Einmal an der Grenze von Ramsthal entlang sind rund 20 Kilometer: Für den einen oder anderen dürfte der Grenzgang bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Denn einige wurden der Tradition entsprechend gestaucht.

Der Grenzgang der Gemeinde ist stets eine gute Gelegenheit, sich mit der näheren Heimat vertraut zu machen. Organisiert wird die Veranstaltung durch die Feldgeschworenen, auch Siebener genannt, die seit 1585 das älteste kommunale Ehrenamt in Franken ausüben. Zusammen mit den Ämtern für Vermessung und Digitalisierung wachen sie über die Grenzen der Gemeinden und Grundstücke. Sie setzen Grenzsteine und nennen ein Siebenergeheimnis ihr Eigen, welches sie feststellen lässt, wenn ein Grenzstein unberechtigt versetzt wurde.

Nach sieben Jahren war es in Ramsthal nun wieder soweit. Theo Sixt, früher selbst Feldgeschworener, war tagelang unterwegs, um die Grenzsteine zu den Nachbargemeinden vom Moos zu reinigen und mit Farbe zu markieren. Sein Sohn Bernhard Sixt begrüßte als Obmann der Ramsthaler Feldgeschworenen mit Bürgermeister Rainer Morper die fast 100 Teilnehmer am Ramsthaler Dorfplatz.

Mit dem Po voran

Der Weg der Gruppe führte dann durch die Weinberge zur ersten Gemeindegrenze zu Sulzthal. Ramsthal zugeordnete Weinberge gehören hier zur Nachbargemeinde. Nach wenigen hundert Metern gab es dann einen Grenzstein, an dem Sulzthal und Wirmsthal an Ramsthal stoßen. Dieser Punkt wurde dann genutzt um jemanden traditionell zu stauchen. Das bedeutet, mehrere kräftige Männer heben die betroffene Person mehrfach in die Höhe und lassen sie mit dem Po auf den Grenzstein herab.

An dieser Drei-Gemeinden-Grenze fiel die Wahl auf Melanie Unsleber, deren Mutter aus Sulzthal, der Vater aus Ramsthal und ihr Partner aus Wirmsthal kommen. Melanie ist bekannt als ehemalige Ramsthaler Weinprinzessin, Fränkische Weinkönigin und Deutsche Weinprinzessin. Ursprünglich werden neue Siebener gestaucht, damit sie den Grenzstein nicht vergessen.

An weiteren Grenzsteinen wurden dann neue Ramsthaler Gemeinderäte und Bürger gestaucht. Am Kissinger Weggewänd traf die Gruppe dann auf Feldgeschworene und Vertreter der Kommunen aus Arnshausen und Oerlenbach. Später kamen die Abordnungen aus Kützberg und Sulzthal hinzu.

Die Pächter der beiden Ramsthaler Jagdbögen Daniel Lohfink und Andreas Günder haben den Grenzgang ebenso unterstützt wie die Jagdgenossen. Getränke, eine Brotzeit und eine deftige Wildgulaschsuppe waren eine Stärkung für die Teilnehmenden. Bei der Mittagsrast im Altenreichtal stellte Erich Greubel als Vorsitzender der dortigen Waldkörperschaft den von ihm verantworteten Bereich und die Funktionsweise der Körperschaft vor. Er berichtete von dem Dorf Altenreichtal mit 13 Höfen welches aufgegeben wurde . Nachdem die weitere Route an die Kützberger und Sulzthaler Grenze führte, fand die Veranstaltung nach rund 20 Kilometern ihren gemütlichen Ausklang im Feuerwehrhaus.