Niemand muss mehr "Äpfel klauen". Mit dem "Probierbaum" gelang der Allianz Fränkisches Saaletal ein ökologisches und nachhaltiges Projekt, das zudem das Sammeln von herabgefallenen aber auch gepflückten Äpfeln von gemeindeeigenen Bäumen legalisiert. Jeder Bürger aus einer Allianz-Gemeinde darf sich die Früchte aneignen, um sie zu essen oder Apfelsaft oder -most daraus zu machen.

Es wäre auch schade, wenn das Natur-Geschenk verrottet oder zu Matsch gefahren wird. An Bäumen mit einer gelben Banderole und der Beschriftung Probierbaum, darf sich jeder Spaziergänger bedienen. Allianz-Manager Holger Becker griff die Idee auf, denn der Herbst hält auf Streuobstwiesen und an Rainen Äpfel in Hülle und Fülle bereit. "Meine Früchte darf man genießen", steht ausdrücklich auf dem Band, das derzeit die kommunalen Bauhöfe an den Gemeindebäumen anbringen.

Beim Pressetermin im Fuchsstädter "Sand" ging das Apfel-Projekt offiziell an den Start. Doch daran sollten Apfel-Fans denken: Jeder Baum hat einen Besitzer. Das Pflücken und Auflesen war bisher nicht erlaubt und konnte als Diebstahl geahndet werden. Dies ist bei Bäumen der Allianz-Gemeinden jetzt keine "Schandtat" mehr, vorausgesetzt sie tragen die Markierung. Haushaltsübliche Mengen stehen jedem - ob Heimischer oder Gast - zur Verfügung. Doch soll dies ist kein "Freifahrtsschein" für gewerbsmäßigen Gebrauch sein, wie Projektpate und Bürgermeister René Gerner betonte.

"Auch private Baumbesitzer können in die Aktion einsteigen", so Becker, der den Probierbaum-Bestand sukzessive erweitern will und aktuell eine Karte der in Frage kommenden Bäume entwickelt. Der von Markus Stockmann geführte Kreisverband für Gartenbau und Landespflege - und damit rund 50 Obst- und Gartenbauvereine - und Christian Reusch von der "Rhöner Apfelinitiative" haben sich der Idee bereits angeschlossen. Inzwischen verwenden zwölf Landkreisgemeinden die gelbe Banderole, 550 Bäume werden im ersten Schritt damit markiert. Fuchsstadt hat bereits weit über 50 Bäume gekennzeichnet.

Gemeinschaftsaktion

Einhergehende Ziele der Allianz im Rahmen der Aktion sind die Aufwertung von Streuobstflächen als Lebensraum für Tiere und Pflanzen, der Erhalt der Biodiversität, die Bewusstseinsbildung für alte Obstsorten und eine Sensibilisierung für hochwertige Lebensmittel.

Allianz-Vorsitzender und Bürgermeister Armin Warmuth spricht von einem "ökologischen Projekt mit dem man sich sehen lassen kann und das die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Zudem will die Allianz darauf hinweisen, dass gemeinschaftliche Aktionen, von denen alle profitieren, im Mittelpunkt stehen". Holger Becker ergänzt: "Ich möchte etwas für die Bevölkerung tun".

"Apfel to go" gibt es in Fuchsstadt beispielsweise an der Bundesstraße nach Langendorf, am Sportplatz, an der "Hohen Straße" und in der Schweinfurter Straße. In Hammelburg sind Früchte an der Stadtmauer und auf dem Weg nach Diebach zu ernten. Weitere Standorte werden noch gesucht, so Vorsitzender Warmuth. Auch in Oberthulba sind die ersten Bäume ausgewiesen, weitere kommen im nächsten Jahr hinzu.

Vorstellbar sind weitere Fruchtträger, wie Zwetschgen, Kirschen oder Birnen, die im kommenden Jahr nach und nach in das Programm aufgenommen werden. Im Gespräch mit Stockmann und Reusch definiert die Allianz Fränkisches Saaletal für das Jahr 2021 als Projektziel einen eigens hergestellten Apfelsaft aus Früchten aus dem Allianz-Gebiet.