Es ist eine Premiere im Landkreis Bad Kissingen: Das Landratsamt Bad Kissingen hat in Elfershausen einen rund 95 Meter langen Abschnitt der Fränkischen Saale gesperrt.

Im Rahmen einer "Verordnung über die Regelung des Gemeingebrauchs an der Fränkischen Saale" wird ab der neu angelegten Bootsumsetzstelle 70 Meter oberhalb der Kemmermühle bis 25 Meter nach der Kemmermühle das Baden und Kanu-Fahren in der Saale und sogar das Betreten des Umgehungsgerinnes verboten. Die Verordnung trat am 24. Juli in Kraft und soll laut Landratsamt vorerst ein Einzelfall bleiben: "Weitere Badeverbote sind derzeit nicht beantragt und kurzfristig auch nicht zu erwarten."

Strömung wird immer stärker: Badeverbot seit Jahren überfällig?

Aus Sicht von Mühlenbetreiber Helmut Kemmer ist das Badeverbot seit Jahren überfällig. "Das ist ja richtig mies", sagt dagegen Ingmar Kiesel, der regelmäßig von auswärts zum Baden nach Elfershausen kam. "Der Einstieg über die Leiter war toll und auch für Nicht-Flussschwimmer wie im Schwimmbad, ohne Schlammberührung", erzählt der 56-Jährige. Deshalb habe ihn schon der Abbau des Stegs auf die Insel geärgert.

Bürgermeister Johannes Krumm verteidigt diese Maßnahme nach wie vor: "Wenn ich künstliche Anreize zum Baden in der Saale schaffe, bin ich haftbar", verweist Krumm auf die Rechtslage. Ohne Einstiegsstellen gelte: "In der Saale ist jeder für sich verantwortlich." Als Alternative will Krumm deshalb ein Wasserbecken neben der Saale schaffen. Das stieß bei den jüngsten Bürgerversammlungen jedoch auf erhebliche Kritik.

Das Thema schwelt seit Jahren: "Das Problem ist, dass die Strömung immer stärker wird", betont Mühlenbetreiber Helmut Kemmer. 2016 legte er seine Getreidemühle still, weil es immer weniger Bäcker in der Region gab. Allerdings nutzt er trotzdem sein Wasserrecht zur Stromerzeugung. Heute fließe sogar deutlich mehr Wasser durch die Turbine als einst durchs Mühlrad: "Früher wurde nur das ausgebaut, was für die Mühle gebraucht wurde", sagt Kemmer, mittlerweile nutze er bis zu 10.000 Liter Wasser in der Sekunde, wenn es der Zulauf der Saale erlaube. "Mit der Ausbaumenge hat sich auch die Strömung vervierfacht", weist Kemmer auf die steigende Gefahr hin.

Schon früher habe es unerfahrene Schwimmer oder Bootsfahrer bis zur Turbine abgetrieben. Er und seine Mitarbeiter hätten auch schon Boote direkt am Gitter bergen müssen. Als Gefahrenquelle komme hinzu, dass seit der Schließung der Mühle nicht mehr ständig jemand vor Ort sei und er eine automatische, pegelgesteuerte Rechenanlage eingebaut habe.

Mit der Verlängerung des Wasserrechts vor zwei Jahren erhielt Kemmer zudem mehrere Auflagen: Zum einen musste der Mühlenbesitzer die Verantwortung für das Umgehungsgerinne rund um die Insel übernehmen. Wegen des Steges dort und einer Furt, die viele Kinder als Planschbecken nutzten, lehnte die Haftpflichtversicherung jedoch einen Versicherungsschutz ab. Zudem musste Kemmer einen rund 50 Zentimeter hohen Fischdurchlass durchs Wehr anlegen. 330 Liter in der Sekunde fließen durch das Loch in zwei Metern Tiefe, für Schwimmer sei das eine zusätzliche große Gefahr. "Das kann selbst einen erfahrenen Schwimmer reinziehen."

Also beantragte Kemmer bereits im Frühjahr 2020 eine Überprüfung der Situation. Ein TÜV-Gutachten kam zu dem Ergebnis, dass Baden auf den 60 Metern oberhalb der Turbine zu gefährlich sei. Das Wasserwirtschaftsamt schloss sich dieser Meinung an. Deshalb wurden Anfang Juni der Steg auf die Insel abgebaut und die Bootsausstiegsstelle rund 50 Meter weiter saaleaufwärts verlegt. Das zusätzliche Badeverbot im Umgehungsgerinne und unterhalb des Wehres begründet das Landratsamt damit, dass dort Schwallwellen auftreten können, wenn die Turbine plötzlich stoppe oder wieder anlaufe.

