Nach fünfjähriger Vorlaufzeit wurde die Städtische Musikschule Bad Kissingen im November 1997 in Betrieb genommen und im Dezember mit einem Festakt eröffnet. Ihr 25-jähriges Bestehen wird heuer mit mehreren Konzerten gefeiert. Nach dem Auftakt mit dem Ensemble Kiss-Percussiva am 19. März folgt am 2. April ein von fortgeschrittenen Musikschülern unterstütztes Lehrerkonzert im Rossini-Saal. Höhepunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten wird der Festakt am 29. September im Max-Littmann-Saal sein.

Nach 25 Jahren ist die Städtische Musikschule ein fester Bestandteil des Bad Kissinger Kulturlebens. Doch bis sie endlich 1997 im ehemaligen Kasernengelände ihren Dienst aufnehmen konnte, hatte es von der ersten Idee des damaligen Oberbürgermeisters Christian Zoll (SPD) bis zur Umsetzung fünf Jahre gedauert. Wichtigste Gründe für die Verzögerung waren der Widerstand des Musikpädagogen Werner Rieck, damals Leiter der erst fünf Jahre zuvor gegründeten privaten Musikschule, und seines Fördervereins, der in Folge zu gegensätzlichen Auffassungen im Stadtrat führte, andererseits aber auch die sinkende Nachfrage nach Musikunterricht und gleichzeitiger Schließung anderer Musikschulen im Landkreis. "Eine solche städtische Einrichtung in der heutigen Zeit ist ein Witz", wurde Rieck nach Bekanntwerden des Gründungsvorhabens im Februar 1993 in der Zeitung zitiert. "Da würden unnötig Steuergelder für eine Minderheitensubvention ausgegeben."

Doch Christian Zoll gelang es, sich die Mehrheit im Stadtrat zu sichern. "Die Stadt bekommt ihre Musikschule", war im Juni 1995 in der Zeitung zu lesen. Alfred Wacker (CSU) sprach der geplanten Einrichtung "höhere bildungs- und kulturpolitische Aufgaben" zu, weshalb der Einsatz öffentlicher Mittel gerechtfertigt sei. Widerstand kam lediglich von den Freien Wählern: Die öffentliche Hand solle nicht Dinge an sich ziehen, um die sich schon private Vereine kümmern. Nach der Sommerpause sollte über Räumlichkeiten nachgedacht werden, die ohnehin dem seit seiner Gründung 1964 im Keller der Kliegl-Schule probenden Jugendmusikkorps versprochen waren.

Zwei weitere Jahre musste der designierte Leiter der Musikschule, Stadtmusikdirektor Rainer Rudisch, damals bereits Chef des Jugendmusikkorps, noch warten, bis endlich im Dezember 1996 das frühere US-Einkaufszentrum im Kasernengelände zur heutigen Musikschule umgebaut wurde und zum Schuljahresbeginn im Sommer 1997 in Betrieb gehen sollte. Doch wegen Bauverzögerung fanden die ersten Unterrichtswochen noch in der Kliegl-Schule statt, bevor man endlich am 14. November die neuen Räume beziehen konnte.

Verschiedene Ensembles

Der wichtigste Unterschied mit Gründung der Musikschule war, dass die bis 1997 nur zur Nachwuchsförderung für das Jugendmusikkorps beschränkte Ausbildung von Bläsern und Schlagwerk-Instrumentalisten jetzt um Tasteninstrumente, Streichinstrumente und Gitarre erweitert und um musikalische Früherziehung ergänzt wurde, erinnert sich der heutige Schulleiter Matthias Zull (51). Im Mittelpunkt der Musikschularbeit steht seitdem das Zusammenspiel in unterschiedlichen Ensembles bis hin zum Jugendmusikkorps, dem musikalischen Botschafter der Stadt, dessen früheres Repertoire aus Blas- und Marschmusik seit Gründung der Musikschule durch konzertante Musik erweitert wurde.

Hinsichtlich der großzügigen Räumlichkeiten und des Standorts zwischen Schulen und Jugendzentrum "haben wir die beste Musikschule weit und breit", ist Stadtmusikdirektor a. D. Bernd Hammer (63) überzeugt, der die Einrichtung von 2001 bis 2020 maßgeblich geprägt hat. Auch dies mag neben der ausgezeichneten Ausbildung ein Grund für die stetig wachsende Schülerzahl gewesen sein, die lediglich nach drastischer Gebührenerhöhung im Jahr 2003 um ein Drittel zurückging, seitdem aber auf fast 850 Schüler aller Altersgruppen anstieg.

"Man hat immer nach Bad Kissingen geschaut", beschreibt Hammer die Bedeutung der Städtischen Musikschule für den gesamten Landkreis und darüber hinaus. "Ohne unsere Musikschule hätte ich nie den Landeswettbewerb ,Jugend musiziert' nach Bad Kissingen bekommen." Noch immer schwärmt er von diesem für die Musikschule so besonderen Ereignis "Das war eine richtige Power-Veranstaltung. Die ganze Stadt stand hinter dem Projekt."

Wichtigste Unterstützung neben der Stadt und allen Eltern der Musikschüler hat die Musikschule im Elternbeirat (Vorsitzende: Christine Metz) und dem seit 2005 von Birgit Eber geführten Förderverein, die die gute Zusammenarbeit lobt. "Unsere Aufgabe ist es, Geld einzusammeln, um die musikalische Ausbildung der Jugendlichen zu unterstützen." Dies gelingt dem über 50 Mitglieder starken Verein ausgezeichnet: "In knapp 20 Jahren haben wir für 55 000 Euro Instrumente gekauft und andere Anschaffungen unterstützt." Ihrer Überzeugung nach hat sich die Musikschule im Laufe ihres Bestehens genau so entwickelt, wie es vor 25 Jahren vom damaligen Oberbürgermeister Christian Zoll gedacht war.