Nach jahrzehntelangem Warten soll es in Diebach endlich voran gehen: Im Herbst würden die ersten Pläne für den Ausbau der Ortsdurchfahrt vorgestellt, kündigte Bürgermeister Armin Warmuth (CSU) vor Ort an. Die Ortsdurchfahrt wurde im Rahmen der seit 2017 laufenden Dorferneuerung als wichtigstes Projekt bewertet. Gleich dahinter kommt die Gestaltung des Dorfplatzes auf der ehemaligen Schäferwiese. Während die Stadt die Ortsdurchfahrt plant und baut, liegt der Dorfplatz im Verantwortungsbereich der Teilnehmergemeinschaft. Die hat den Landschaftsarchitekten Valtin Dietz mit der Planung beauftragt.

"Es soll ein grüner Dorfplatz bleiben", beschreibt Dietz seinen Entwurf. Bei der Vorstellung ging er auch auf Rahmenbedingungen ein: An den Platz der ehemaligen Schäfereigenossenschaft grenzen unter anderem Baubude und Feuerwehrhaus an. Noch mit dem Staatlichen Bauamt und dem Landkreis geklärt werden müsse, wie in Zukunft die Straße "Zur Neumühle" in die Diebacher Straße einmündet. Aus beiden Behörden würden unterschiedliche Vorgaben kommen. Dietz hofft, dass durch eine Gestaltung entlang der Straße der Verkehr in Höhe des Dorfplatzes abgebremst wird.

Stadt kaufte Teilfläche wieder zurück

Im Laufe der Beratungen sei der beplante Bereich stetig gewachsen: Zum einen kaufte die Stadt einen vor Jahrzehnten verkauften, rund 600 Quadratmeter großen Bereich der Schäferwiese wieder zurück, zum anderen sollen sechs Stellplätze an der Straße neu angelegt werden, um das laut Dietz "vogelwilde Parken" dort zu ordnen. Mittlerweile umfasse die Planung eine Fläche von rund 3800 Quadratmetern. Die Kosten seien deshalb auf geschätzte 300 000 Euro gestiegen. An der Planung beteiligt sich das Amt für ländliche Entwicklung mit 63 Prozent. Vorsitzende Elisabeth Reußner stellte eine ähnliche Förderung für die Baumaßnahme in Aussicht. Die genaue Höhe richte sich aber nach der aktuellen Finanzkraft der Kommune.

Bestehen bleibt der Pavillon in der Platzmitte, drei Wege sollen den Platz in drei Bereiche teilen: An der Straße soll es eine "Ruhe- und Genießerzone" mit Sitzmöglichkeiten und einem Bouleplatz geben. Im Bereich des jetzigen Volleyballfeldes, das auch als Eislauffläche gedacht war, müsse der Untergrund ausgetauscht werden, dort soll aber wieder eine Sportfläche entstehen. In Richtung Baubude und Feuerwehrhaus entsteht eine erhöhte Fläche als Bühne, allerdings mit begrünter Böschung, auch der Platz für ein Zelt bleibe unversiegelt. Im Laufe der Planung seien auch die Wegeflächen immer weiter verkleinert worden.

"Der Dorfplatz soll kein zusätzlicher Festplatz werden", betonte Steffen Schärpf, örtlicher Beauftragter im Vorstand. Er gehe von wenigen kleineren Veranstaltungen wie Maibaumaufstellung oder Johannisfeuer aus, ansonsten solle es ein Platz für tägliche Begegnungen werden, deshalb sei unter anderem auch eine Schafkopf-Ecke geplant. Auch für einen weiteren Spielplatz sahen die Beteiligten keinen Bedarf, weil es in der Nähe bereits einen gebe. Lediglich ein Schaf aus Holz könne vielleicht an die Vergangenheit als Schäferei erinnern.

Forderung nach mehr Schallschutz

"Der Dorfplatz ist nicht das Schlechteste, was wir in Diebach haben", stellte Anwohner Martin Warmuth angesichts der hohen Kosten den Sinn der Neugestaltung in Frage. Zudem müsse verhindert werden, dass jeder Grüngut auf der Feuerstelle ablagere. Christian Schipper aus dem Vorstand der Dorferneuerung verteidigte die Auswahl: Bei Rundgängen seien mehr als 20 Projekte erfasst worden, der Dorfplatz sei der Mehrheit besonders wichtig gewesen.

Ein Bürger verwies darauf, dass die Anteilseigner bei der Auflösung der Schäfereigenossenschaft auf Auszahlungen verzichtet hätten, damit der Platz für die Allgemeinheit genutzt wird. Daniel Schaub (22) von der Baubude regte eine Schallschutzmauer zu den Nachbarn an, weil es ständig Probleme gebe. Planer Valtin Dietz hielt allerdings dagegen, dass der Schallschutz anders gewährleistet werden müsste: "Ich kann mir da keine Mauer vorstellen."

Trotz einiger kritischer Nachfragen begrüßten die meisten der rund 35 Bürger vor Ort die Planungen. "Die Dorferneuerung lebt von der Bürgerbeteiligung", rief Bürgermeister Warmuth zum Mitmachen auf. Allerdings sei auch Geduld gefragt: Dietz rechnet mit dem Baubeginn am Dorfplatz frühestens im Jahr 2023, die Stadtverwaltung geht bei der Ortsdurchfahrt sogar davon aus, dass es erst im Jahr 2024 los geht. Auch der Stadtrat hatte keine Einwände gegen den Entwurf der Teilnehmergemeinschaft.

Verfahren Die Dorferneuerung wurde 2017 als Verfahren nach dem Flurbereinigungsgesetz angeordnet. 2018 hat der Vorstand der "Teilnehmergemeinschaft Diebach 4" seine Arbeit aufgenommen. Das Verfahrens- und Fördergebiet erstreckt sich laut dem Amt für ländliche Entwicklung auf rund 28 Hektar südlich der Bahngleise. Bewilligt sind insgesamt Fördermittel von bis zu 1,5 Millionen Euro für öffentliche und private Maßnahmen.

Vorstand Dem Vorstand der Teilnehmergemeinschaft steht Elisabeth Reußner vom Amt für ländliche Entwicklung vor, als Stellvertreter fungiert Steffen Mehling. Örtlicher Beauftragter ist Steffen Schärpf (Vertreter Fritz Gensler), die Stadt vertreten Bürgermeister Armin Warmuth oder Peter Kreß von der Tiefbauverwaltung. Weitere Mitglieder sind Christian Schipper (Vertreter Marcel Müller), Brigitte Mathes (Peter Brell), Frank Gensler (Marco Gensler) und Elisabeth Assmann (Jürgen Vieres).

Beratung Neben öffentlichen Maßnahmen gibt es Beratungsangebote und Zuschüsse für private Bauvorhaben. Gefördert werden die dorfgerechte Erhaltung, Umnutzung und Gestaltung von Gebäuden, Abbruch samt Entsorgung und Entsiegelung sowie dorfgerechte Ersatzbauten bis zu 35 Prozent, höchstens jedoch 50 000 Euro je Gebäude (für energiesparende Maßnahmen bis zu 10 000 Euro zusätzlich). Für Vorbereiche und Höfe gibt es bis zu 30 Prozent (höchstens 15 000 Euro je Anwesen). Kleinstunternehmen der Grundversorgung werden mit bis zu 45 Prozent (höchstens 200 000 Euro) gefördert. Laut Reußner wurden bisher nur vier Förderanträge für Diebach genehmigt, bereits ausgezahlt wurden Zuschüsse für zwei Projekte in Höhe von zusammen rund 9130 Euro.rr