Seit 2009 werben Bad Kissingen und der südwestliche Teil des Landkreises Bad Kissingen mit dem Slogan "Frankens Saalestück". Projekte wie die Vinothek im Alten Rathaus von Bad Kissingen, Hinweisschilder an der A 7, Wein-Genuss- und Burgen-Radweg wurden organisiert, obwohl es sich nur um einen losen Verbund als "touristische Arbeitsgemeinschaft" handelt. "Das war bisher alles eine halbseidene Geschichte, wir brauchen eine Rechtsform", begründet Geerd Müller, weshalb er sich seit Jahren für die Gründung eines Zweckverbands einsetzt. Dem haben mittlerweile auch alle Mitgliedskommunen und der Landkreis zugestimmt. "Der Zweckverband soll zum Jahresanfang 2022 seine Arbeit aufnehmen", sagt Müller.

"Bisher haben sich halt die Bürgermeister getroffen und mir gesagt, was ich machen soll", berichtet Müller. 2009 sei Frankens Saalestück als Projekt der "Bayerischen Rhön GmbH" entstanden, also der Tourismusgesellschaft für den bayerischen Teil des Biosphärenreservats Rhön. Nach der Gründung der länderübergreifenden "Rhön GmbH" im Jahr 2016 blieb Geerd Müller beim Landkreis Bad Kissingen beschäftigt und wurde für die Betreuung von Frankens Saalestück abgestellt. Er wolle auch beim Landkreis bleiben, betont der 63-Jährige. Im neuen Zweckverband solle aber eine zusätzliche Vollzeit-Stelle geschaffen werden. Deshalb müsse der Etat von 100 000 auf rund 165 000 Euro erhöht werden. Die Diskussion darüber laufe bereits seit dem Jahr 2019. Nach der Kommunalwahl 2020 seien die neuen Bürgermeister und Ratsgremien erneut beteiligt worden. Corona habe den Prozess zusätzlich verzögert. Ein Knackpunkt sei die Verteilung der Kosten gewesen. "Ausgangspunkt war 2010 ja die Wein-Vermarktung", erinnert sich Müller. Mittlerweile gebe es aber viele weitere gemeinsame Themen wie den Burgen-Radweg, andere kulinarische Angebote, die Brenner in Wartmannsroth und das Bootswandern auf der Saale. Zudem verweist Müller auf strukturelle Veränderungen wie die Schließung des Gasthauses Wolz in Euerdorf oder neue Premium-Wanderwege in Oberthulba und Wartmannsroth. Auf Wunsch der Kommunen flossen neben der touristischen Bedeutung die Einwohnerzahlen mit in den Verteilungsschlüssel ein. Herausgekommen ist am Ende, dass die Anteile von Euerdorf, Ramsthal und Elfershausen verringert und die aller anderen erhöht wurden. Vor allem Bad Kissingen und Oberthulba zahlen jeweils deutlich mehr (Beträge siehe Info-Kasten).

"Der Kostenschlüssel soll 2025 überprüft werden", sagte der Wartmannsrother Bürgermeister Florian Atzmüller (CSU) in der Beratung seines Gemeinderates. Grundsätzlich verteidigte er aber die Steigerung von 9100 auf 11 900 Euro für Wartmannsroth: "Ich sehe für uns einen entsprechenden Mehrwert." In der Gemeinde sei aktuell Verwaltungsleiter Daniel Görke für den Tourismus zuständig, vertrete die Kommune etwa bei den "Genussorten Bayern". Solche Arbeiten will Atzmüller in Zukunft an Frankens Saalestück abgeben. "Der Urlaub in Deutschland ist durch Corona gepusht worden", sieht Atzmüller Potenzial. Der Gemeinderat stimmte dem Zweckverband deshalb auch einstimmig zu.

Bindeglied zu anderen Gesellschaften

Der Hammelburger Bürgermeister Armin Warmuth (CSU) verwies im Stadtrat darauf, dass Frankens Saalestück nicht einmal ein eigenes Konto habe: "Das Konto wird momentan noch über den Landkreis Bad Kissingen geführt", sagte der aktuelle Sprecher der Arbeitsgemeinschaft. Warmuth sieht Frankens Saalestück als Bindeglied unter anderem zur Staatsbad GmbH und zur Rhön GmbH. Und: "Was wir dort machen, kommt nicht nur Gästen, sondern auch der heimischen Bevölkerung zu gute." Warmuth berichtete, dass aktuell eine therapeutische E-Bike-Strecke zwischen Bad Kissingen und Hammelburg gemeinsam mit Reha-Kliniken geplant werde. Auch der Stadtrat stimmte der Satzung und dem Kostenschlüssel zu. Die Satzung sieht eine offene Wahl des Verbandsvorsitzenden vor, bislang stand der Hammelburger Bürgermeister automatisch an der Spitze der touristischen Arbeitsgemeinschaft.

