Der ältere Herr hat Fragen zu einem Dachausbau. Leider klopft er an der falschen Bürotür. Zum Glück ist Angelika Stahl zur Stelle. Sie nennt dem Mann den richtigen Ansprechpartner im Rathaus. Die Vorzimmer-Sekretärin des Bürgermeisters ist neben ihren eigentlichen Aufgaben seit vielen Jahren Lotsin durch die Verwaltung, Beschwerdestelle und Organisatorin. In wenigen Tagen geht sie nun in Ruhestand.


Es hat ihr Spaß gemacht

Ungern, wie sie sagt. Die Arbeit habe ihr Spaß gemacht, auch wenn sie über die Jahre auch manchen ungestümen, aufgebrachten Bürger ertragen musste. Denn das Vorzimmer ist die erste Anlaufstelle für diejenigen, die sich denken: "Da gehe ich erst mal zum Bürgermeister." Sie alle stehen zunächst bei Stahl im Vorzimmer. Und tragen manchmal sogleich ihre Anschuldigungen und Schimpftiraden vor - auf den Bürgermeister, die Verwaltung, die Stadt.
"Es ist über die Jahre schlimmer geworden. Früher hatten die Leute noch etwas mehr Hemmungen", meint Stahl. Einer der Extremfälle habe sogar ihren Schreibtisch umgeworfen. Das Schimpfen und die Kritik empfand sie oft als ungerecht, da die Leute die Zusammenhänge einfach nicht wüssten.
Dennoch lässt Stahl sich die positiven Erinnerungen an ihre Zeit im Rathaus davon nicht trüben. Sie denkt an die Zusammenarbeit mit den Kollegen und die abwechslungsvolle Aufgabe. Zur Terminverwaltung, dem Sichten des Posteingangs, der Planung der Sporthallenbelegung kamen oft unerwartete Herausforderungen dazu. "Der Tag ist häufig anders verlaufen als ich mir das früh gedacht habe", sagt Stahl.
Ihr beruflicher Werdegang führte zunächst in eine ganz andere Richtung als in die Verwaltung: Stahl ist gelernte Apotheken-Helferin. Die Falken-Apotheke war ihr Lehrbetrieb. Ihre Mutter hatte sie aus dem Gymnasium ab- und dort zur Ausbildung angemeldet. Stahl wechselte nach einiger Zeit aber zur damaligen Standortverwaltung. Dort war sie von 1972 bis 1977. Dann folgten eine Mutterschaftspause und der Wiedereinstieg.
"Ich war Springer und habe Verschiedenes gemacht", sagt Stahl. So arbeitete sie z.B. im Vorzimmer und in der Kfz-Einteilung. Sie sieht dieses abwechslungsreiche Tätigkeitsfeld im Rückblick als gute Vorbereitung für ihre Aufgabe im Rathaus.
Dort fing sie 1994 im Vorzimmer des Stadtbaumeisters an, nachdem sich die angestrebte Ganztagsstelle bei der Standortverwaltung infolge einer Truppenumstrukturierung zerschlagen hatte. Im Jahr 1997 holte Bürgermeister Arnold Zeller sie dann ins Vorzimmer. Stahl betont: "Ich hatte mich auf die frei gewordene Stelle gar nicht beworben." Sie sei ausgeguckt worden.
Für drei Bürgermeister hat Stahl das Vorzimmer organisiert: für Arnold Zeller, Ernst Stross und jetzt zuletzt Armin Warmuth. Zur Amtszeit von Zeller habe es noch nicht diese Flut an Mails gegeben. Das habe erst unter Stross angefangen. Für Bürgermeister Warmuth gehört es heute dagegen einfach dazu, dass er auch das Geschehen im Internet und den sozialen Medien verfolgt. So ist es auch für Stahl zur Selbstverständlichkeit geworden die Berichterstattung auf den Online-Portalen der lokalen Presse regelmäßig zu sichten. So kann der Bürgermeister notfalls noch kurzfristig reagieren.
"Angelika Stahl ist eine Institution im Rathaus und in der gesamten Stadt Hammelburg. Sie hat Arnold Zeller, Ernst Stross und mir im Vorzimmer wertvolle Dienste geleistet und stets ,den Rücken freigehalten‘. Immer war sie bemüht den Bürgermeistern auch die nötigen Freiräume zu schaffen und manche Dinge auch schon ,auf dem kleinen Dienstweg‘ zu regeln", sagt Warmuth über Stahl.


Loyal und hilfsbereit

Als sehr verantwortungsbewusst, loyal, flexibel, hilfsbereit, aber auch durchsetzungsstark beschreibt er sie. "Sie war für viele Bürgerinnen und Bürger die erste Ansprechpartnerin. Bei der Bevölkerung wie auch bei den Kollegen war sie sehr beliebt. Sie hat auch immer das Gespür für die besondere Situation." Stahl war für den Bürgermeister gerade zu Beginn seiner Amtszeit eine wichtige Hilfe. So gibt Warmuth unumwunden zu: "Mir persönlich hat sie aufgrund ihrer großen Erfahrung und ihres enormen Wissens den Start in das Amt des Bürgermeisters sehr erleichtert."


Ende August ist Schluss

Nun sind für Stahl die letzten Tage im Vorzimmer angebrochen. Ende August ist für sie Schluss. Die 65-Jährige denkt darüber nach, sich in ihrem Ruhestand ehrenamtlich zu engagieren. Auch habe sie mit ihrem Partner einen kleinen Garten gepachtet.
Nachfolgerin im Vorzimmer wird Heike Gnerlich, die zuletzt bei der Stadt Bad Kissingen beschäftigt war. Gnerlich arbeitet sich bereits seit einigen Wochen im Rathaus ein.