Gestern früh, kurz nach 9 Uhr im Sitzungssaal 1 des Verwaltungsgerichts Würzburg: Rudolf Emmert, Präsident des Gerichts und Vorsitzender der Zweiten Kammer, hatte vermutlich erhöhten Puls, aber das lag nicht an den 16 Klagen Langendorfer Holzrechtler gegen den Markt Elfershausen, sondern daran, dass es Emmerts letzter Verhandlungstag in Robe vor der Pensionierung war.

Die 16 Klagen von Holzrechtlern, die sich durch die Gemeinde schleichend "entrechtet" fühlen (wir berichteten) nannte der Vorsitzende Richter bei Beginn der Verhandlung ein "Spiel mit dem Feuer". Hoffnung auf einen Erfolg ihrer Klage könne er den Rechtlern nicht machen. Das könne die aber auch nicht überraschen, denn nach einer Verhandlung im März 2021 sind bereits zahlreiche Klagen in der Sache wegen erkennbarer Aussichtslosigkeit zurückgenommen worden. Er wundere sich daher, dass immer noch 16 Rechtler der Meinung sind, dass sich an der Einstellung des Gerichts zu ihrem Fall noch etwas ändern könne.

Es geht ums Prinzip, nicht um die Kosten

Stein des Anstoßes waren unter anderem Kosten zwischen mehr als 50 und 100 Euro je nach Holzrecht, die von der Gemeinde für das bereitgestellte Holz gefordert wurden, unter anderem für die Bewirtschaftung des Gemeindewaldes. Das den Rechtlern zugeteilte Holz stammt, so die Gemeinde, aus dem gesamten Gemeindewald. Die mit dem Holzrecht belasteten Waldflächen hätten nicht mehr gewährleisten können, den Berechtigten Holz in gleichbleibender Qualität zur Verfügung zu stellen. Der Vorsitzende Richter erinnerte daran, dass die Langendorfer Holzrechtler schon einmal ein Gutachten in Auftrag gegeben haben, das um die 5000 Euro gekostet habe und dann inhaltlich erhebliche Mängel aufwies.

Wenn man der Meinung sei, dass die von der Gemeinde geforderten Kosten fürs Rechtler-Holz mangels Transparenz durch ein weiteres Gutachten überprüft werden sollten, könne man das nicht verhindern, aber: Es bringe nichts und gehe erneut zu Lasten der Rechtler. Um es besser zu verstehen, bat der Vorsitzende die Prozessbeteiligten, "die was zu sagen haben", die Schutzmaske abzunehmen. Manches zum Thema Waldbewirtschaftung und juristische Veränderungen im Bereich des Holzrechts im Lauf der Jahrhunderte wurde von Nicht-Rechtlern dennoch nicht oder kaum verstanden, inhaltlich.

Eine kurze Pause für ein Gespräch draußen auf dem Flur, zwischen Anwalt und Kläger, dauerte keine fünf Minuten. Dann nahm der Rechtsanwalt die Klage und die von weiteren 15 nicht anwesenden Holzrechtlern zurück. Es dürfte für ihn ein schönes Stück Arbeit werden, das denen rüber zu bringen, die nicht in der Verhandlung waren.

Der Präsident und "Die kleine Hexe"

2018 hatte Präsident Emmert zu einem Holzrechtler-Fall außer Akten das Kinderbuch "Die kleine Hexe" von Otfried Preußler mitgebracht. Das Buch könne zügig zur Lösung des Falles beitragen, sagte er damals und präsentierte es schmunzelnd in Richtung der Prozessbeteiligten und Zuhörer. Beim Vorbereiten der Verhandlung habe er sich erinnert, dass er das Buch vor langer Zeit, als Kind, gelesen hat und dass es da auch um Holzrechte ging: Ein junger Revierförster macht darin drei alten Frauen beim Holzsammeln im Wald das Leben schwer, bis die kleine Hexe den Förster "umpolte": Er machte danach genau das Gegenteil von dem, was er sagen und machen wollte und erleichterte so den Frauen, ohne dass er es wollte, die Arbeit.

Die originelle Idee des Richters, die Gemeinde mit Unterstützung von Preußlers "Die kleine Hexe" zu überzeugen, zeigte damals Wirkung. Sie stimmte einem Vergleich zu. Eine Parallele zum Langendorfer Fall bietet Otfried Preußler in seiner "Kleinen Hexe" offensichtlich nicht an, jedenfalls befand sich das Buch diesmal nicht bei den Akten.

Den Ausgang des Prozesses bewerteten die beiden Seiten unterschiedlich: "Die Gemeinde hat richtig gehandelt, die Beiträge wurden korrekt erhoben", fasst Bürgermeister Johannes Krumm das Ergebnis zusammen. Bislang sei lediglich das Jahr 2019 abgerechnet worden, die meisten Rechtler hätten auch bereits bezahlt. Wegen der Unsicherheiten habe es danach keine Berechnung mehr gegeben, das werde nun aber nachgeholt. Ein Fazit auch mit Blick auf die Rechte in Nachbarkommunen ist für Krumm: "Jedes Recht ist anders."

Gutachter kommt den Rechtlern zu teuer

Er habe zwar die Klagen auch im Namen der anderen Beteiligten und in Absprache mit dem Rechtsanwalt zurückgezogen, aber ganz aufgeben will Holzrechtler und Gemeinderat Volker Partsch trotzdem nicht: "Wir müssen uns jetzt zusammensetzen", fordert er Verhandlungen zwischen dem Rechtlerverein und der Gemeinde. Das Recht selbst sei unstrittig, der Richter habe die Gemeinde sogar aufgefordert, mit den Rechtlern zu reden. "Wir sehen den Rechtlerwald als viel ertragreicher an", pocht Partsch auf die Forderung der Rechtler, dass das Holz aus der eigenen Gemarkung kommt und nicht die Kosten des gesamten Gemeindewaldes umgelegt werden sollten. In dieser Frage habe sich der Richter nicht geäußert, sondern auf einen Gutachter verwiesen: "Was wir wollen, können wir nur erreichen, wenn wir ein teures Gutachten in Auftrag geben, aber das will keiner", sagt Partsch.rr/kfb