Vor 20 Jahren war Peter Plewe ein Exot unter den Winzern im Saaletal. Er war der Erste, der ein Weingut nach biologischen Anbaumethoden ausrichtete. Er habe es damals aus Überzeugung gemacht, sagt Plewe. Heute geht er sogar noch einen Schritt weiter.

Mit dem 2014er Jahrgang bietet Plewe über alle Sorten hinweg veganen Wein an. Für ihn sei es eine "konsequente Geschichte", sagt Plewe. "Es ist für mich logisch, öko-logisch."

Im Traubenmost sind Stoffe fein verteilt die bereits den Saft oder später den Wein trüben können. Daher klären Winzer den Most häufig in einem speziellen Verfahren vor: Die so genannte Flotation trennt die Trubstoffe vom Saft. Um den Prozess zu unterstützen, kommt Gelatine zur Anwendung. Auf die verzichtet Plewe nun. Stattdessen nutzt er ein Produkt auf Kartoffelbasis. Das habe einige Versuchsdurchgänge erfordert, erklärt Plewe.

Homöopathie im Weinberg

Experimentierfreudig zeigt sich auch das Weingut Schloss Saaleck. Ulrike und Thomas Lange wollen junge Reben vor der Pflanzung mit Arnika-Globuli stärken, indem sie die Wurzeln in Wasse mit dem homöopathisch Mittel tauchen. Der Betrieb steht vor dem Abschluss einer dreijährigen Umstellungsphase. Die muss jedes Weingut durchlaufen, bevor es als Biobetrieb gilt.

Das Weingut Baldauf hat diese Übergangszeit gerade beendet und kann die ersten Bio-Weine präsentieren. Auf die Frage, warum sie den Betreib auf biologischen Anbau umgestellt haben, antwortet Gerald Baldauf mit der Gegenfrage: "Warum nicht?" Für ihn stärkt Bio die regionale Identität des Weins. Es mache ihn authentischer.
Wie die anderen Winzer nennt Baldauf aber vor allem die positiven Auswirkungen auf die Natur. Die Bodenfruchtbarkeit verbessere sich, die Artenvielfalt im Weinberg steige.

Allerdings bedeutet Bio-Anbau mehr Aufwand. Der Winzer muss häufiger raus, um zu beobachten, was sich zwischen den Rebzeilen abspielt. Synthetischer Dünger ist nicht erlaubt. Der Winzer kann nur die Bildung von Humus unterstützen, indem er zwischen den Zeilen Einsaat wachsen lässt und sie dann untermulcht. Zum Schutz des Ertrags sind nur bestimmte Pflanzenstärkungsmittel erlaubt, die zum Beispiel Backpulver enthalten.

Wegen der Einschränkungen muss der Bio-Winzer mit einem geringeren Ertrag rechnen als der konventionelle Weinbauer. "Das Risiko scheuen deshalb wohl noch einig", sagt Gregor Schmid. Die Familie Schmid ist unter den genossenschaftlichen Winzern im Saaletal der einzige Lieferant von Bio-Trauben. Schmid geht aber davon aus, dass in den kommenden Jahren weitere Weinbauern auf die Bio-Schiene umschwenken werden. Er meint: "Es ist keine Modeerscheinug." Häufig ist eine Umstellung mit einem Generationswechsel verbunden.

"In den 1980er Jahren hat man keinen Weinberg gesehen, der etwas Grünes zwischen den Rebzeilen hatte", erinnert Plewe. Doch die Zeiten, als alles gedankenlos tot gespritzt wurde, sind vorbei. Denn auch Betriebe, die kein Öko-Label führen, achten auf einen naturschonenden Anbau. Es gibt sogar eine neue fränkische Jungwinzergruppe, die eigene Richtlinien für einen nachhaltigen Weinbau formulieren will - unabhängig von der gewohnten Bioklassifizierung. Mit den Jungwinzern der Betriebe Neder, Six, Hümmler, Ruppert und Müller ist das Saaletal in der Gruppe zahlenmäßig stark vertreten.