Vorerst gab es nur ein Kennenlern-Treffen mit den beiden neuen Mitarbeiterinnen, am 1. September soll es dann richtig los gehen: Die Stadt baut im Herbst eine hauptamtliche Jugendarbeit neu auf. Auf Nachfrage berichtete Bürgermeister Armin Warmuth (CSU), dass Sozialpädagogin Johanna Full und Erzieherin Annalina Hofmann zum 1. September eingestellt wurden. Auch ein Büro in der ehemaligen Volksschule neben der Stadtpfarrkirche sei bereits eingerichtet. Die beiden Mitarbeiterinnen haben ihre Schreibtische damit in unmittelbarere Nähe zum Hammelburger Jugendzentrum.

"Ich habe schon viele Ideen", freut sich Johanna Full bereits auf ihre neue Stelle. Die 26-Jährige stammt aus Wülfershausen und legte 2013 ihr Abitur in Hammelburg ab. "Ich habe einen großen Teil meiner Jugend in Hammelburg verbracht", erzählt sie. Nach der Schule machte sie zunächst eine Ausbildung zur Gesundheits- und Kinder-Krankenpflegerin. Danach habe sie sich dann für ein Studium in Bamberg entschieden, denn: "Das Pädagogische liegt mir mehr als das Pflegerische."

Fragezeichen wegen Corona-Pandemie

Die Stellenausschreibung der Stadt Hammelburg kam bei Johanna Full mitten in der Bachelor-Arbeit. "Das war genau das, wofür ich mit dem Studium begonnen habe", kommentiert sie die Stelle, und: "Mich reizt, die Jugendarbeit in Hammelburg komplett neu aufzubauen." Sicherlich werde es auch Probleme geben oder auch mal etwas schief laufen, Johanna Full ist aber überzeugt davon, dass eine eigene Jugendarbeit der richtige Weg für die Stadt ist.

"Wir wissen nicht, was der Herbst bringt", dämpft Bürgermeister Warmuth die Erwartungen zum Start der neuen Stadtjugendarbeit. Die beiden Mitarbeiterinnen müssten im September erst einmal ankommen und Netzwerke knüpfen. Ein erstes Projekt gebe es bereits: In Zusammenarbeit mit dem Kreisjugendring soll es eine Jugendwahl zur Bundestagswahl am 26. September geben. Auch deshalb rechnet Warmuth frühestens mit einer Wiedereröffnung des Jugendzentrums im Oktober, alles abhängig von der Entwicklung der Corona-Pandemie natürlich. Zudem seien die beiden Mitarbeiterinnen ja nicht nur für die Kernstadt, sondern auch für alle Stadtteile zuständig.

"Wir fangen eigentlich wie 1996 bei Null an", kommentiert Christian Fenn den Aufbau der Stadtjugendarbeit. Fenn ist 3. Bürgermeister, selbst Sozialpädagoge und Streetworker sowie Vorsitzender des Vereins "Jugendladen", der das Jugendzentrum offiziell betreibt. Es sei eine ungewöhnliche Konstellation, dass der Verein das JUZ in einer Liegenschaft der Stadt anmiete und dort hauptamtliche Mitarbeiterinnen der Stadt arbeiten. Die bisherige hauptamtliche Betreuerin des Jugendzentrums ging Ende 2020 in Ruhestand, ohne hauptamtliches Personal durfte der Verein die Räume laut Fenn bislang nicht öffnen. Er könne auch nicht sagen, wie lange der Verein noch finanzielle Reserven für den Betrieb habe, weil die wichtigste Veranstaltung zur Finanzierung ebenfalls wegen Corona ausgefallen sei.

"Wir haben alle noch keine Erfahrungen, was in den Köpfen von Jugendlichen passiert, wenn sie eineinhalb Jahre weggesperrt sind", fasst Fenn die Ausgangslage zusammen. Unter anderem habe sich aus seiner Sicht eine Subkultur entwickelt, Strukturen jenseits der Öffentlichkeit, bei denen noch nicht klar sei, wie sie mit hauptamtlicher Jugendarbeit erreichbar sind. "Das ist für uns auch alles neu", beschreibt Fenn die Situation beim Jugendladen. Der 3. Bürgermeister erhofft sich von der neuen Stadt-Jugendarbeit ein festes Angebot für Jugendliche: "Wir brauchen eine Struktur." Leider sei alles, was es bisher gab, "platt", auch der Kontakt zu bisherigen Betreuern sei in der Pandemie weitgehend abgebrochen. Und in vielen Stadtteilen habe es sogar nie feste Strukturen für eine einheitliche Jugendarbeit gegeben. Auch deshalb hatte sich die Mehrheit des Stadtrates für den Aufbau einer eigenen Jugendarbeit statt des Anschlusses an den Verein "Pro Jugend" des Landkreises Bad Kissingen entschieden.