerträgliche Symbolpolitik", sagte Wende, und: "Die Lüfter bringen nur eine Schein-Sicherheit." Wende sprach sich dafür aus, dass die Schulleitungen selbst entscheiden könnten, wo die Geräte zum Einsatz kommen, zum Teil würden ja in manchen Klassenzimmern nur 15 Schüler unterrichtet, das verringere die Gefahr.

Auch Monika Horcher, Stadträtin und selbst Lehrerin in der Mittelschule Hammelburg, sprach sich kritisch aus und verwies auf die guten Lüftungsmöglichkeiten in beiden Schulhäusern. Sie merkte an, dass die Geräte am Ende einfach nicht genutzt würden: "Ich habe Bedenken, dass einfach der Stecker gezogen wird, wenn die Dinger zu laut sind", sagte Horcher. Als "Geschäft mit der Angst" bezeichnete Christian Fenn die Diskussion um Luftfilter. Niemand könne wirklich sagen, wie groß der Nutzen sei. Zudem würden die Kommunen beim Stromverbrauch und der Wartung alleine gelassen.

Plädoyer für politische Entscheidung

Die beiden Bauunternehmer Patrick Bindrum (CSU) und Alexander Stolz (CBB) berichteten dagegen aus ihren Unternehmen von sehr guten Erfahrungen. Sie hätten jeweils Geräte im Einsatz, die gut funktionieren und die Mitarbeiter keineswegs störten. "Wenn wir damit Unterricht ermöglichen, sollten wir doch an vorderster Linie dabei sein", plädierte Stolz für die Anschaffung. Zudem widersprach er deutlich den beiden Lehrern Wende und Horcher: "Ich möchte nicht, dass man die Entscheidung den Schulleitungen überlässt", sprach sich Stolz für eine politische Vorgabe aus. Bereits in einer vorangegangenen Sitzung hatte Stolz den Vergleich zu Masken gezogen: Bei den Mund-Nase-Bedeckungen sei auch sehr lange gezögert worden, das habe der Politik den Vorwurf eingebracht, zu langsam zu handeln.

"Ob Luftfilter sinnvoll sind, müssen andere beurteilen", verwies Bürgermeister Warmuth auf wissenschaftliche Untersuchungen zum Thema. Er jedenfalls wolle sich nicht dem Vorwurf aussetzen, dass die Stadt als Sachaufwandsträger irgendetwas unterlassen habe, das im Herbst normalen Präsenzunterricht in den Schulen ermögliche, denn: "Wir wissen alle nicht wo die Reise im Herbst hingeht, vielleicht wird der Präsenzunterricht ja nur in Abhängigkeit von Lüftungsgeräten erlaubt."

Stadtbaumeister Detlev Mohr hatte auch bereits in einer vorangegangenen Sitzung angeregt, auch über Lüftungsgeräte für die Verwaltung nachzudenken: Das könne bei Besprechungen und Sitzungen für mehr Sicherheit sorgen. Allerdings gebe es bisher lediglich Zuschüsse für Schulen, Geräte fürs Rathaus muss die Stadt komplett selbst finanzieren.