Der Abriss des ehemaligen Kaufhauses neben dem Rathaus war mühsam und langwierig, mittlerweile geht es zügig in die Höhe: "Wir sind rund eine Woche hintendran, aber das holen wir jetzt auf", sagt Bauleiter Andreas Pracht von der Firma "Burger Bau". Der Anschluss an den Bestand im hinteren Bereich halte noch etwas auf, aber vor allem im Obergeschoss würden nun immer mehr Fertigteile zum Einsatz kommen.

Mit dem Baufortschritt am neuen Bürgerhaus ist auch Stadtbaumeister Detlef Mohr sehr zufrieden. Dagegen gebe es auf der zweiten Großbaustelle der Stadt Hammelburg nur wenige hundert Meter weiter erneut Verzögerungen. "Eigentlich sollte der zweite Bauabschnitt schon seit Anfang August fertig gepflastert sein", berichtet Mohr. Allerdings zogen einige Pflasterer bereits vor der Sommerpause ab, und nach der Sommerpause kam bislang niemand zurück. "Die Anwohner sind sauer", berichtet Mohr.

Die Stadt habe zwei Wochen Sommerpause zugestimmt. Dass es mittlerweile dreieinhalb Wochen sind, passt dem Stadtbaumeister gar nicht. "Wir haken da nach", betonte Mohr gestern. Eine kleine Verzögerung habe auch ein Fund im Boden verursacht: Weil die gesamte Innenstadt als Bodendenkmal gelistet ist, muss besonders sorgsam gegraben werden. Rund 1,6 Meter unterhalb der alten Straße sei an einer Stelle ein alter Entwässerungskanal zum Vorschein gekommen: Ein Archäologe habe die Reste der Pflasterrinne, die mit Steinquadern eingefasst und mit Steinplatten abgedeckt war, gesichert. Das Alter der Rinne aus Muschelkalk und Sandstein sei aber schwer zu bestimmen.

Übergang zur Seeshofer Straße

Während Pflasterer fehlen, gehen die Erdarbeiten zügig weiter. Aktuell werden Versorgungsleitungen am westlichen Ende der Bahnhofstraße verlegt, ab Montag, 6. September, ist dann der Übergang zur Seeshofer Straße an der Reihe. Stadt und Stadtwerke erneuern dort Gas- und Wasserleitungen. "Hierzu müssen an verschiedenen Stellen Leitungen gekappt, zurückgebaut oder neuverlegt werden", berichtet Mohr. Dazu müsse die Seeshofer Straße einseitig gesperrt werden, vom 6. bis voraussichtlich 17. September können Autofahrer deshalb nicht von der Seeshofer Straße in die Postamtskreuzung ausfahren.

Die Bahnhofstraße solle zwischen Dalbergstraße und Postamtskreuzung stadtauswärts einspurig befahrbar bleiben, allerdings könne es zu kurzfristigen Unterbrechungen kommen. Die Stadt bittet Anwohner, Lieferverkehr und Kunden von Altstadtgeschäften, über Weihertor- und Kissinger Straße in die Stadt einzufahren. Insgesamt investieren Stadt und Stadtwerke rund 3,36 Millionen Euro in den Ausbau der Bahnhofstraße. Die Straße sollte eigentlich bis Jahresende fertig werden.

Der Neubau des Bürgerhauses kostet rund sieben Millionen Euro und dauert voraussichtlich bis Frühjahr 2023. Erstes Etappenziel ist dabei die Fertigstellung des Rohbaus bis Jahresende. Deshalb gab es auf der Baustelle neben dem Rathaus keine Sommerpause. Die meisten Außenwände des Erdgeschosses stehen mittlerweile, zum Buttenmarkt hin wurde am Mittwoch der Überzug über der Fensterfront betoniert. Im vorderen Bereich liegen bereits Filigrandecken, auf die eine Betondecke gegossen wird. Hinten, über dem komplett stützenfreien Sitzungssaal, werden 11,50 Meter lange Spannbeton-Fertigteile verlegt. Die rund zehn Tonnen schweren Einzelteile seien bereits gegossen und ausgetrocknet, berichtet Bauleiter Pracht. Lediglich die Stöße müssten dann noch verfüllt werden. Bei der Anlieferung könnte es rund ums Rathaus zu noch mehr Verkehrsbehinderungen kommen, bereits jetzt sind dort ständig Betonmischer und Lkw unterwegs.

Weitgehend fertig ist die unterirdische Verbindung zwischen Rathauskeller und Bürgerhaus, die in Zukunft als zweiter Fluchtweg für Veranstaltungen dient. "Der Beton muss noch austrocknen, dann wird abgedichtet und die Grube verfüllt", berichtet Mohr. Ein Rahmen aus einer zwei Zentimeter dicken Stahlplatte ist durch die rund 1,70 Meter dicke Außenwand des Rathauses geschoben. Weil über dem Durchgang wenig Platz bleibt, wurde ein Abwasserkanal in Richtung Buttenmarkt umgelegt.

Sperrungen für den Flohmarkt

Im Bürgerhaus sind die Öffnungen der früheren Treppen in den Keller verfüllt, erste Teile des Aufzugsschachtes betoniert, Fertigteile für die Treppe vom Keller ins Erdgeschoss liegen zur Montage bereit. Deutlich zu erkennen ist auch der Grundriss im Erdgeschoss: Gegenüber dem Keller springt der Baukörper zurück. Ein langes Dreieck bis in die Gasse soll die Fassade des Bürgerhauses schmaler erscheinen lassen, berichtet Mohr.

Neben den zu erwartenden Behinderungen rund ums Rathaus hat die Stadt auch noch für Samstag, 4. September, Sperrungen angekündigt: Von 7 bis 14 Uhr findet am Viehmarkt der Flohmarkt der HaKaGe und der Bauernmarkt sowie in der Bahnhofstraße ein Kunsthandwerkermarkt statt. Für die Veranstaltungen sind die umliegenden Straßen gesperrt. Kissinger und Weihertorstraße sowie die Straße Am Marktplatz bleiben für den Verkehr geöffnet. Die Stadt bittet, die Innenstadt weiträumig zu umfahren und außerhalb zu parken.