"Unser Wald wird für den Klimaschutz der Reichen verbrannt". Diese Aussage eines indonesischen Aktivisten stellte Ulrike Hartmann-Mitz, Agraringenieurin aus Gemünden, an den Anfang ihres Vortrags, einer gemeinsamen Bildungsveranstaltung der Vhs Hammmelburg und der Steuerungsgruppe der Fairtrade-Town Hammelburg unter Mitwirkung des Weltladens. FrauUlrike Hartmann-Mitz konnte viel über ihre Erfahrungen in Papua Neuguinea in insgesamt acht Jahren Entwicklungsarbeit berichten. Die Zuhörerinnen erfuhren aus erster Hand, welche Auswirkungen der enorme Anbau an Palmöl für die Menschen dort und in den Nachbarländern hat. Solche authentischen Erfahrungen der Referentin nutzt das Programm "Bildung trifft Entwicklung" (BtE), und fördert über die Organisation "Eine Welt Netzwerk Bayern e. V." Bildungsveranstaltungen zu globalen Themen.

Palmöl wird in großen Plantagen angebaut und zwar für "Dinge, die niemand zum Überleben braucht", wie Tütensuppen, Tiefkühlpizza, Aufbackbrötchen, Margarine, Kekse, Chips, so die Referentin. Es wird aber auch für Waschmittel und Weichspüler, Kosmetika und als Zusatz für Agrosprit verwendet. In Futtermittel sei bis zu 13 Prozent Palmöl enthalten, so dass der Verzehr von Fleisch und Milchprodukten den Palmölverbrauch indirekt fördert.

Palmöl ist ein günstiger Rohstoff mit besten Produkteigenschaften für die Industrie: Geschmacksneutral, zarter Schmelz, lange Haltbarkeit, gute Viskosität. Auf einem Hektar erntet man das zehn- bis hundertfache gegenüber anderen Ölpflanzen. Das größte Anbaugebiet für Palmöl ist Indonesien, wobei hier den Landbesitzern ihr Eigentum einfach weggenommen wird.

Riesige uralte Regenwaldflächen mit wertvollem Tropenholz werden zunächst abgeholzt, Moore und Feuchtgebiete entwässert, Lebensräume von Orang-Utan und vom Aussterben bedrohten Sumatra-Tiger werden zerstört, um Palmöl in Monokultur anzubauen. Bereits nach 20 Jahren sei der Boden durch Spritzmittel so verseucht, dass er nicht mehr nutzbar ist. Den Menschen gehen die Einnahmen verloren, es folgen Verelendung und oft auch häusliche Gewalt.

Palmöl aus Bioanbau sei nicht viel besser, denn auch dort wird Fläche verbraucht, erklärt Ulrike Hartmann-Mitz. Nur Palmöl aus bäuerlichen Genossenschaften und Bauernkooperativen sei empfehlenswert. "Denn Bauern passen auf ihre Böden auf", so Hartmann-Mitz. In Ghana stelle eine Kooperative aus mehr als 600 kleinen Landwirten Palmöl her als Rohstoff für Produkte zum Beispiel von Dr. Bronner, Gepa und Rapunzel. Die EU subventioniere leider nach Fläche - so würden Monokulturen und große Agrarfirmen in der EU begünstigt.

Selber kochen und frische, regionale Produkte verwenden, das ist Ulrike Hartmann-Mitz zufolge das beste, um den Palmöl-Verbrauch möglichst niedrig zu halten. Außerdem seien Bio- und Fairprodukte bevorzugen. Bei Biofleisch dürfe kein Futter mit Palmöl verwendet werden. Gesundes, kalt gepresstes unraffiniertes Palmöl in Bio-Qualität sein in Reformhäusern erhältlich.

Die nächste Bildungsveranstaltung findet im Januar 2022 statt. Ab 14. August sind Anmeldungen über die vhs hier möglich.