Das ist nicht alltäglich: Nur alle zwei Jahre vergibt die Regierung von Unterfranken das Steckkreuz für besondere Verdienste im Feuerwehrwesen. Gerade einmal zwei Männer haben heuer diese höchstmögliche Auszeichnung für ehrenamtliche Feuerwehrler erhalten: der Bad Neustädter Kreisbrandrat Stefan Schmöger und der Hammelburger Brandmeister und stellvertretende Kommandant, Walter Emmert. "Das ist eine große Anerkennung für mich", freut sich Emmert. Mehr als tausend Einsätze hat der 59-Jährige bereits hinter sich, trotzdem denkt er nicht ans Aufhören: "Solange es die Gesundheit zulässt, bin ich da, wenn der Piepser geht."

Aus der Backstube zum Einsatz

Walter Emmert ist Bäckermeister, vor wenigen Monaten gab er seine Traditionsbäckerei in der Hammelburger Altstadt allerdings auf. "Ich habe oft alles stehen und liegen gelassen", erzählt er von Einsätzen. Seine Frau oder die Mitarbeiter mussten dann Brote und Brötchen aus dem Ofen holen. Auch in der Freizeit gehe der Einsatz immer vor, selbst an Sonn- und Feiertagen oder bei Familien-Ausflügen. Sein bisher größter Einsatz sei der Brand des Sägewerks in Untererthal im Jahr 2015 gewesen. Samstagnachmittag wurden die Feuerwehren in der Region alarmiert, der Brand war bereits vom Hammelburger Feuerwehrhaus aus zu sehen. Die ganze Nacht durch sei er im Einsatz gewesen, am Sonntagmorgen musste er wegen eines Auftrags kurz in die Backstube, danach zog er bis zum Nachmittag erneut die Feuerwehr-Schutzkleidung an.

Erinnerungen an vielen Stellen

Rund 130 Einsätze habe die Hammelburger Feuerwehr im Schnitt pro Jahr. Mitgezählt habe er nicht, aber in seinen 41 Jahren als aktiver Feuerwehrmann sei die offiziell nach Würzburg gemeldete Zahl von tausend Einsätzen vermutlich noch viel zu niedrig. "Was bei Einsätzen an die Nieren geht, ist, wenn Personen betroffen sind, die man persönlich kennt", sagt Emmert zur psychischen Belastung als aktiver Feuerwehrler. Unter anderem sei er vor Jahren zu einem Unfall gefahren, bei dem ein Feuerwehrkamerad ums Leben kam. Bei Fahrten durch die Umgebung komme er oft an Stellen vorbei, die Erinnerungen an schwere Unfälle aufkommen lassen.

Stellvertretender Kommandant seit 1986

Im Jahr 1976 trat Walter Emmert in die Hammelburger Feuerwehr ein. 1980 wechselte er von der Jugendgruppe zu den Aktiven und absolvierte die Ausbildung zum Atemschutzträger. Bis vor sechs Jahren habe er selbst noch mit Atemschutz bei Einsätzen gearbeitet. 1985 folgte die Ausbildung zum Gruppenführer, 1986 zum Zugführer. Ebenfalls 1986 wurde Walter Emmert zum stellvertretenden Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Hammelburg gewählt. "Ich bin vermutlich der dienstälteste Kommandant im Landkreis", vermutet Emmert.

Zwölf Jahre als Stadtrat aktiv

"Er ist schon länger stellvertretender Kommandant als ich überhaupt bei der Feuerwehr bin", sagt der aktuelle Hammelburger Kommandant Michael Ohmert, der die Auszeichnung seines Stellvertreters als "absolut verdient" bezeichnet. Walter Emmert stehe für Kontinuität und einen riesigen Erfahrungsschatz, sowohl in der Führung der Wehr als auch bei Einsätzen. Seine Vernetzung als langjähriger Stadtrat habe Emmert unter anderem beim Kauf der ersten Drehleiter der Hammelburger Wehr eingebracht. Aktuell arbeite er an einem Konzept für die geplanten Wechsellader mit.

