Wunderbares Wetter draußen, wunderbarer musikalischer Genuss im Saal: Viele Zuhörer - man zählte über 80 Voranmeldungen - hatten sich im Kammermusiksaal der Bayerischen Musikakademie eingefunden, um sich einen musikalischen Kunstgenuss der Extraklasse zu gönnen.

Kurse absolviert

Eine ganze Woche konnten sich die jungen Violinisten und Violinistinnen mit Spitzenambitionen im Rahmen des von Professor Christoph Schickedanz geleiteten Kurses "Meisterliche Violinen", der bereits zum 14. Mal in der Musikakademie Hammelburg stattfand, ausschließlich der Musik widmen. Schickedanz, der bereits seit 2004 eine Professur an der Hochschule bekleidet und weltweit Meisterkurse leitet, freute sich darüber, dass dies in dem wundervollen Haus möglich war. Das aktuelle Zeitgeschehen im Blick wünschte er sich zu Beginn, dass alle Anwesenden nun die erhebende Kraft der Musik spüren können.

Einer der Künstler war ein junger und hochbegabter Violinist, Oleksandr Pavlov, der erst vor kurzem mit seiner Mutter aus der Ukraine fliehen konnte. "Er ist 17 Jahre alt", so Schickedanz, "und stellen Sie sich einmal vor, dass er ein paar Wochen früher geboren wäre. Dann würde er nicht hier im Konzert spielen, sondern mit einer Waffe in der Hand darauf warten, was ihm in den nächsten Tagen oder Stunden widerfahren kann".

Das hatte Professor Schickedanz noch nicht erlebt: In über 25 Jahren könne er sich nicht daran erinnern, dass im Abschlusskonzert eines Kurses, den er betreut habe, einzig Violinkonzerte auf dem Programm gestanden haben. Da sich diese Konzerte nicht allein spielen lassen, wurden sie gekonnt und erstklassig von Uwe Brandt auf dem Flügel begleitet.

Ein Gegenstand wurde umgehend entfernt. Ein Gegenstand, den keiner der diesen Nachmittag gestaltenden Violinisten, die allesamt Preisträger namhafter Förderpreise von internationalen Wettbewerben waren, benötigte: Der Notenständer. Alle Künstler spielten frei, waren wie verschmolzen mit ihrem Streichinstrument, spielten wahrlich meisterlich und boten einen Lichtblick in der aktuellen Zeit.

Den Auftakt dieses musikalischen Nachmittagsgenusses machte Natsumi Nakamura mit dem Allegro aperto aus dem Violinkonzert Nr. 5 A-Dur KV 219, in die Zeiten des Barocks entführend. Ein Werk, das Wolfgang Amadeus Mozart 1775 kurz vor seinem 20. Geburtstag vollendete. Nakamura wusste die typische schnell-langsam-schnell Musikstruktur meisterlich zu präsentieren und die ganze Fülle von märchenhafter Schönheit, die Mozart so gekonnt aufzeigt, nicht ohne die Vergänglichkeit anklingen zu lassen. Musik wie ein Sonnenstrahl, der den dunklen Himmel durchbricht und daher so passend. Welch gelungener Auftakt des nachmittäglichen Konzerts.

Mit großem Talent gesegnet

Der 17-jährige Ukrainer Oleksandr Pavlov, der mit seiner Mutter mittlerweile in Berlin lebt und seit neuestem Mitglied der Jungen Philharmonie Brandenburg ist, gab ein Stück von Henryk Wieniawski zu Gehör. Wieniawiski, der zu den größten Violinvirtuosen des ausgehenden 19. Jahrhunderts zählt, komponierte das Violinkonzert Nr. 2 opus 22 in d-moll, aus dem der so junge und mit einem großen Talent gesegnete Pavlov unter anderem die Romance spielte - gefühlvoll in sich gekehrt und mit geschlossenen Augen.

Die sich am Ende ihres Bachelorstudiums befindliche und virtuos spielende Kana Himeno aus Rostock ließ den ersten Satz aus Sergej Prokofjews Violinkonzert Nr. 2 opus 63, g-moll erklingen, spielte in überzeugender Harmonie mit Uwe Brandt und mit tiefer Hingabe.

Die junge und sehr talentierte Alisa Gartner aus Frankfurt am Main, die sich gerade auf die Aufnahmeprüfung vorbereitet, erfreute die Zuhörer mit dem ersten Satz aus Felix Mendelsson-Bartholdys Violinkonzert opus 64, e-moll, den sie äußerst gefühlvoll, ergreifend und technisch virtuos vortrug.

Ein wunderbares und meisterlich gespieltes Violinkonzert neigte sich dem Ende zu und mit einer glanzvollen Darbietung von Peter Tschaikowskys Violinkonzert opus 35, D-Dur schloss die bei Schickedanz in Hamburg studierende Masterstudentin Mengying Xie den musikalischen Meisterreigen. Ob allegro moderato, canzonetta, andante oder allegro vivacissimo, Xie beherrschte alle Sätze grandios.

Die Noten im Kopf

Kuno Holzheimer, der Künstlerische Leiter und Geschäftsführer der Bayrischen Musikakademie, war - wie auch das Publikum - sehr von den hervorragenden Violinistinnen und Violinisten angetan, die nicht den Kopf in den Noten, sondern die Noten im Kopf hatten. Er gab ihnen guten Wünsche für ihren weiteren musikalischen Lebensweg mit und freute sich auf viele künftige Veranstaltungen. "Wir haben wieder geöffnet - nach Corona", so Holzheimer glücklich.So verabschiedet, können sich wohl viele Zuhörer auf künftige exzellente Abschlusskonzerte und Wettbewerbe hier vor Ort in der Bayrischen Musikakademie Hammelburg freuen und die jungen meisterhaft spielenden Violinisten den großen Konzertsälen der Welt entgegen streben.