Der Neubau des Feuerwehrgerätehauses Obereschenbach stand auf der Tagesordnung der jüngsten Stadtratssitzung. Die Stadt ist selbst Bauherrin, die Pläne sind längst fertig, eigentlich hätte es schnell gehen können. Nach kurzer Beratung wurde der Bauantrag allerdings eine Sitzung weitergeschoben. "Ich möchte die Nachbarn noch mit ins Boot holen", kündigte der Ortsbeauftragte Thomas Reuter (Bürgerliste) Gespräche an. Am 25. Oktober soll dann beschlossen werden, welche Variante die Stadt beim Landratsamt Bad Kissingen einreicht.

Bereits im April 2020 hatte die Stadt den Auftrag für drei neue Feuerwehrgerätehäuser vergeben: In Gauaschach, Obererthal und Obereschenbach sahen die Stadträte den größten Handlungsbedarf, alle drei Wehren hoffen auf neue Fahrzeuge, aber die bisherigen Gerätehäuser sind allesamt zu klein geworden. Insgesamt rund 3,5 Millionen Euro sind für die drei Gebäude im Haushalt eingeplant. "Obererthal ist genehmigt", berichtete Stadtbaumeister Detlef Mohr in der Sitzung auf Nachfrage. In Gauaschach würden derzeit noch Verhandlungen mit der Verkehrsbehörde laufen, Mohr ist jedoch optimistisch, dass auch für den südlichsten Stadtteil bald eine Baugenehmigung kommt.

In Obererthal und Gauaschach baut die Stadt jeweils an den Ortsrand, in Obereschenbach dagegen soll die Feuerwehr mitten im Ort, in der Raiffeisengasse, bleiben: Gegenüber dem aktuellen Gerätehaus hat die Wehr bereits einen Schulungsraum an die ehemalige Raiffeisenhalle angebaut. Mittlerweile hat die Stadt das gesamte Areal gekauft. "Wir dachten alle, dass da locker ein Feuerwehrauto reingeht, die ganzen Vorgaben haben uns selbst überrascht", fasst der Obereschenbacher Ortsbeauftragte Thomas Reuter die Planungen zusammen.

Um genügend Platz für Feuerwehrauto, Umkleiden und Technik zu haben, braucht Architekt Thomas Ruser etwas mehr als die bisherige Grundfläche. Deshalb gibt es zwei Varianten: Entweder nach unten oder nach oben einige Meter größer bauen.

Das Problem: Gegen beide Varianten gibt es Widerstände. Der untere Nachbar möchte nicht, dass die Halle näher an sein Wohnhaus heran rückt, oben sprechen laut Stadtverwaltung Abstandsflächen und eine Grunddienstbarkeit gegen eine Vergrößerung. Architekt Ruser betonte in der Sitzung, dass laut Landratsamt vermutlich beide Varianten rechtlich möglich wären, auch die notwendigen Freifläche für Übungen seien in beiden Fällen vorhanden.

"Wir sind bemüht, den Dorffrieden zu wahren", sagte Bürgermeister Armin Warmuth. Gleichzeitig stellte er klar, dass die Zeit dränge: "Wir können das nicht auf die lange Bank schieben", verwies er darauf, dass es für das aktuelle Fahrzeug der Obereschenbacher Wehr nicht einmal mehr Ersatzteile gebe. Ein neues Gerätehaus sei allerdings die Voraussetzung dafür, dass die Stadt Zuschüsse zur Anschaffung eines neuen Fahrzeugs bekommt.

Schulungsraum noch nicht genehmigt

Dominik Sitter, CBB-Stadtrat aus Obereschenbach, sah bei der oberen Variante keinerlei Verschlechterungen für den Nachbarn. Er plädierte dafür, dass die Stadt zur Not auch gegen den Willen von Anliegern entscheide. "Es geht schließlich um keinen Luxusbau, sondern ein Gebäude der öffentlichen Sicherheit und Ordnung", betonte Sitter. Dafür nehme er als Stadtrat auch in Kauf, von einzelnen Anwohnern angefeindet zu werden.

Zur Überraschung des Stadtrates wies das Landratsamt in einer Stellungnahme darauf hin, dass der bestehende Schulungsraum der Feuerwehr bislang nicht genehmigt sei. Weil es im Umfeld keine einheitliche Bebauung gebe, sieht das Landratsamt keine größeren Einschränkungen. "Der Plan würde auch ohne die Nachbar-Unterschriften genehmigt", ist sich Architekt Ruser sicher. Zudem hätten er und sein Team auch alle bestehenden Traufhöhen eingehalten, auch deshalb sah er keine gravierenden Verschlechterungen für die Nachbarn.

Auf Nachfrage bestätigte Stadtbaumeister Mohr, dass im Umfeld des neuen Gerätehauses zwölf Stellplätze geschaffen werden. Im Gerätehaus selbst gebe es zwar nur Platz für ein Fahrzeug, allerdings könne für einen zusätzlichen Mannschaftstransporter das bestehende Gerätehaus auf der gegenüberliegenden Seite der Raiffeisengasse weiter genutzt werden. Christian Reuter vom Vorstand der Obereschenbacher Wehr ist wichtig, dass es eine einvernehmliche Lösung gibt. Er stimmte einer Verschiebung des Beschlusses zu, wenn dadurch ein womöglich langer Rechtsstreit verhindert werde.Veranschlagt ist der Neubau laut Architekt mit rund 1,1 Millionen Euro.