Die alte Dorfglocke am Feuerwehrhaus in Reith, die allerdings fast ausschließlich kirchlichen Zwecken dient, stand ebenso auf der Tagesordnung wie der Zuschussantrag des evangelisch-lutherischen Pfarramts Bad Kissingen für ihr "Haus der Kirche/Gemeinde".

Bei einer Gegenstimme sprach sich das Gremium dafür aus, sich mit einem einmaligen Zuschuss in Höhe von 11.500 Euro am Umbau des denkmalgeschützten Pfarrhauses zum "Haus der Kirche/Gemeinde" sowie Anbau eines Gemeindesaales in Bad Kissingen zu beteiligen. Oberthulba sei Grenzgemeinde zum Altlandkreis Hammelburg, erinnerte Kolb im Zuge der Gleichbehandlung an den Antrag der evangelischen Kirchengemeinde Hammelburg von 2017, dem man damals einstimmig entsprochen habe. Alexander Schlereth sah es nicht zuletzt aufgrund der Haushaltslage kritisch, derzeit Geld für diesen Zweck auszugeben. "Die Kirchen werden sich mehr und mehr zurückziehen und in Zukunft werden hier Kosten - auch für Immobilien - auf die Gemeinde zukommen", bekräftigte er seinen Standpunkt. Im Markt Oberthulba leben 322 evangelische Gemeindeglieder, dies entspricht 4,6 Prozent der Gesamtzahl. Die Kostenschätzung des Architekten beläuft sich auf rund zwei Millionen Euro, Baubeginn soll im kommenden Jahr sein, mit Fertigstellung wird in der zweiten Hälfte 2023 gerechnet.

Gussmaterial für die neue Glocke?

Der Kirchenpfleger von Thulba, Harald Kolb, informierte über Historie und gegenwärtige Nutzung der Reither Dorfglocke am Feuerwehrhaus. So läute sie derzeit drei Mal täglich zu den üblichen Gebetszeiten und bei besonderen Anlässen und sie diene als "Totenglöcklein". Jetzt sei die Glocke beschädigt, ein Stück sei abgebrochen und ein Riss ziehe sich über die ganze Länge. Außerdem werde die Läuteanlage nicht mehr gewartet. Die Erneuerung der Dorfglocke inklusive der Läuteanlage beläuft sich auf rund 8500 Euro. In den 1950er Jahren gab es in Reith eine Initiative zum Bau einer Kirche. Hierfür wurden damals Spenden gesammelt, zum Bau einer Kirche kam es jedoch nicht, so dass das gesammelte Geld heute noch auf einem Konto liegt. Nach Rücksprache mit der Katholischen Kirchenstiftung St. Lambertus Thulba wäre eine Kostenübernahme bis zu 50 Prozent der Gesamtkosten möglich, allerdings maximal bis zum Betrag von 4160 Euro, welcher auf dem Spendenkonto verfügbar ist. Der Rat sprach sich einstimmig für die Ersatzbeschaffung aus. Holger Fröhlich machte sich über die Verwendung der alten Glocke Gedanken. Sollte sie nicht als historisch wertvoll eingestuft werden, sprach er sich dafür aus, sie einzuschmelzen und als Gussmaterial für die neue Glocke zu verwenden.

Ina Pfeufer stellte ihren Bericht zur Gemeindejugendarbeit mit den Schwerpunkten Jugendpolitik und Offene Jugendarbeit im Markt Oberthulba vor. So bestehe bei der Jugend oft der Wunsch nach ungezwungenem Beisammensein, sei es bei Brunch, Pizzaessen, Aktionen zum Thema Umwelt oder Skaten und Biken. Als Aktionen hob Pfeuffer die Digitale Vernissage oder den Weihnachtszauber aus der Tüte hervor. Mit der Pandemie sei es zu einem Digitalisierungsschub gekommen, wobei diese Art von Kontakt nicht die gewohnt pädagogische Qualität aufweise. Wo und wann immer es möglich sei, schaffe sie Anreize, um Unternehmungen nach draußen zu verlegen. Die Wiederbelebung des Jugendcontainers werde aktuell forciert, aber die Beschaffung von Baumaterialien gestalte sich schwierig. Margot Schottdorf bedankte sich bei Pfeuffer für die gute und vielfältige Jugendarbeit, die auch Einzelberatungen einschließe. "Es ist gut für die Jugendlichen, wenn sie eine Ansprechpartnerin für Probleme haben, die sie vielleicht im Elternhaus nicht ansprechen können oder wollen", sagte 2. Bürgermeister Jürgen Kolb, der die Sitzung auch leitete.

Zwei Tempomessungen - in den Ferien und in der Schulzeit - wurden in der Waldstraße in Oberthulba durchgeführt. In den Ferien seien bei 10,3 Prozent von 989 Fahrzeugen und in der Schulzeit bei 34,8 Prozent von 2557 Fahrzeugen Geschwindigkeitsüberschreitungen festgestellt worden. Dies lasse nicht zuletzt auf die große Anzahl von Eltern-Taxis schließen, die zudem auf dem Weg zur Schule noch zu schnell unterwegs seien, mutmaßte Geschäftsführerin Nicole Wehner.