Groß war das Interesse an der außerordentlichen Bürgerversammlung zum Thema Sturzflutrisikomanagement in Oberthulba. Mit einem Pilotprojekt habe man bereits 2018 mit der Datenerhebung zum Thema begonnen, informierte Bürgermeister Mario Götz. Die Planungsphase sei nun abgeschlossen. Mit den gewonnenen Erkenntnissen wolle man in den nächsten Jahren und Jahrzehnten versuchen, Risiken in diesem Bereich zu minimieren. Im Stillen hoffe man natürlich, dass am Ende des Tages keine Starkregenereignisse eintreten werden.

Fachvorträge gaben Kaj Lippert von Björnsen Beratende Ingenieure und Baudirektor Uwe Seidl vom Wasserwirtschaftsamt Bad Kissingen. Alle vier Kommunen der Allianz Kissinger Bogen hätten die Planungen weitestgehend abgeschlossen, der Markt Oberthulba sei damit am weitesten. Der Nordbayerische Bereich sei von Starkregen mehr betroffen als der Süden, informierte Seidl. Er ging auf den Unterschied zwischen Hochwasser und wild abfließendem Wasser ein. Letzteres könne überall auftreten, eine meteorologische Vorhersage sei sehr schwierig. Eine Sturzflut ohne nennenswerte Vorwarnzeit könne dann katastrophale Schäden verursachen.

Das Maß der Dinge sei für das Wasserwirtschaftsamt ein hundertjährliches Hochwasser - HQ 100, soll heißen es fallen innerhalb einer Stunde 53 Millimeer Regen. Daneben gibt es HQ 30 (43 mm), HQ 50 (47 mm) und Extrem-Regen mit 128 mm Niederschlag in der Stunde. Seidl ging auf die Strategie und die damit verbundenen fünf Schritte ein: Bestandsanalyse, Gefahrenermittlung, Risikobeurteilung, Maßnahmenentwicklung und nicht zuletzt das Integrale Konzept zum kommunalen Sturzflut-Risikomanagement. Der Fördersatz ist mit 75 Prozent hoch. Dadurch habe der Markt Oberthulba von den Gesamtkosten in Höhe von 146.000 Euro immerhin 110.000 Euro an Förderung bekommen.

Reith im Mai 2018 als Auslöser

Kaj Lippert zeigte sich zu Beginn seiner Ausführungen erstaunt, dass so viele Bürgerinnen und Bürger im Saal gekommen waren und damit am Thema interessiert seien. Er verdeutlichte mit Radar-Messdaten das Starkregenereignis vom 29. Mai 2018, das seine Auswirkungen im Heideweg in Reith hatte. Dadurch sei bei den Verantwortlichen auch der Wunsch nach Abhilfe aufgekommen.

"Wir können die Ereignisse nicht komplett managen und Gefahr ist nicht gleich Risiko", sagte Lippert. Ein digitales Geländemodell sei wichtig für die Erstellung des Risiko-Kartenmaterials.

Man habe sich auf die kommunalen Grundstücke konzentriert, aber natürlich könne jeder Eigentümer die Gefahrenlage für sein Grundstück aus der Karte lesen (oberthulba.de/aktuelles/sturzflutrisikomanagement/14160.Sturzflutrisikomanagement.html). Lippert ging auf Flusshochwasser- und Sturzflutrisiko in jedem der acht Ortsteile ein. Von den 41 erarbeiteten Gesamtmaßnahmen lägen 34 im kommunalen Bereich - 18 davon seien hoch und zwölf im mittleren Bereich anzusiedeln. Die geschätzten Baukosten benannte er mit zwei Millionen Euro. Für Oberthulba nannte er eine Rückhaltung im Bereich Hurschelwiese/Quellenstraße.

Private Vorsorge ist wichtig

Als wichtigen Punkt stufte Lippert auch die private Vorsorge ein. "Die Bürger stehen hier im Rahmen ihrer Möglichkeiten in der Pflicht", sagte er. Man müsse sich informieren über Radio oder Internet, auch stehe ein reichhaltiges Angebot über Apps zur Verfügung. Auch baulich gebe es Möglichkeiten, am häufigsten trete Wasser über den Kanal, über die Kellertreppe oder über Lichtschächte ein. Abhilfe könne hier eine Rückstauklappe oder die Erhöhung der Lichtschächte bieten.

Man wolle den Bürgerinnen und Bürgern aber keine Angst machen, sondern sie für das Thema sensibilisieren, sagte Bürgermeister Götz. Das Konzept sei künftig immer mit dabei, ob Brückensanierung, Straßenbau oder Bauleitplanung. "Wir sind Schritt für Schritt dabei die Sache anzugehen und versuchen die Maßnahmen umzusetzen", lautete seine Botschaft.

Abschließend kamen aus den Reihen des Publikums einige Fragen auf: Ändern sich die amtlich festgelegten Überschwemmungsgebiete mit dem neuen Kartenmaterial? Ist die Bodenstruktur und -bearbeitung wie Pflügen hier mit aufgenommen? In weiteren Fragen ging es um Elementarversicherung oder um Regenwasserzisternen. Verwaltung und Redner standen auch nach der Veranstaltung noch für Fragen zur Verfügung.