Die Lutz Fleischwaren Hammelburg GmbH schließt ihren Produktionsbetrieb an der Diebacher Straße zum 30. Juni. Betroffen sind 100 eigene Mitarbeiter und noch einmal 30 bis 50 Leiharbeiter. Nicht betroffen ist das Lutz Frischecenter. Der Einkaufsmarkt für Einzelhandels- und Großkunden hat erst im Januar geöffnet.

Seit 50 Jahren war der Produktionsbetrieb unter wechselnden Eigentumsverhältnissen eine feste Größe in Hammelburg. Das Alter wird ihm jetzt möglicherweise zum Verhängnis. "Es sind Gebäudeinvestitionen in Millionenhöhe erforderlich, um aktuellen Standards zu entsprechen", sagt Werksleiter Uwe Martin. Mit der Auslastung habe die Schließung nichts zu tun. "Wir haben hier einen guten Job gemacht", versichert Martin. Mit dem Betriebsrat sei ein Sozialplan für die Mitarbeiter ausgehandelt.

Seit einer Betriebsversammlung Anfang März sickerte der unternehmerische Schritt nach und nach in die Öffentlichkeit. Für die Beschäftigten kam die Ankündigung der Schließung überraschend, wie aus den Reihen der Mitarbeiter zu hören ist: Es gebe eigentlich genug zu tun. Produziert werden Fertiggerichte, sogenannte Convenience-Produkte, sowie Braterzeugnisse, wie Schnitzel und Chicken Nuggets. Die Produktion einzelner Erzeugnisse laufe jetzt voraussichtlich aus, so Werksleiter Martin. Andere würden in Absprache mit den Kunden künftig an anderen Lutz-Standorten wie Weimar, Chemnitz oder Landsberg am Lech weiter produziert.

Dabei war man noch guter Dinge, als der Hammelburger Betrieb 2014 mit sechs anderen vom holländisch-deutschen Konzern Vion an den Münchner Finanzinvestor Paragon Partners überging.

Übernahme durch Finanzinvestor

Die Vion-Gruppe hatte finanzielle Rückschläge einstecken müssen, und beschlossen, sich mehr auf das Kerngeschäft mit der Produktion von Fleisch zu konzentrieren. Insgesamt übernahm Paragon Partners Betriebe mit einem jährlichen Gesamtumsatz von 435 Millionen Euro, hieß es in einer Pressemitteilung.

Weiter hieß es, Paragon werde die Convenience Retail Aktivitäten von Vion "weiterführen und zukunftsorientiert aufstellen und ausbauen". In Hammelburg wird nun von vielen Seiten der Verdacht geäußert, dass die Schließung des Standorts von Anfang an geplant gewesen sei.

Als Hiobsbotschaft für die Stadt bezeichnet Bürgermeister Armin Warmuth (CSU) die Nachricht vom Ende der Produktion. "Natürlich mache ich mir große Sorgen um die betroffenen Mitarbeiter. Wo sollen auf die Schnelle so viele unterkommen?", sagt er. Den Bürgermeister treibt aber noch eine andere Frage um, die nach der Zukunft des Fabrikgeländes. Warmuth erklärt: "Ich hoffe nicht, dass dort eine Industriebrache entsteht." Die Entscheidung des Unternehmens traf die Stadtspitze ebenfalls ohne Vorwarnung.

Bereits nachdem die niederländische Vion Food Group das Unternehmen Lutz im Jahr 2006 übernommen hatte, folgten anderenorts Standortverlagerungen und -schließungen. Damals traf es zum Beispiel Kulmbach.

Urkunde für Arbeitsschutz

Allerdings profitierte Hammelburg eher. Die Zahl der Mitarbeiter stieg nach einer eher schwierigen Unternehmensphase mit Kündigungen unter Vion wieder von 110 auf 140 Beschäftigte. Auch dank Investitionen. So wurden eine Wärmerückgewinnungsanlage und 2011 eine neue Bratstraße angeschafft.

Regierungspräsident Paul Beinhofer überreichte 2010 eine Urkunde für die Einführung des Arbeitsschutz-Managementsystems Ohris. Erst gut 300 bayerische Unternehmen waren seinerzeit zertifiziert. Schon nach dem Bau neuer Produktionshallen 1993 war Lutz Vorzeigebetrieb industrieller Fleischproduktion. So schaute Ministerpräsident Edmund Stoiber 1998 bei einer Wahlkampftour vorbei.

Gegründet worden war der Hammelburger betrieb 1963 nach Übernahme des alten Schlachthofes und hieß damals Südfleisch. 1978 wurde die Südfleisch durch die Wilhelm Lutz KG übernommen. 1991 erfolgte die Umstrukturierung in Lutz Fleischwaren AG.

Nun sind die Beschäftigten des Hammelburger Standorts enttäuscht. Sie hatten in der Vergangenheit in zähen Tarifverhandlungen große Zugeständnisse gemacht. Unter Vion wurde die Arbeitszeit von 38 Stunden auf 42 Stunden ohne Lohnausgleich erhöht. Arkadius Guzy und Wolfgang Dünnebier