Mehrere Soldaten haben im Waschraum Sieg-Heil-Rufe aus einem Internet-Video nachgestellt. Ein Soldat wurde deshalb bereits zu 45 Tagessätzen verurteilt, ein weiterer akzeptierte einen Strafbefehl, ein dritter stand am Dienstag vor Gericht. Weil jedoch ein Zeuge nicht auftauchte, wurde die Verhandlung unterbrochen, am 24. März soll das Urteil fallen.

Angebliche Erinnerungslücke

"Strafbar ist doch nicht das Feiern, sondern das Sieg-Heil-Rufen", betonte die Richterin während der Vernehmung des wichtigsten Zeugen. Der 21-Jährige gab an, sich an nichts mehr zu erinnern, vor allem nicht, ob sein nur ein Tag älterer Kamerad die Parole mitgegrölt hat. In einer früheren Vernehmung hatte der Zeuge angegeben, dass der Angeklagte "mit dabei" gewesen sei. Jetzt behauptete er vor Gericht, dass er diese Aussage ausschließlich auf die Feier bezogen habe. Das zog ihm den Ärger der Richterin zu: "Sie haben meine Nerven schon sehr stark strapaziert", redete sie ihm ins Gewissen und kündigte an, dass die Staatsanwaltschaft vermutlich wegen Falschaussage ermitteln werde, wenn er bei seiner Darstellung bleibe.

"Gehört nicht zur Bundeswehr"

Geladen war auch der Soldat, der Zivilcourage bewiesen und den Vorfall am nächsten Tag gemeldet hatte. "Ich finde, das gehört einfach nicht zur Bundeswehr", sagte er am Dienstag auch vor Gericht. Während der privaten Feier im Waschraum hatte er sogar sein Zimmer abgeschlossen, weil es zuvor nach seinen Worten schon unerwünschte Besuche bei ähnlichen Anlässen gegeben habe. Im Laufe der Nacht hatte er dann die Sieg-Heil-Rufe gehört. Später machte er sich unter dem Vorwand, Zähne putzen zu wollen, dann selbst ein Bild von der Lage und fand die Kameraden samt jede Menge Alkohol im Waschraum vor.

Offen blieb gestern die Frage, wer nun alles "Sieg Heil" gerufen hat: Nur die beiden bereits verurteilten Soldaten oder auch der Angeklagte? Um das zu klären, werden für Dienstag, 24. März, um 15 Uhr weitere Zeugen von der Bundeswehr geladen. Der Zeuge, der unentschuldigt fehlte, muss mit 200 Euro Ordnungsgeld oder drei Tagen Ordnungshaft rechnen.