Mit einer gelungenen Vernissage begann das Projekt "Kunst geht fremd ... und ist verspielt" im Museum "Terra Triassica". Vom Deutschen Fastnachtmuseum Kitzingen erhielt das Museum der Marktgemeinde zwei sogenannte "Molliköpfe" als Leihgabe. Bis zum 7. November sind diese zu begutachten.

Museumsleiterin Martina Wilm-Kiesel begrüßte die zahlreichen Gäste, die in den Museumsgarten gekommen waren. Sie bedankte sich bei allen, die diese Ausstellung möglich gemacht hatten. Dr. Dr. Katrin Hesse, Leiterin des Deutschen Fastnachtmuseum in Kitzingen, freute sich, dass sich das Euerdorfer Museum für die Molliköpfe entschieden hatte und wusste Interessantes dazu zu berichten. Doch zunächst schaffte sie es augenzwinkernd, die Brücke zum Thema des Projektes zu schaffen: "Fastnacht ist in hohem Maße das Ausleben eines Spieltriebes, wenn man die Bräuche dazu betrachtet. Dazu passen auch Gejohle, ein hoher Lärmpegel oder ungesundes Essen - fast so als wäre es ein Kindergeburtstag für Erwachsene." Dazu dienten auch die Masken, die man sich überstülpen konnte.

Der Begriff "Mollikopf" stammt aus dem Alemannischen und bedeutet eigentlich Dickkopf. Im Museum Terra Triassica sind ein "Tiroler" und ein "Schutzmann" zu bewundern. Der "Tiroler" stammt aus Manebach in Thüringen und wurde etwa 1950 hergestellt. Der "Schutzmann" wurde ungefähr 1954 in Hünfeld / Hessen gefertigt.

Die Kitzinger Museumsleiterin gewährte den Gästen einen Einblick in die Geschichte und Herstellungsverfahren der Molliköpfe. So wurden diese seit dem 19. Jahrhundert in Thüringen gefertigt, wo ganze Familien in Heimarbeit die begehrten Masken für die großen Fabriken in Manebach und Sonneberg herstellten. Um 1900 erlebte die Produktion einen regelrechten Boom. Es gab eine große Bandbreite an Typen, vom Landstreicher bis zum saturierten Wohlstandsbürger wurde niemand verschont, aber auch Tiermasken gehörten zum Repertoire. Unterbrochen wurde die Tradition erst durch den Zweiten Weltkrieg. Nach der Teilung Deutschlands übernahm Walter Preussler in Hünfeld / Hessen die Produktion, der 1991 Konkurs anmelden musste.

"Die fragilen Masken gelten als besondere Raritäten. Die Abnutzungsspuren sind, besonders am Tiroler, nicht zu übersehen, wo ein Träger offenbar die Augenlöcher vergrößert hat, um besser sehen zu können. Auch ein Halstuch fehlt, das den unteren Abschluss gebildet hat. Diese Fehler stören zwar den Blick, sind aber Zeugen der Zeit." Auch für das Museum seien die Ausstellungsstücke ein Gewinn: "Als Fremdkörper weiten sie den Blick und setzen neue Akzente."

Farbenfrohe Akzente setzten die jüngsten Nachwuchskünstler aus dem "Haus für Kinder" mit ihrer Parallelausstellung zu den Molliköpfen. "Wir haben uns gefreut, dass wir wieder mitmachen durften", erklärte Leiterin Renate Kröckel. Bilder der beiden Leihgaben dienten zur Inspiration der Kinder. "Diese wollten natürlich auch Köpfe modellieren", bemerkte die Leiterin. So wurde ein "Künstler-Atelier" eingerichtet und dieses mit verschiedenen Materialien ausgestattet. Die Köpfe wurden aus Ton gestaltet und nach dem Trocknen mit Acrylfarben bemalt. "Da hat jeder seinen eigenen Kopf gestaltet, die Werke sind sehr unterschiedlich", erzählte Renate Kröckel zu den ausgestellten Ergebnissen und auch, dass diese ebenfalls nur eine Leihgabe seien und unter keinen Umständen verkauft werden dürften. Darauf legten die Kinder Wert. Das Ergebnis ist wirklich sehenswert. Die Köpfe sind toll dekoriert - die gesamte Ausstellung ist fantastisch.

Hintergrund

"Kunst geht fremd" (Quelle: https://kunst-geht-fremd.de/):

Das museale Netzwerk begann 2011 mit vier beteiligten Museen.

In den folgenden Jahren wuchs das Projekt, so dass 2021 so viele Museen wie noch nie, nämlich 18 unterfränkische Häuser mit unterschiedlichen Konzepten und Schwerpunkten, zum elften Mal ihre Kunst fremd gehen lassen.