Das gemeinsame Konzert von GuIG und fränk'n feel in der Musikakademie Hammelburg überrascht mit anspruchsvoller Gesangsliteratur, spritziger Gestaltung und hoher Professionalität.

Zugegeben, Gesangvereine haben es schwer. Nachwuchsprobleme, Überalterung, Proben im Hinterzimmer, ein etwas verstaubtes Image und spärlicher Besuch bei Auftritten. Da sind neue Ideen gefragt und es gibt sie. Der Sonntagabend in der Musikakademie war so eine und sie könnte wegweisend sein. Das beginnt schon beim stimmigen Ambiente rund um die Musikakademie.

Lockerer Treff vieler junger Leute im Park vor dem Konzert, ein Gläschen Sekt zur Einstimmung oder in der Pause und dann ruft Hannah Silberbach ganz allein, aber mit flotten Rhythmen, die sie ihrer Trommel entlockt, zum Konzert und singend aus allen Richtungen kommen die Sängerinnen und Sänger der Hammelburger Gesangs- und Instrumentalgruppe Hammelburg kurz GuIG, formieren sich in immer neuen Gruppierungen zu einem Chor und nehmen die Besucher mit auf eine musikalische Reise durch moderne Chorsätze.

Nicht alle sind Teenager und Twens, Valentin Fell begleitet den Chor mit seiner Gitarre seit 58 Jahren, Stefan Ammersbach dirigiert schon 17 Jahre und Maria Heckmann organisiert und schiebt auch schon gefühlte Jahrzehnte an. Längst verdient der Kulturehrenbrief des Landkreises für die Formation, den sie vor zwei Wochen an gleicher Stätte in Empfang nehmen durfte. Moderne Musik überwiegend mit religiösem Inhalt, aber auch anspruchsvolle zeitgenössische Lieder mit starken Aussagen und facettenreichen Melodien.

Gospels und Michael Jackson

Tagesaktuelle gesellschaftliche Gegebenheiten, aber auch Themen von Freundschaft, Liebe und Glaube werden thematisiert. "Musik kann Herzen heilen", moderiert Maria Heckmann einen ersten Gesangsblock und "... ist da jemand, der mich versteht", heißt ein prägnanter Refrain.

In den dunklen Kriegszeiten sehnt sich die Gesellschaft nach Licht: unter diesem Motto wechseln rhythmusbetonte Gospelsongs mit Melodien von Michael Jackson, Bob Dylan und Ella Fitzgerald einander ab.

Es wird mucksmäuschenstill, wenn pianissimo gesungene Textzeilen gut zu verstehen sind wie etwa ... "als unser Leben in den Seilen hing..." und " ... auch wenn die Welt verrückt spielt, die Hoffnung hört nie auf...". Da wird wie befreit mitgeklatscht und Teile des Publikums verabschieden die Sängerinnen und Sänger von GuIG stehend in die Pause.

Ganz leise

Die Stimmung bleibt auch nach der Pause mit fränk'n feel hoch. Der Projektchor des fränkischen Sängerbundes besteht aus Sängerinnen und Sängern aus den verschiedensten Teilen Bayerns, mit breit gefächertem modernen Repertoire. Auch hier wird großer Wert auf die Texte gelegt und wieder staunt das Publikum, wie wunderbar ganz leise gesungene Chorsätze Stimmungen verbreiten können. Stefan Ammersbach ist bei dieser Formation jetzt mit sichtbarem Vergnügen Sänger unter dem Dirigat von Rebekka Thois, die sich mit der Franny Fuchs, der Leiterin des Chors, abwechselt.

Florian Jungkunz begleitet die Formation virtuos am Flügel. "Gekommen um zu bleiben" heißt einer der Rap Songs und die Füße wollen da nicht stillstehen beim Refrain "wir gehen nicht wieder weg". Auch fränk'n feel gruppiert sich bei jedem neuen Song um, die Choreographie ist Teil der Präsentation, die roten Farbtupfer bei der Kleidung der durchweg jungen Sängerinnen und Sänger sind netter optischer Hingucker.

Eindrucksvoll gelingt die musikalische Beschreibung der norwegischen Polarlichter, präzise Phrasierungen im Pianissimo und stimmliche Wucht wechseln beeindruckend. Die Gestaltung des Millionenhits "Say you will" von Foreigner beeindruckt und bei "Shut up and dance with me" klatscht der ganze Saal mit, bevor zum Höhepunkt beide Formationen gemeinsam mit viel Groove singen: "Zusammen sind wir stärker".

Stefan Ammersbach als Bindeglied beider Chöre bleibt es vorbehalten, das Publikum nach Hause zu verabschieden. Er tut es mit der Bitte: "Kommen Sie wieder, wenn Chormusik ist".