Am Montag erst Stadtrat und dann Gemeinderat Elfershausen, am Dienstag in Fuchsstadt und kommenden Dienstag in Oberthulba: Burkhard Oschmann, Geschäftsführer des Abwasserzweckverbands (AZV) Thulba-Saale, hat derzeit viele Abendtermine. Zunächst stellt er in den vier Mitgliedsgemeinden des AZV das erarbeitete Konzept zur interkommunalen Klärschlamm-Entsorgung vor, danach will er auch in die Gemeinden gehen, deren Anschluss geprüft wurde, also Aura, Euerdorf, Sulzthal, Ramsthal und Wartmannsroth.

Die Zeit drängt: "Wir brauchen bis Juni eine Entscheidung", betont Oschmann. Denn bis Oktober müssten die Kooperationsverträge unterschrieben werden, damit noch heuer der Antrag auf eine wegen Corona erhöhte Förderung gestellt werden könne: Oschmann hofft auf 40 Prozent Zuschuss. In Betrieb gehen soll die Anlage im Jahr 2024.

Die Förderung hänge auch von der Rückmeldung der Gemeinden ab: Laut der Richtlinien sei "eine Vielzahl von Kommunen" für das Projekt notwendig. Wie viele genau, habe ihm niemand sagen können. Er gehe aber davon aus, dass mindestens drei der fünf Gemeinden mitmachen müssten, sagte Oschmann auf Nachfrage der Redaktion. Technisch gebe es ansonsten keine Beschränkungen.

Gespannt ist Oschmann auch, wie lange die Bundeswehr für eine Entscheidung braucht: Das Konzept sieht die Entsorgung des Klärschlamms von zwei Kläranlagen auf dem Lagerberg vor. Da es um langfristige Verträge und eine Festlegung für viele Jahre gehe, könnte die Entscheidung möglicherweise bis ins Bundesverteidigungsministerium weitergereicht werden.

"Es ist ein Angebot an die umliegenden Gemeinden, sie müssen nicht", stellte der Hammelburger Bürgermeister und AZV-Vorsitzende Armin Warmuth in der Stadtratssitzung klar, und: "Den Mitgliedsgemeinden entsteht kein Nachteil." Laut Geschäftsführer Oschmann müssen die AZV-Mitgliedsgemeinden auch nicht in ihren Gremien über das Konzept abstimmen. Nach Auskunft des Landratsamtes handle es sich um einen Aspekt der Abwasserentsorgung, über den die Verbandsversammlung entscheiden könne. Trotzdem ist es Oschmann wichtig, alle Gremien aus erster Hand zu informieren: "Es gibt ja auch viele neue Stadt- und Gemeinderäte, die noch Fragen zum AZV haben."

Im Hammelburger Stadtrat kam die Frage auf, ob in Zukunft der Phosphor im Klärschlamm genutzt werde. "Das ist einer der knappsten Rohstoffe, die wir auf der Welt haben", sagte CBB-Stadtrat Reinhard Schaupp. Oschmann verwies darauf, dass aktuell bei der thermischen Verwertung zusammen mit anderen Brennstoffen in Karlstadt der Phosphor nicht aus der Asche zurückgewonnen werden kann. Allerdings würden mehrere neue Verfahren entwickelt. Die Politik habe das Ziel ausgegeben, langfristig 50 000 bis 60 000 Tonnen Phosphor im Jahr aus Klärschlamm zu gewinnen, um weniger auf Importe angewiesen zu sein.

Auch in Elfershausen gab es unter anderem Nachfragen zur Kooperation mit Karlstadt. Der relativ kurze Weg dorthin sei wichtig für das Konzept, betonte Oschmann, weil auch dadurch Energie und damit Kohlendioxid eingespart werde. Die Machbarkeitsstudie geht von jährlich rund 115 Fahrten mit dem entwässerten Schlamm zur thermischen Verwertung ins Zementwerk Karlstadt aus. Für das Einsammeln des Nass-Schlamms in den insgesamt elf Kläranlagen rechnen die Experten sogar mit 250 Fahrten pro Jahr nach Hammelburg. Deshalb sei das interkommunale Konzept auch auf die Region Hammelburg begrenzt. Außerdem müsse der Klärschlamm regelmäßig abgeholt werden. "Wir brauchen ihn in möglichst frischer Form", sagte Oschmann im Stadtrat. Nur so könne er im Faulturm behandelt werden. Vorteile: Das Methan kann zur Energiegewinnung genutzt werden, rund 17 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr werden eingespart und die Schlamm-Menge reduziert sich. Durch die kontinuierliche Klärschlamm-Behandlung könne auch das anfallende Filtratwasser besser aufbereitet werden.

Oschmann berichtete, dass der AZV bereits seit Frühjahr 2019 keinen Klärschlamm mehr auf Feldern ausbringen könne. Rechtlich sei dies zwar noch möglich, aber Landwirte stellten keine geeigneten Flächen mehr zur Verfügung und die Auflagen würden immer höher.

Verband Dem Abwasserzweckverband Thulba-Saale gehören die Stadt Hammelburg sowie die Gemeinden Oberthulba, Elfershausen und Fuchsstadt an. Die Bad Kissinger Stadtteile Albertshausen und Poppenroth sowie der Oberthulbaer Gemeindeteil Schlimpfhof leiten ihr Abwasser über Abnahmeverträge in das Verbandsnetz ein.

Auslastung Aktuell sind an die Kläranlage Hammelburg rund 22 500 Einwohner in 23 Ortsteilen angeschlossen, die Abwässer aus Industrie und Gewerbe entsprechen weiteren 5500 Einwohnerwerten. Die auf 28 000 Einwohner ausgelegte Kläranlage ist damit voll ausgelastet.

Schlamm Aktuell fallen in der Kläranlage rund 14 400 Kubikmeter Nass-Schlamm im Jahr an. In Zukunft soll der Klärschlamm von weiteren elf Kläranlagen verarbeitet werden, an die rund 12 500 Einwohner angeschlossen sind.

Kosten Für die Klärschlamm-Behandlung müssen alleine in der Kläranlage Hammelburg rund 2,4 Millionen Euro investiert werden. Der AZV rechnet damit, dass er selbst rund 1,5 Millionen Euro davon übernehmen muss.rr