Geschäftsführer Christoph Hoenig ist hochzufrieden: "Unser Neustart war sensationell", kommentiert er die Wiedereröffnung des Hotels Neumühle am 21. Mai. Die 62 Betten in 30 Zimmern seien auf Rekord-Niveau ausgelastet, auch die kommenden Wochenenden seien bereits ausgebucht. "Wir verkörpern das, was die Leute gerade suchen", lobt Hoenig die weitläufige Anlage mit Spa, Plätzen im Freien und 30 000 Quadratmetern Umfeld. Dabei haben Hoenig und sein Team viele Aspekte neu entdeckt: Im Innenhof der ehemaligen Getreidemühle wurde die Zahl der Tische von vier auf zwölf verdreifacht. "Draußen zu sitzen war schon immer schön, jetzt wird es zudem als sicher empfunden", sagt Hoenig. Deshalb können sich die Gäste mittlerweile das Frühstück im Freien servieren lassen, laue Sommerabende genießen und selbst eine "Pop-up-Cocktail-Bar" für draußen haben die Mitarbeiter aufgebaut.

Seit Dezember 2019 ist Hoenig Chef in der Neumühle, die 1983 als Luxus-Hotel eröffnet wurde. Ende März 2020 musste das Hotel dann schließen. Er und sein Team haben die Zeit genutzt: Rund eine halbe Million Euro wurde in den vergangenen Monaten investiert - zum Beispiel in eine neue Lüftungsanlage fürs Restaurant, Fliesen für den Pool, moderne Behandlungsräume im Wellness-Bereich, frisch ausgestattete Zimmer, Beleuchtung für den Garten oder Ladesäulen auf dem Parkplatz. Bereits jetzt seien weitere Investitionen in das rund 1000 Quadratmeter große Wellness-Refugium "Neumühle SPA" vorgesehen, das sich über drei Etagen erstreckt. Mehrere hunderttausend Euro nehme der Eigentümer, der nicht namentlich genannt werden will, dafür vermutlich im kommenden Jahr in die Hand.

Mit der Investition verbunden sind auch eine höhere Hotel-Kategorie und ein neuer Name. Seit Juli rangiert das Hotel statt auf Vier-Sterne- auf Vier-Sterne-Superior-Niveau. "Das bedeutet eine deutlich höhere Service-Qualität", sagt Hoenig auf Nachfrage zum Unterschied. Besonders wichtig seien deshalb die 63 Mitarbeiter des Hotels: "Wir gehören zu den besten Hotels im Landkreis, deshalb brauchen wir auch die besten Mitarbeiter und müssen die besten Gehälter zahlen", betont Hoenig. Besonders froh ist der Geschäftsführer, dass trotz Lockdown nur ein einziger Mitarbeiter abgesprungen sei. Das Hotel sei zwar sehr gut besetzt, suche aber trotzdem immer Mitarbeiter - etwa fürs Restaurant oder den Spa-Bereich. Das Problem: "Der Arbeitsmarkt ist leer gefegt."

Bisher firmierte die Neumühle unter "Romantik-Hotel". "Romantik" sei eine Marketing-Kooperation, die das Hotel nun 15 Jahre sehr gut begleitet habe. Zum Jahreswechsel laufe die Kooperation aus, das so genannte Re-Branding hat Hoenig aber schon jetzt vollzogen: Der neue Name "Neumühle Resort & Spa" soll den Fokus auf den Wellnessbereich, die Weitläufigkeit der Anlage, die Natur im Umfeld sowie die Verknüpfung von Kulinarik und Kultur lenken. Das Angebot reicht vom Tennisplatz über den Weinkeller bis zur Liegewiese auf einer eigenen Saale-Insel. "Unsere Philosophie, nämlich das Alte gekonnt, überzeugend und versöhnlich mit dem Neuen zu verbinden, haben wir dabei jedoch nicht aus den Augen verloren", sagt der Geschäftsführer.

Laut Hoenig kommen in die Neumühle Gäste, "die ein paar Tage ihrem Alltag entfliehen, in eine andere Welt abtauchen und sich bei uns nicht nur kulinarisch auf eine Entdeckungsreise begeben möchten". Das seien vor allem Paare aus ganz Deutschland, aber auch für Familienfeiern und Tagungen ist das Hotel gerüstet. Das hat natürlich seinen Preis: Auf der Homepage wird schnell klar, dass Übernachtungen unter 200 Euro pro Person selten sind, die Spanne reicht je nach Buchungszeitraum bis zu mehr als 400 Euro pro Person und Nacht. Das Silvester-Arrangement zum Beispiel mit vier Übernachtungen kostet je nach Zimmer mindestens 2100 Euro für ein Paar. Spa und Restaurant sind laut Hoenig auch für Nicht-Hotelgäste grundsätzlich geöffnet. Im Restaurant seien die freien Tische allerdings rar und der Spa-Bereich sei bisher wegen der guten Belegung und der Hygiene-Maßnahmen für Hotel-Gäste reserviert.

"Wellness und Wandern"

Auf "Wellness und Wandern" freuen sich zwei weibliche Gäste aus dem Raum Frankfurt, die nicht namentlich genannt werden möchten. Im Internet hätten sie die Auszeit vom Alltag kurzfristig gebucht. Über die gute Auslastung und viele zufriedene Gäste freut sich Direktionsassistentin Lisa Dreßler: "Es war ein trauriges Bild, die Neumühle so alleine und verlassen zu sehen", erinnert sie sich an den Lockdown, der sie besonders hart traf: Am 1. März 2020 hatte sie ihren ersten Arbeitstag, vier Wochen später musste das Hotel schließen. Die 31-Jährige aus Grafenrheinfeld arbeitete zunächst als Notarfachangestellte, dann studierte sie Spanisch und Französisch. Bei Praktika in Hotels wurde sie auf die Branche aufmerksam: "Es macht mir viel Spaß, mit Menschen zu arbeiten", erzählt sie. Und das Team der Neumühle sei wie eine große Familie: "Ich bin froh, dass ich während des Lockdowns nicht gegangen bin", sagt sie deshalb.