Pikant, amüsant und mit einem schelmischen Augenzwinkern präsentierte die Theatergruppe der Disharmonie Schweinfurt Heinrich von Kleists "Der zerbrochene Krug". Das Schauspiel-Ensemble unter der Regie von Bernd Lemmerich, das mit dem Sommertheater einen festen Platz auf der Burgruine einnimmt, spielte sich schon lange in die Herzen des Publikums und wartet heuer mit fünf Darbietungen auf.

Kleists Werk ist eine Komödie mit zeitkritischem Kern. Im Romantik-Zeitalter uraufgeführt spielt das romantische Flair eher eine untergeordnete Rolle. Vielmehr geht es dem Verfasser um den Widerspruch zwischen Tradition und Aufgeklärtheit - zwei Weltansichten, die sich im 17. Jahrhundert in heftigen Kämpfen wanden.

Dorfrichter Adam (Günther Schäfer) feiert seinen 65. Geburtstag und sein 35. Arbeitsjubiläum. Für beides wurde er vom Publikum mit dem Kanon "Viel Glück und viel Segen..." bedacht. Er müsste eigentlich über sich selbst zu Gericht sitzen. Den zerbrochenen Krug, den Frau Marthe Rull (Irene Memmel), Adams Haushälterin, als "wertvoll und mit nackten Mädchenleibern verziert" definiert, ist perdü. Ein nächtlicher, ungebetener Besucher zerstörte ihn, als er in das Zimmer von Marthes Tochter Evchen (Angelique Erhard) eindrang. In seinem Vorhaben gestört, suchte der Hallodri das Weite durchs Fenster, fiel im Garten in einen Rosenstrauch und trug Verletzungen davon, die seltsamerweise auch Richter Adam aufwies.

Ein harmloser Fall?

Zum Dienstjubiläum taucht auch Gerichtsrat Walter (Nicolas Lommatzsch) aus Würzburg auf, der nicht nur gratulieren sondern die Rechtmäßigkeit auf dem Lande prüfen will. Da gibt es nichts Besonderes, wie die von Gerichtsschreiber Licht (Conrad Ahrendt) schnell herbeigeschafften, belanglosen Akten belegen. Auch der vorliegende Fall scheint harmlos. Geht es doch nur um einen Krug, den Marthe beklagt, ein Erbstück, das sie in jedem Falle bewahren wollte.

Die lebhafte und etwas exaltierte Dame hat auch einen Verdacht. Nachts um 11 Uhr hörte sie Männerstimmen in Evchens Zimmer, dessen Türe eingetreten war. Der Täter sprang aus dem Fenster. Die Mutter sah nur noch zwei Beine im Rosenbusch und sie ist sich sicher, dass es der junge Ruprecht (Felix Förster) war, der dies vehement abstreitet. Zwar war er im Garten, warf aber nur Steinchen an Evchens Fenster, um ihr "Gute Nacht" zu sagen.

Jetzt will der Dorfrichter eine Auszeit von der Sitzung nehmen und schlägt einen Vergleich vor, dem der Gerichtsrat zwar entgegen steht, der aber doch zustande kommt. Ein von der Heilpraktikerin und Dorftratsche (Teresa Wenzel) und der Bediensteten Lieschen (Viktoria Walter) reich gedeckter Tisch lässt den Verdacht zu, dass der Gerichtsrat wohlgestimmt und abgelenkt werden soll.

Doch dieser ist nicht auf den Kopf gefallen. Er macht dem Schreiber Licht Hoffnung auf den Richterstuhl, weil er bereits Verdacht geschöpft hat. Weiß er doch um Richter Adams Schwäche für den Wein und junge Mädchen. Da machen auf einmal auch die Kopfwunde Adams und seine zerkratzten Arme Sinn. Es hilft nicht, dass der Entlarvte Finten und Ausreden von einem Ausrutscher, dem Ofen-Aschenkasten und der biestigen Katze als Verursacher erzählt. Als dann noch seine Perücke in Marthes Garten gefunden wird, muss der Rechtssprecher sich schuldig bekennen. Das ficht das hübsche Evchen und den schneidigen Ruprecht nicht an. Sie gehen verliebt in eine neue Zeit.

Kleists Roman wurde zum echten "Chartburner" und auf fast allen Bühnen Europas gespielt. War es die Leichtigkeit einer Krimikomödie oder die Schadenfreude, die die Mengen begeisterte? Auf Lemmerichs Version geht man gerne ein, auch wenn sich nicht nur Alien-Fans fragen: Wie kommen Laptops in die Ära der Romantik? Aber vielleicht sind die neuzeitlichen Geräte das Antipod zur althergebrachten Tradition, wie sie die Dorftratsche in ihrer Zeugenaussage machte, dass - "heiliger-Gott-sei-bei-uns" - der Teufel selbst die Finger im Spiel hatte und mit Blitz und Donner aus Evchens Zimmer sprang, was keiner so recht glauben wollte.

Es gibt noch Karten

"Der zerbrochene Krug" ist noch einmal am Freitag, 15., Samstag 16. und Sonntag, 17. Juli im überdachten Echtersaal der Trimburg zu sehen. Einlass ist jeweils um 19.30 Uhr, das Stück beginnt um 20.30 Uhr. Und natürlich ist auch für das leibliche Wohl gesorgt.

Karten gibt es im Vorverkauf im Hotel Ullrich in Elfershausen, Tel.: (09704/ 913 00), im Bunten Buchladen in Hammelburg, Tel.: 09732/ 58 33) und in der Disharmonie Schweinfurt, Tel.: 09721/ 288 95 oder online unter www.disharmonie.de.