Aus drei mach eins: Drei Vereine aus dem Stadtteil haben verschiedene Anlässe zu einem Fest zusammengefasst. Dies verteilt die Arbeit auf mehrere Schultern, und so entsteht ein ganzes Dorffest.

Das Pfarrfest griff die Plootzback-Gruppe, die im vergangenen Jahr ihr 40-jähriges Bestehen gefeiert hatte, auf, um ihrem Initiator Hermann Brust und den verstorbenen Gründungsmitgliedern einen Gedenkstein zu widmen. Die Obererthaler Dorfmusik zog mit ihrem 40. Gründungsjubiläum als Ausrichter mit.

Nach der Messe und der Kirchenparade zum Festplatz segnete Diakon Manfred Müller den Gedenkstein, der am Eingang des Platzes seinen Standort hat. Den Granit mit einer glatten und einer rauen Seite - wie das Leben - bearbeitete der Westheimer Steinmetz Hoos. "Die Stelle wurde bewusst ausgewählt, weil wir seit mehreren Jahren hier das Plootzfest feiern", erklärte die Sprecherin der Plootzbäcker, Annette Gerlach.

Die Obererthaler Plootzbäcker sind weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannt für ihren Matte- und Zwiebelplootz. Die Spezialität dürfte in den vier Jahrzehnten ungezählte Fans gewonnen haben. Mit ihrer Arbeit finanzierten die fleißigen Bäcker gemeinnützige und dörfliche Projekte wie zum Beispiel die Figurengruppe im Dorf.

Nach der Segnung gab es Mittagessen. Die Besucher konnten dabei der Jugendkapelle, einem Projekt aus jungen Musikern der Kapellen aus Ober- und Untererthal sowie Diebach unter Leitung von Helmut Schäfer, lauschen.

Am frühen Nachmittag kamen dann die Obererthaler Musiker zum Zuge: Vorsitzender Michael Weigand gab nach zwei Musikstücken einen Einblick in die Geschichte der Dorfmusik, die schon viel länger als vier Jahrzehnte existiert - aber seit 1979 ist die Dorfmusik ein eingetragener Verein.

Bereits 1864 hatte eine Kapelle zur Grundsteinlegung der umgebauten Dorfkirche gespielt.

Auf Betreiben von Josef Heil fanden sich im Jahr 1924 junge Burschen zusammen, die eine Musikkapelle auf die Beine stellten. Unter Leitung von Ruprecht Nöth sowie Josef Nöth stieg die Kapelle "zu einer der besten in der nahen Heimat auf". "Daran hat sich bis heute nichts geändert", sagte Weigand.

Ende der 1960er Jahre mussten die Musiker ein Tief überwinden: Durch Austritte, Wegzüge und Tod stand das Ensemble kurz vor der Auflösung. Ruprecht Nöth schaffte es jedoch, junge Menschen für das Musizieren zu begeistern. Mitte der 1970er Jahre übernahm Erwin Gerlach als Dirigent.

Durch Umbesetzungen, Neuzugänge und den Kauf technischer Anlagen passten die Musiker sich den Bedürfnissen der Zeit an. Den ehemaligen Kindergarten funktionierten sie in Eigenregie zum Musikheim um.

Vor vier Jahrzehnten gaben sie sich dann eine Satzung und wählten einen Vorstand. Später wurde das alte Musikerheim zu klein. Sechs Jahre nach der Gründung zog der Verein in sein heutiges Domizil.

Die Qualität des Orchesters eilte durch die Lande und ins Ausland. Die Dorfmusik erzielte musikalische Erfolge in Belgien Ungarn und den USA. "Eine gebürtige Hammelburgerin lud uns nach Florida ein, wo wir in verschiedenen Orten im Umkreis von Miami spielten", erinnerte der ehemalige Vorsitzende Erich Nebel. Er hatte als Reisekaufmann den Amerika-Trip organisierte.

Beim Fest zeichnete Weigand die langjährigen Mitglieder aus. Als Gründungsmitglieder würdigte er Winfried Blum, Irma Breitenbach, Christiane, Friedberg, Georg, Manfred und Rudolf Brust, Siegmar Dorn, Detlef Fuchs, Christine und Ludwig Gambert, Annette, Erwin und Rainer Gerlach, Bernhard Glück, Manfred Heid, Albin Jopp, Margarethe Kippes, Karl Krämer, Andreas, Angelika und Hubert Kuchenbrod, Marlene Laudensack, Bruno Lömmer, Peter Metzung, Erich Nebel, Michael und Rainer Neder, Dieter, Heinz, Helmut, Hubert, Markus und Peter Nöth, Norbert Schneider, Hans Schönau, Stefan Seifert, Hubert und Volker Sitzmann, Dietmar und Josef Vogt, Andreas, Eugen, Michael und Reinhold Weigand, Annette Weigand-Uebel, Gabi Wolf und Herbert Zentgraf.

Für 25-jährige Vereinstreue bekamen Barbara Beiersdörfer, Marina Brust, Ralf Ebert, Horst Fella, Barbara Jopp, Peter Kolb, André und Herbert Leitschuh, Claudia Möhler, Dirigentin Carolin Polz, Marco Sitzmann, Daniela, Edwin und Manuela Weigand sowie Volker Zentgraf eine Auszeichnung.