Als "Neue Straße" bezeichnen die Sulzthaler bis heute die Staatsstraße 2290 oberhalb des Ortes, obwohl sie bereits vor mehr als 100 Jahren als Alternative zur steilen "Alten Straße" angelegt wurde. Damals trugen Arbeiter per Hand jede Menge Fels für die Serpentinenstrecke ab, davon zeugen mehrere Felswände. "Der Hang bedurfte schon immer einer besonderen Beobachtung", berichtet Matthias Wacker vom Staatlichen Bauamt. Weil immer wieder kleinere Steine abbröckelten, entschied sich die Behörde nun zu einer Felssicherung.

"Das Problem ist, dass lockere und feste Schichten gemischt sind", berichtet Wacker. Zunächst sei geplant gewesen, 500 Kubikmeter abzugraben. Aber: "Wir haben aufgemacht und gesehen, dass immer im Abstand von einem Meter Linsen mit Lehm vorhanden sind." Also wurde immer weiter gefräst und der Hang stufenweise abgetragen. Ergebnis: Die Bagger haben mittlerweile 3500 Kubikmeter entfernt. Was die Maßnahme koste, sei noch offen, gestartet sei man mit 50 000 Euro, mittlerweile sei es sicher sechsstellig. Finanziert wird die Felssicherung über ein Sonderprogramm Wacker: "Die Verkehrssicherheit ist uns sehr viel wert."

"Das ist die typische Ausbildung des unteren Muschelkalk", sagt Geologe Dr. Klaus Reder über den Hang. Das Gestein sei gut 200 Millionen Jahre alt, verschieden harte Bänke, also Steinschichten, und große Klüfte, also senkrechte Spalten, seien ganz typisch. Der Fels sei zwar intakt gewesen, aber an den Rändern habe es immer wieder Abbrüche gegeben. Deshalb seien jetzt Stufen herausmodelliert worden. "Das schaut gut aus", ist der Geologe zufrieden.

Überrascht von der Dimension der Felssicherung war auch Peter Piel von der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes. "Aber jetzt ist ja sogar ein neuer Lebensraum entstanden", ist auch er zufrieden. Bei einem Ortstermin wurde sogar festgelegt, dass nicht - wie ursprünglich geplant - eine so genannte Spritz-Begrünung mit Baum-Samen aufgebracht wird, sondern der Hang genau so bleibt. "Es soll der natürlichen Sukzession überlassen werden", umschreibt Wacker vom Bauamt die Strategie, einfach nichts zu machen. Piel geht davon aus, dass am Hang Sonnenplätze für Reptilien entstehen und sich die Natur den Fels nach und nach zurück erobert.

Auf Fels-Untergrund spezialisiert
"Das ist meine erste Felssicherung in dieser Größenordnung", berichtet Brigitte Settele, die beim Staatlichen Bauamt für den Naturschutz zuständig ist. Für Junior-Chef Ralf Riedlmeier von der Firma "Newo Bau" aus Theres dagegen ist es Alltagsgeschäft: "Wir haben drei Felsfräsen im Einsatz, weil wir auch oft in der Fränkischen Schweiz oder im Spezial-Tiefbau arbeiten." Um in zwei Wochen statt 500 nun 3500 Kubikmeter abtragen zu können, seien seine Leute täglich von 6 bis 19 Uhr und sogar am Samstag mit zwei Baggern im Einsatz gewesen. Nicht nur weil die Straße schnell wieder befahrbar sei soll: "Die Bagger werden auch woanders gebraucht", sagt Riedlmeier.

Die Haupt-Baustelle an der so genannten Kurzen Krümm ist abgeschlossen. In den letzten Tagen wurden noch einige Bäume gefällt. Laut Bürgermeister August Weingart sollen weiter oben rund um die Lourdeskapelle auf dem Trieberg jedoch keine Bäume mehr weichen.

Keine Arbeiten an der Straße
Aktuell läuft noch eine kleinere Maßnahme in Höhe der ehemaligen Erdaushub-Deponie, dort klafft ein großer Spalt im Felsen. Voraussichtlich Ende kommender Woche soll die Staatsstraße wieder befahrbar sein. An der Fahrbahn selbst wurde jedoch nichts gemacht: "Die Straße ist im Ausbauplan, aber jetzt machen wir erst einmal den Abschnitt in Richtung Euerdorf", berichtet Wacker. Danach sei die Strecke nach Aura an der Reihe und erst dann die Serpentine oberhalb von Sulzthal.