Mehr als 550 Jahre stand auf dem jetzigen Viehmarkt eine Kirche. Eine 1794 gefundene Steinschrift lässt auf das Baujahr 1302 schließen und Notizen aus dem bischöflichen Domkapitel in Fulda sogar vor 1286. Die schlechte Bausubstanz der Marienkapelle erforderte 1505 eine umfangreiche Sanierung, was den Zerfall 1655, bis auf den Glockenturm, in dem der Türmer hauste, um Feueralarm zu melden, nicht verhindern konnte. Am 25. April 1854 läutete er die Feuerglocke der Kirche beim großen Stadtbrand ein letztes Mal, wobei alles, bis auf den Turm, zerstört wurde. Bis 1874 blieb der Name "Thürmersplatz", wurde 1859 endgültig eingeebnet und später zum Viehmarkt bestimmt, der Ursprung des heutigen Namens. Seit der Sanierung des Viehmarkts 2015 ist der Grundriss der Kirche nun mit Kreuzen im Pflaster markiert.

Schafe kamen noch zu Fuß

1853 beschloss der Hammelburger Magistrat, ab Januar 1854 alle 14 Tage donnerstags Rind- und Schweinemärkte in der engen Altstadt Hammelburgs abzuhalten und erließ eine Viehmarkt-Ordnung: Marktbeschicker und -besucher duften "keine Verkehrsstörung" verursachen. Alles, was Räder hatte, durfte nicht über den Viehmarktplatz fahren. Rinder und Schafe kamen damals wahrscheinlich noch zu Fuß zum Markt und durften nur auf erlaubten Zugängen unverzüglich ohne Aufenthalte in der Stadt zum Viehmarkt getrieben werden.

Die Gebühren für die Marktbeschicker betrugen für Rind und Pferd zehn Pfennig pro Stück, ein Korb Schweine 20 Pf. und je fünf Pf. für ein Kalb, Schaf oder Ziege. Nur das Vieh der Hammelburger war befreit. Die "Schmuser" (Zwischenhändler) sah die Stadtverwaltung nicht gerne und untersagte ihnen die Einmischung in die Marktgeschäfte, drohte gar mit Verweisung und Strafe. Die "Schmuser" kannten alle Landwirte und wussten genau, was wer gerade brauchte. Überall hatten sie ihre Ohren und redeten potenziellen Käufer fleißig zu. Sie halfen beim Ausladen, Aufstellen der Körbe und erhielten eine Provision oder eine bezahlte Zeche vom Händler, denn nach dem Markt ging es regelmäßig ins Wirtshaus.

Dort konnte man auch sehen, welcher Schmuser für welchen Händler gearbeitet hat. Nach dem Markt verteilte man sich auf die vielen Gasthäuser in Hammelburg. Beim "Emmert" (Gasthaus "Zum Engel", Marktplatz 12), im "Hirschen" (Kirchgasse 2), in der "Hannawackers Wirtschaft" ("Zum Goldenen Schwan", Bahnhofstr. 17) und beim "Binmöller" (Gasthaus "Zur Sonne", Weihertorstr. 3). Der "Bayerische Hof" (Bahnhofstr. 51) war an Markttagen gestopft voll, denn er war für gutes Essen bekannt. Noch in den 1920er und 1930er Jahren hatte der Hammelburger Viehmarkt einen guten Namen. Im Jahr 1939 wurden 47 Märkte abgehalten, und dabei wurden 280 Schweine und 4980 Ferkel verkauft.

Letzter Markt

Nach dem 2. Weltkrieg veränderte sich die Situation. Das Auftreten der Maul- und Klauenseuche behinderte zunächst einmal die Marktgeschäfte.

1961 verlegte man den Viehmarkt auf den Bleichrasen an der Saalebrücke. In den 1970er Jahren wurden schon viele Viehmärkte, mangels Interesse von Händlern, in Bayern eingestellt. Die eingenommenen Gebühren deckten die Auslagen nicht mehr, und ab 1973 sollten statt zwölf nur noch vier Viehmärkte im Jahr stattfinden.

Die letzte offizielle Terminmeldung stammt aus dem Jahr 1982. Regina Schlereth erinnert sich noch gut an das Eckhaus, der einstige Bullenstall, welcher zur Landwirtschaft des Bürgerspitals gehörte. In Hammelburg gab es fast nur Kleinbauern, die ihre Milchkühe zur Besamung zum Bullenstall trieben. Im Obergeschoss wurde Futter gelagert. Heute nimmt der Gesamtkomplex am Viehmarkt die Bank Schilling, seit 2019 Merkur Bank, ein. Alleininhaber Josef Schilling gründete die Bank am 13. März 1923 als "Josef Schilling Bankgeschäft Hammelburg" mit Sitz in der Bahnhofstraße 86 und wechselte1968 an den Marktplatz 10.

Quellen: Hammelburger-Album Erinnerungen von Frau Regina Schlereth (geb. 1926)