Auf Vorschlag des Kreisbrandrates

1989 machte er die Ausbildung zum Leiter einer Feuerwehr, zahlreiche weitere Lehrgänge, Seminare, Standortausbildungen und Weiterbildungen folgten. In den 1990er Jahren war er Jugendwart der Hammelburger Wehr. 2010 wurde Walter Emmert zum Brandmeister ernannt. "In zahlreichen Brandbekämpfungs- und sonstigen Hilfeleistungseinsätzen zeichnete er sich als Feuerwehreinsatzleiter aus", würdigte Regierungspräsident Dr. Eugen Ehmann Emmerts Verdienste. Vorgeschlagen für die Ehrung hatte den Hammelburger stellvertretenden Kommandanten Kreisbrandrat Benno Metz. Er freut sich, dass Emmert in diesem Jahr als einer von nur zwei Feuerwehrleuten in ganz Unterfranken die höchste Auszeichnung im Feuerwehrwesen erhalten hat.

Unfall mit Hubschrauber-Einsatz geleitet

Zu den vielen Einsätzen, die Emmert vor Ort leitete, gehört ein Unfall am 21. Oktober 2014 im Schotterwerk bei Langendorf mit einer eingeklemmten Person: Ein Muldenkipper war am Hang einer Schotterhalde ins Rutschen geraten und rund 60 Meter in die Tiefe gestürzt, erinnert sich Emmert. Das Fahrzeug hatte sich mehrfach überschlagen, das Führerhaus war vollständig eingedrückt. Emmert ließ als Einsatzleiter zwei gesicherte Trupps mit Sanitätsausbildung auf der Gesteinshalde zum 60 Meter tiefer liegenden Muldenkipper ab. Mit Hilfe der Bergwacht und einem nachalarmierten Hubschrauber wurde der Fahrer geborgen.

Ganz unterschiedliche Situationen musste Emmert bei Verkehrsunfällen bewältigen: Am 7. Dezember 2007 leitete Emmert zum Beispiel den Einsatz der Feuerwehr Hammelburg bei einem Unfall auf der Umgehungsstraße. Nach dem Frontalzusammenstoß zweier Pkw war ein Fahrer eingeklemmt und musste mittels Schere und Spreizer befreit werden. Bei einem Unfall am 27. April 2016 an der Lagerkreuzung kam ein Pkw von der Fahrbahn ab und verkeilte sich auf der Seite liegend zwischen zwei Bäumen.

Lob für gute Kameradschaft in der Wehr

Am 19. Mai 2017 kollidierten zwei Fahrzeuge auf der A 7. Ein Fahrzeug überschlug sich mehrmals und drohte wegen der Geländeneigung weiter zu rollen. "Sie veranlassten eine Sicherung des Transporters mittels Rettungsstützen, so dass der Fahrer von der Feuerwehr befreit werden konnte", fasste der Regierungspräsident in seiner Laudatio Emmerts Vorgehen zusammen. Ebenso umsichtig habe er seine Kameraden nach dem Frontalzusammenstoß zweier Lkw im April 2019 zwischen Fuchsstadt und Lager Hammelburg angeleitet.

Erneute Kandidatur geplant

"Als stellvertretender Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr haben Sie sich um das Feuerwehrwesen in der Stadt Hammelburg und darüber hinaus verdient gemacht", würdigte der Regierungspräsident Walter Emmert. Auch 2. Bürgermeisterin Elisabeth Assmann würdigte in Würzburg Emmerts Verdienste: "Ich danke ihm persönlich und im Namen der Stadt Hammelburg für sein Engagement, das auch viele schwierige, nicht einfach zu ertragenden Situationen beinhaltet hat und schnelle Entscheidungen erforderte."

Und wie geht es weiter? "Ich lebe die Feuerwehr", betont Emmert. Auch wenn er einer der ältesten der rund 70 aktiven Hammelburger Feuerwehrleute sei, möchte er noch weitermachen. Ein großer Antrieb sei die gute Kameradschaft. "Die Jüngeren respektieren auch die Erfahrung der Älteren", sagt Emmert. Zudem würde er auch noch ein weiteres Mal als stellvertretender Kommandant antreten. Wenn er wiedergewählt wird, könnte er also die 40 Dienstjahre in diesem Amt voll machen.