Björn Rasch, der nahe der Badestelle in Elfershausen wohnt, sieht das Badeverbot gelassen: "Wir Elfershäuser haben die Insel am Wehr ja eh nicht mehr genutzt, weil da so viele Auswärtige waren", sagt er auf Nachfrage. Die Ortskundigen würden nun eben hundert Meter weiter oben baden. Viel mehr stören ihn die Pläne der Gemeinde zu einer Wasserbegegnungsstätte nahe der Mündung des Deisselbaches an der Saale. In den diesjährigen Bürgerversammlungen gab es dazu zahlreiche Wortmeldungen.

Um die geltenden Hygieneregeln einhalten zu können, gab es in diesem Jahr insgesamt fünf Termine für die Bürgerversammlungen, drei in Elfershausen und zwei in Langendorf. Vor allem bei der ersten Versammlung kam heftiger Gegenwind für Bürgermeister Johannes Krumm auf. Mehrere Redner sprachen sich gegen die Errichtung einer Wasserbegegnungsstätte am Deisselbach und einen Wohnmobilstellplatz aus. Anwohner Björn Rasch etwa kritisiert die Planung im Hochwassergebiet und befürchtet hohe Folgekosten. Zudem seien Fragen wie Parken oder Müll-Entsorgung nicht geklärt.

Bürgermeister Krumm kündigte an, dass es im Herbst eine Bürgerbefragung zu insgesamt vier Themen geben soll: Wasserbegegnungsstätte, Wohnmobilstellplatz, Freiflächen-Photovoltaikanlagen und Lebensmittelmarkt in der Gemeinde. Der Termin sei noch offen, den Tag der Bundestagswahl am 26. September schloss Krumm jedoch aus: "Das schaffen wir nicht", verwies er darauf, dass zunächst noch Details geklärt und die Bürger informiert werden sollen. Zum Lebensmittelmarkt etwa könne er bislang noch gar keine Auskunft geben. Es gebe aktuell noch keinen Bauantrag, sondern lediglich Verhandlungen mit der Gemeinde und den Grundstückseigentümern.

Er habe Bürgerbeteiligung angekündigt und halte sich auch daran, sagte der Bürgermeister. Nicht in die Hand der Bürger will er dagegen das Hochwasserkonzept legen: Er verhandle gerade unter anderem mit der Autobahngesellschaft über mehrere Maßnahmen, um Wasser des Deisselbaches entweder zu drosseln oder bereits vor dem Ort in die Saale abzuleiten. Die Planung habe ursprünglich ein Volumen von 3,5 Millionen Euro gehabt, mittlerweile habe er die Kosten auf rund 1,3 Millionen Euro reduziert. Offen sei aktuell noch, ob die Gemeinde alle notwendigen Grundstücke erwerben kann. Den Hochwasserschutz sieht Krumm als Pflichtaufgabe, deshalb müsse der Gemeinderat das weitere Vorgehen festlegen.

Sorge vor "Schnackenzucht"

Von Wasserbegegnungsstelle und Wohnmobilstellplatz erhofft sich der Bürgermeister mehr Tourismus, der auch Arbeitsplätze in der Gastronomie bringe. Gemeinderat Volker Partsch sagte, dass Wohnmobilisten willkommen seien. Die Wasserbegegnungsstätte ziehe jedoch nicht nur Touristen an. "Darüber müssen wir noch einmal sprechen", betonte er. Die Ablehnung des Projekts belegten Aussagen wie "Schnackenzucht" und "schlechte Wasserqualität". Der Bürgermeister entgegnete: "Wenn Fördergelder fließen sollen, muss ich etwas präsentieren können." Die Anfrage, ob das Wasser aus dem Rückhaltebecken für die Landwirtschaft nutzbar sei, verneinte Krumm, "weil das Becken leerlaufen muss".

Krumm stellte auch klar, dass die Wasserbegegnungsstätte am Deisselbach nichts mit dem Hochwasserschutzkonzept zu tun habe. Für beides benötige die Kommune Zuschüsse, sonst seien sie nicht zu schultern, das Geld komme allerdings aus unterschiedlichen Programmen. Der Badeplatz mit einem 1,20 Meter tiefen Becken soll aus dem "Sonderprogramm zur Anpassung urbaner und ländlicher Räume an den Klimawandel" gefördert werden.

Anwohner befürchten Lärm und weitere Beeinträchtigungen. Bereits jetzt gebe es am Mehrgenerationenplatz eine erhebliche Belastung. An schönen Tagen würden dort Kindergeburtstage gefeiert, Besucher würden ihre Notdurft auf benachbarten Grundstücken verrichten. Für die Wohnmobile wurde eine Alternative am Sportzentrum vorgeschlagen.

Krumm berichtete zudem, dass die Firmen "Prowind" und "Südwerk" Solarparks an der Straße von Trimberg nach Aura und nahe der A7 planten, um Strom für mehrere tausend Haushalte zu erzeugen. "Es ist gut, dass die Gemeinde etwas tut", kam Lob von Domenika Steuerwald. Ihrer Meinung nach gehört der Hochwasserschutz in die Hände von Fachplanern.