Seine zehn Hühner werden den Frühling nicht mehr erleben. Es bleibt ihm nichts anderes übrig, als alle zu schlachten, sagt Lothar Bieberich. Denn er muss den Hühnerstall bis 1. April abreißen. Die Hütte ist nicht genehmigt. Und was noch viel gravierender ist: Sie steht im Überschwemmungsgebiet der Thulba.

Einen Geräteschuppen hat Bieberich auf seinem Wiesengrundstück bereits abgebaut. Im März, wie er ankündigt, wird er zusätzlich den Hühnerstall und den ebenfalls betroffenen Hundezwinger beseitigen. Bieberich fügt sich endgültig einer Anordnung des Landratsamts Bad Kissingen. Damit endet ein mehrere Jahre dauerndes Verfahren.

Eigentümer geht vor Gericht

Bereits im Mai 2012 forderte das Landratsamt den Grundstückseigentümer auf, die Bauten zu beseitigen. Ein Nachbar hatte moniert, dass bei Hochwasser wegen den Hütten im Überschwemmungsgebiet sein Haus beeinträchtigt sei. Bieberich akzeptierte den Bescheid nicht und klagte vor dem Verwaltungsgericht Würzburg. Im Januar des vergangenen Jahres fand die Verhandlung statt.

In der legte das Landratsamt noch einmal seine Argumentation vor: Die Hütten wirkten wie ein Querriegel in der Landschaft und bildeten dadurch ein Abflusshindernis in dem Talabschnitt der Thulba. Außerdem stehen die nicht genehmigten Bauten nicht nur im Überschwemmungsgebiet, sondern zusätzlich noch im Landschaftsschutzgebiet Bayerische Rhön. Bieberich dagegen fühlte sich willkürlich behandelt. Zu einer richterlichen Entscheidung kam es damals jedoch nicht, denn der Hassenbacher zog seine Klage nach längerer Erörterung zurück.

Als die beanstandeten Hütten danach immer noch nicht komplett verschwunden waren, gewährte das Landratsamt Bieberich eine letzte Frist bis kommenden April. Bis dahin muss alles weg, sonst muss er Zwangsgeld bezahlen.

Dass der Hühnerstall ein Schwarzbau ist, weil nicht genehmigt, weiß Bieberich. Er weiß mittlerweile auch, dass der Schuppen im Überschwemmungs- und Landschaftsschutzgebiet liegt. Warum er die Hütte und den Zwinger abreißen muss, kann der 71-Jährige trotzdem nicht nachvollziehen: "Ich bin schon seit 40 Jahren auf der Fläche. In der Zeit habe ich nur zwei Hochwasser erlebt." Diese hätten auch nicht bis zum Stall gereicht.

Allerdings richtet sich die Größe des Überschwemmungsgebiets nach wahrscheinlichen Pegelständen. Sie wird durch Hochwasser definiert, die statistisch gesehen alle 100 Jahre vorkommen. Dass die Hütten viele Jahre lang geduldet wurden, spielt ebenfalls keine Rolle. Das Landratsamt will keinen Präzedenzfall schaffen. Laut Sprecherin Melanie Hofmann gibt es mehrere Fälle von nicht genehmigten Bauten in Überschwemmungsgebieten.
Zwei davon finden sich in Bieberichs Nachbarschaft. Auch diese Grundstückseigentümer sind aufgefordert, die Hütten zu beseitigen. Bei einem Laufe das Verfahren noch. Der andere habe ebenfalls einen Bescheid mit einer Frist bis zum 1. April bekommen.