"Dichter, Denker, Dachbodenbewohner - Leben auf Schloss Greifenstein" lautet der Titel der neuen Sonderausstellung im Museum Herrenmühle. Die Ausstellungsidee ist entstanden im Rahmen des Konversionsmanagements des Landkreises Bad Kissingen. Es handelt sich dabei um ein Kooperationsprojekt der Stadt Hammelburg (Museum Herrenmühle) und der Bundeswehr, Standort Hammelburg (Regionalausstellung). Die beiden Einrichtungen haben schon in der Vergangenheit erfolgreich zusammengearbeitet.

Das Rahmenkonzept haben Museumsleiterin Elfriede Böck und Christoph Joa, der die Regionalausstellung des Bundeswehr-Dienstleistungszentrums im Lager betreut, entworfen. Feinkonzept und die Gestaltung einer mobilen Ausstellung stammen von Petra Tiblas und Léon Homeyer von der Agentur Eydos in Würzburg. "Sie ist innovativ gestaltet und aus nachhaltigem Material gefertigt, Transport und Aufstellung können leicht gehandhabt werden", sagte Tiblas.

Bürgermeister Armin Warmuth ging in seinem Grußwort noch einmal auf die schwierige Zeit für die Kultur und auf die gute Zusammenarbeit zwischen Lagerberg und der Stadt Hammelburg ein. Er erinnerte an die schon fast legendären Bonnlandfeste und jetzt ziehe das Schloss ins Museum ein.

Verantwortung für viele Denkmale

Der Fokus richte sich auf die Familie von Gleichen-Rußwurm, vor allem auf Emilie, der jüngeren Tochter Friedrich Schillers. Nicht zu Unrecht spreche man noch heute vom "Schillerschloss in Unterfranken", hatte Emilie doch ein Museum für ihren Vater auf Greifenstein eingerichtet und die Erinnerung an den großen deutschen Dichter gepflegt.

Zu sehen ist unter anderem ein handgeschriebener Brief von Emilie, den sie jungvermählt auf Greifenstein schrieb. Sie berichtet darin von ihrer Abreise aus Weimar und über ihr neues Leben in Bonnland. Unter anderem schreibt sie darin: "Wir haben überhaupt einige angenehme Nachbarschaften, welche mich schon zu Besuchen veranlasst haben, doch in Hammelburg selbst bin ich nicht gewesen, nur das schöne Saaleck hab ich besucht und mich der schönen Aussicht erfreut".

Mit der Übernahme 1956 des seit 1895 bestehenden Truppenübungsplatzes habe die Bundeswehr auch die Verantwortung für die vielfältige Geschichte der genutzten Landschaft übernommen, sagte der Dienststellenleiter Bundeswehr Axel Drzeszkowiak. Diese Verantwortung erstrecke sich auf viele Denkmale, nicht zuletzt auch auf das Schloss Greifenstein mit seiner beeindruckenden Geschichte. Die aktuell laufende Sanierung sollte diesen Sommer abgeschlossen sein. Ihm sei sehr wohl bewusst, dass viele Menschen noch starke emotionale Bindungen zu dieser Landschaft haben.

Gerade die Familie Glöckner, die nach dem Krieg im Schloss gewohnt habe, zeige durch ihre Teilnahme an der Eröffnung der Sonderausstellung diese emotionale Bindung zur Region.

Aus diesen Gedanken heraus sei in enger Zusammenarbeit und in Kooperation mit der Stadt Hammelburg aus einem Informationsstand diese Ausstellung entstanden. Sein Dank galt auch den vielen Unterstützern, die mit viel Einsatz, Recherchen und Durchforstung von Archiven zum Gelingen beigetragen hätten.

Im Anschluss führten Böck und Joa in Gruppen durch die Ausstellung, die sich nicht galeriehaft präsentiert. Im Vordergrund stehen vielmehr die Personen, die ehemaligen Bewohner, die auf großen bunten Tafeln zu Wort kommen. Das historische Kinderfoto der Familie Glöckner wurde jetzt 1:1 mit den erwachsenen Personen nachgestellt und abgedruckt. Begleitende Exponate sind nur dann in Vitrinen untergebracht, wo es wirklich notwendig war. Ansonsten eher wie zufällig szenenhaft präsentiert, wie die Originalwerke von Ludwig von Gleichen-Rußwurm auf einer Malerstaffel wie im Atelier.

Es gibt noch sonderbare Bewohner

Und ja: Das Schloss ist bis heute bewohnt. Von Geschöpfen, die mit den Ohren sehen, mit den Händen fliegen und mit dem Kopf nach unten schlafen. Die Auflösung des Rätsels erwartet die Besucherinnen und Besucher in der Ausstellung. Die Ausstellung wird im Anschluss im Lichthof Bad Kissingen und auf Schloss Greifenstein gezeigt.