Besonders freut Geerd Müller, dass die Stadt Bad Kissingen weiter mit im Boot ist. Der größte Teil des Bad Kissinger Tourismus-Etats fließe natürlich in die Staatsbad GmbH. "Wir wollen zeigen, dass es in Bad Kissingen zwar schön ist, aber drumherum eben auch", erachtet Müller Frankens Saalestück als wichtige Ergänzung zur Ausrichtung auf Kur und Reha. Müller freut sich zudem, dass sich die Kommunen auf einen Kostenschlüssel und die Schaffung einer zusätzlichen Vollzeitstelle geeinigt haben. Nächstes konkretes Projekt des Verbundes sei die offizielle Eröffnung des längst beschilderten Wein-Genussweges von Bad Kissingen nach Gemünden am 12. Oktober. Die Homepage www.frankens-saalestueck.de wurde vor kurzem überarbeitet und durch zahlreiche Videos ergänzt.

Mitglieder Dem Zweckverband Frankens Saalestück sollen neben dem Landkreis Bad Kissingen zehn Kommunen angehören: die neun Gemeinden der kommunalen Allianz Fränkisches Saaletal und Bad Kissingen. Sie entsenden insgesamt 35 Verbandsräte in die Verbandsversammlung: Kreis und Stadt Bad Kissingen jeweils sechs, Stadt Hammelburg fünf, Elfershausen und Ramsthal drei sowie Aura, Euerdorf, Fuchsstadt, Wartmannsroth, Oberthulba und Sulzthal jeweils zwei.

Budget Bisher beträgt das Marketingbudget von Frankens Saalestück 100 000 Euro. Die Stelle von Geerd Müller finanziert der Landkreis. In Zukunft soll eine eigene Stelle beim Zweckverband geschaffen werden, deshalb soll das Budget auf 165 000 Euro erhöht werden. Die Kosten werden auf Grundlage der touristischen Bedeutung und der Einwohnerzahlen aufgeteilt. Nach aktueller Planung zahlen die Stadt Bad Kissingen rund 35 700 Euro, die Stadt Hammelburg 31 900 Euro, Elfershausen 15 800 Euro, Ramsthal 15 200 Euro, Oberthulba 13 600 Euro, Wartmannsroth 11 800 Euro, Euerdorf 11 600 Euro. Fuchsstadt 11 000 Euro sowie Aura und Sulzthal jeweils rund 9200 Euro.rr

Dazu ein Kommentar von Redakteur Ralf Ruppert:

Der Begriff "Frankens Saalestück" ist ein typisches Bespiel, wie Wort-Neuschöpfungen die Gemüter spalten. Ehrlich gesagt, bin ich ganz am Anfang auch über den Begriff Saalestück gestolpert, mittlerweile finde ich ihn aber nahezu genial. Das Wortspiel mit Sahnestück passt einfach: das Beste vom Besten, die Kirsche auf der Torte, die Rosine im Kuchen, die schönste Perle in der Kette, das Filetstück vom Bio-Weiderind, die Spätauslese der Premium-Weinlage...

Sie merken: Ich komme schnell ins Schwärmen, wenn ich an das fränkische Saaletal denke. Wir leben hier in einem Teil Frankens, in dem zu Recht viele Menschen Urlaub machen. Das Saaletal muss sich gegenüber der von der Unesco als Biosphärenreservat geadelten Rhön keineswegs verstecken. Selbst die Welterbe-Stadt Bad Kissingen zieht einen großen Teil ihres Reizes aus der Lage an der Saale, auch wenn diese für den Bau des Kurgartens extra verlegt wurde. Der Fluss und sein Tal bilden die Hauptachse vom Kaskadental über Rosen- und Kurgarten bis zum wunderschönen Luitpoldpark und dem Golfplatz.

Umso wichtiger ist es, dass sich die touristischen Destinationen entlang der Saale endlich eine rechtssichere Arbeitsgrundlage geben: Kaum zu glauben, dass große Projekte wie die Bad Kissinger Vinothek bislang über ein Konto beim Landkreis finanziert wurden, in das zehn Kommunen Jahr für Jahr häppchenweise freiwillig einzahlten und sich mühsam ein Guthaben zusammensparten.

Eine Befürchtung gibt es trotzdem: Wo bisher zehn Bürgermeister schnell und pragmatisch entschieden haben, kommt nun eine 35-köpfige Verbandsversammlung ins Spiel. Hoffentlich werden dort touristische Themen nicht zerredet. Denn wenn Corona eines gezeigt hat, dann das: Auch beim Tourismus sind schnelle Entscheidungen wichtig.