Einzelne Dächer sind bereits eingefallen, der Hof sitzt voller Käferholz, selbst das Schild an der Einfahrt ist völlig verblasst: Die ehemalige Hähnchenschlächterei oberhalb von Dittlofsroda, in der in den 1970er Jahren bis zu hundert Menschen arbeiteten, ist eine heruntergekommene Industriebrache. Die Gemeinde Wartmannsroth hat die rund 7700 Quadratmeter große Fläche zwar gekauft, bisher fehlt aber ein Nutzungskonzept. Rund 30 Bürger diskutierten nun mit dem Gemeinderat, wie es mit der ehemaligen Hähnchenschlächterei weiter gehen könnte.

Für die Pläne hofft die Gemeinde auf staatliche Hilfe, berichtete Bürgermeister Florian Atzmüller (CSU) in der Gemeinderatssitzung, die fließend in eine Bürgerbeteiligung überging. "Wir sind in einer ganz frühen Phase", kommentierte er den Planungsstand, Vorschläge der Bürger könnten also noch einfließen. Atzmüller stellte zwei Varianten vor: In beiden werden Teile der ehemaligen Hähnchenschlächterei erhalten und saniert. "Der vordere Gebäudeteil mit den Büros ist noch relativ gut", verwies er auf ein Gutachten. Offen sei trotzdem, welche Teile stehen bleiben und was damit gemacht werden soll.

Ein Konzept sah eine gemischte Nutzung vor: rund 550 Quadratmeter für gewerbliche Zwecke und weitere 240 Quadratmeter für mehrere Wohneinheiten. Es gebe bei der Gemeinde immer wieder Anfragen nach gewerblichen Flächen, auch aus Dittlofsroda, berichtete Verwaltungsleiter Daniel Görke. Zudem seien auch kleinere Mietwohnungen Mangelware auf dem Land: Junge Menschen, die von daheim ausziehen wollten, hätten oft keine Möglichkeiten vor Ort und würden deshalb zum Beispiel in die nächste Kleinstadt ziehen. "Wer weg ist, ist weg", befürchtet Atzmüller. Auch barrierefreie Wohnungen für Senioren fehlten in der Kommune.

Gemeinde hofft auf hohe Förderung

In der westlichen Hälfte der Industriebrache sehen die Konzepte klassische Bauplätze vor, allerdings gibt es mehrere Varianten: Entweder vier Bauplätze in der Größenordnung von 700 Quadratmetern oder sechs deutlich kleinere in Verbindung mit einer Gemeinschaftsfläche. "Einen zweiten Spielplatz dort oben halte ich für einen großen Blödsinn", sagte eine Bürgerin. Es gebe einen schönen Spielplatz am Dorfplatz, das reiche für den Ort und schaffe einen zentralen Ort für Begegnung. Verwaltungsleiter Görke verwies allerdings darauf, dass der Gemeinschaftsplatz eher im Zusammenhang mit der geringen Grundstücksgröße stehe: Die Nachbarn sollten sich zusammentun, um sich Freizeitmöglichkeiten zu teilen.

Auch Anfragen von Bürgern, ob die Gemeinde nicht zunächst die schlechteste Bausubstanz abreißen wolle, erteilte Görke eine klare Absage: "Wir hoffen ja auf bis zu 90 Prozent Förderung", sagte der Verwaltungsleiter. Dafür sei allerdings vorab ein Nachnutzungskonzept notwendig. Der Abriss der Gebäude sei einer der größten Brocken im Projekt, deshalb müsse damit bis zur Klärung der Förderung gewartet werden. Görke berichtete auch, dass das Konzept eigentlich bereits Ende 2020 vorliegen sollte. Allerdings habe es Verzögerungen durch die Corona-Pandemie gegeben, unter anderem sei bislang die geforderte Bürgerbeteiligung nicht möglich gewesen. Das Amt für ländliche Entwicklung habe die Frist deshalb bis Ende 2021 verlängert.

Gefördert werde die Umwandlung der Brachfläche durch das Programm "Innen statt außen". Eine weitere Bedingung dabei sei, dass die Gemeinde ein anderes Baugebiet in Dittlofsroda aufgibt: Für den Bereich "Kürles" gibt es laut Görke einen rechtskräftigen Bebauungsplan, allerdings seien die 27 geplanten Baugrundstücke bis heute nicht erschlossen. Weitere Rahmenbedingungen sprach Bürgermeister Florian Atzmüller an: Wie in vielen Orten seien auch in Dittlofsroda noch viele erschlossene Baugrundstücke unbebaut. Allerdings seien die meisten davon sehr steil, während auf dem Gelände der ehemaligen Hähnchenschlächterei ebenes Bauland entstehen könnte. Zudem gehört der Gemeinde auch das "Haus der Bäuerin", in dem auch Mietwohnungen möglich seien. Allerdings sei bisher noch völlig offen, wann es dort weitergehe und welches Projekt zuerst umgesetzt werde.

"Die Frage ist, was wir brauchen und was realistisch umzusetzen ist", fasste Atzmüller das Ziel der Bürgerbeteiligung zusammen. Eine Mehrheit der Anwesenden sprach sich am Ende dafür aus, lediglich das Längsgebäude der ehemaligen Schlächterei zu erhalten, gewerbliche Nutzung und Wohnungen eher zu trennen und keine Gemeinschaftsfläche oder gar einen zweiten Spielplatz dort vorzusehen. Die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung sollen in einer der nächsten Sitzungen zu einem Konzept zusammengefasst und beschlossen werden.