Einst Treffpunkt mit Kult-Faktor, in den vergangenen Jahren Veranstaltungsort für Ausstellungen und Revival-Feiern: Der Winzerkeller im Hammelburger Kellereischloss ist einer der prägenden Orte der ältesten Weinstadt Frankens. Nun steht dort eine Veränderung an: "Die Räume im Kellereischloss Hammelburg wurden von der Gebietswinzergenossenschaft Kitzingen zum 30. September 2021 gekündigt", teilt die "Immobilien Freistaat Bayern" (Imby) auf unsere Nachfrage mit. Im Frühjahr gab es eine Ausschreibung, den Zuschlag erhielt laut Imby die "Weinwerk kcb verdissimo GmbH", die durch Kathrin Baier-Buttler vertreten wird. Der bisherige Pächter Stephan Merz öffnet deshalb Freitag, 17. September, zum letzten Mal.

Damit geht indirekt auch eine Ära zu Ende: Seit Jahrzehnten vermarktete zunächst die Winzergenossenschaft Hammelburg und später die Winzergemeinschaft Franken (GWF) im Kellereischloss den Wein aus der Region (siehe Text unten). Die GWF selbst wollte die Vinothek bereits Ende 2019 schließen, allerdings machte sich GWF-Mitarbeiter und Hobby-Winzer Stephan Merz einfach kurzerhand selbstständig und führte die Vinothek weiter. Merz kam 2013 zur GWF, zunächst arbeitete er an der Autobahn-Rastanlage Würzburg in der Vinothek. 2015 wechselte er dann in den Winzerkeller seiner Heimatstadt, in der er auch selbst eineinhalb Hektar Weinberg bewirtschaftet.

Übernahme kurz vor der Pandemie

Die Übernahme Anfang 2020 war natürlich der denkbar ungünstigste Zeitpunkt: Die Corona-Pandemie machte sämtliche Veranstaltungsideen wie dem "Club 199" im Weinkeller einen Strich durch die Rechnung. Immerhin: "Die Vinothek durfte die ganze Zeit über geöffnet bleiben." Merz war lediglich Untermieter bei der GWF. Dort konnte er nach eigenen Worten lediglich eine Stundung der Miete beantragen. Die GWF wiederum habe die Miete aber nicht beim Freistaat stunden lassen, deshalb habe es später auch keinen Corona-Nachlass gegeben. "Ich musste die Miete vollständig nachzahlen", betont Merz.

"Der Weinverkauf alleine trägt sich nicht", begründet Merz die Kündigung der Vinothek. Leider habe die GWF dann auch gleich die Keller gekündigt. Nach eigenen Angaben hat Merz zunächst das einzige Angebot abgegeben. "Aber das war dem Freistaat zu niedrig", berichtet er. "Auf die Ausschreibung gingen noch Nachgebote ein", berichtet die Imby auf Nachfrage. Das sei möglich, weil die Frist in der Ausschreibung keine Ausschlussfrist gewesen sei.

Laut dem Hammelburger Bürgermeister Armin Warmuth (CSU) hat sich auch die Stadt die Räume angeschaut. In unmittelbarer Nähe zum Rathaus hätten vielleicht Büros oder Platz für die Registratur entstehen können. Allerdings sei das nicht über Vorüberlegungen hinaus gegangen. "Ich bin froh, dass ein hiesiger Winzer den Winzerkeller übernimmt", sagt Warmuth. Schließlich habe die Stadt laut jetziger Planung nach Fertigstellung des Bürgerhauses genügend Platz für die Verwaltung.

Laut Imby können die Räume im Erdgeschoss als Büro- und Verkaufsräume sowie für Weinproben und Teile des Winzerkellers und des Bocksbeutelkellers im Untergeschoss für einen gelegentlichen gaststättenähnlichen Ausschank genutzt werden. Zu ihren genauen Plänen äußert sich Kathrin Baier-Buttler allerdings trotz Nachfrage der Redaktion nicht. Nur eines ist laut Bürgermeister Warmuth geklärt: Die Toiletten im Durchgang zum Innenhof und am Eingang zum Winzerkeller sollen bis zum Abschluss der Bauarbeiten am Bürgerhaus öffentlich zugänglich bleiben. Dafür gebe es einen Vertrag mit der Imby und eine Absprache mit der Pächterin. "Es wird schon was entstehen", hofft er auf eine Neu-Belebung des Kellereischlosses. "Ich habe viele schöne Erinnerungen an den Winzerkeller, die Freitagabende dort waren legendär", erzählt Warmuth. Auch an kulturelle Veranstaltungen wie Ausstellungen und Adventskonzerte erinnere er sich gerne: "Der Winzerkeller hat Hammelburg immer ausgezeichnet", sagt Warmuth.