Nach fast zwei Jahren ist es soweit: Die Burgstraße in Reiterswiesen ist keine Baustelle mehr und für frei für den Verkehr. Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) weihte die neue, vollausgebaute Straße am Dienstag mit einer kleinen Zeremonie ein. Der Weg bis zur Einweihung war jedoch nicht ohne Hürden. Nach dem Baubeginn im Frühjahr des vergangenen Jahres folgten einige Querelen. Die Stadt stritt sich unter anderem mit der Baufirma. Für einige Wochen ruhten deshalb sogar die Bauarbeiten.

Im Mai diesen Jahres äußerte sich Marcel Zimmermann von der städtischen Tiefbauverwaltung gegenüber der Redaktion hierzu: "Es geht um unterschiedliche Auffassungen bei der Ausführung der Kabelbauarbeiten." Auch wenn die Baustelle mittlerweile abgeschlossen ist, herrscht noch immer kein Burgfrieden in Sachen Burgstraße. Dennie Back, der Sachbearbeiter für das Projekt, kommentierte die Situation: "Ob es eine juristische oder gütliche Einigung gibt, klären wir momentan noch."

Probleme beim Bau

Gehakt hatte es weiterhin am Kreuzungsbereich mit der Kissinger Straße. Die Einmündung war früher breiter ausgelegt. Die Stadt hatte sie beim Neubau nach geltenden Richtlinien schmaler gebaut. Damit sollte der Verkehr verlangsamt werden. Das Problem: Testfahrten zeigten, dass Busse und Lkw es an der Kreuzung bei Begegnungsverkehr schwer haben. In Folge musste die Stadt die bereits fertige Einmündung nachträglich wieder verbreitern.

Durch derlei Probleme verzögerte sich die Fertigstellung vom Sommer zum diesjährigen Herbst. Damit hält die Stadt ihr im Mai 2021 gegebenes Wort, spätestens bis zum Ende diesen Jahres fertig mit der Burgstraße zu sein.

Wort hielt die Verwaltung weiter bei den Kosten. "Wir bewegen uns im Haushalt-Ansatz",machte Dennie Back deutlich. Dort hatte die Kämmerei die Summe von 2,26 Millionen Euro für den Bereich der Burgstraße veranlagt. Davon entfallen rund 990 000 Euro auf den neuen Kanal und 1,27 Millionen Euro für die Straße. Einen Teil der Kosten trägt der Freistaat. Er steuerte etwa 635 000 Euro an Fördergeldern bei.

Sehr schlechter Zustand

Handlungsbedarf herrschte in der Burgstraße, weil sowohl an der Straße selbst, als auch in deren Untergrund die Lage desolat war. Die Kanäle waren unterdimensioniert und Witterung, Alter und zahlreiche Reparaturen hatten ihre Spuren an der Straße hinterlassen. In Folge entschloss sich die Stadt zum Vollausbau auf einer Länge von 385 Metern. Die Stadtwerke erneuerten in dem Zuge die Straßenbeleuchtung, Strom- und Wasserleitungen und verlegten eine neue Gasleitung im Wohnweg. Telekom und Vodafone schlossen sich dem Projekt ebenfalls an und nutzten die Möglichkeit, ihr Netz zu ertüchtigen. "Wir haben das gemeinsam mit den Partnern gemacht, weil es so billiger kommt", teilte der OB mit. "Ich wünsche mir, dass die Straße lange hält und wir sie so schnell nicht wieder aufmachen müssen."

Freude bei Anrainern

Zufriedenheit über die neue Straße herrschte auch beim Heimatverein vor. "Mit dem neuen Fahnenmast und der Fahne an der Kreuzung sieht jeder Gast gleich, dass hier der Aufgang zur Burg ist", sagte Ludwig Metz vom Reiterswiesener Verein. "Ich bin froh, dass es geklappt hat und die Burgstraße fertig ist. Wir wollen kommendes Jahr unser Burgfest feiern."

"Es ist schön, dass es rum ist. Die Baustelle hat sich gezogen. Gut war, dass man mit den Bauarbeitern gut klargekommen ist", meint Thiemo Schroll, ein Anwohner aus der benachbarten Höhenstraße, die als Umleitung diente. "Die Höhenstraße ist wegen des vielen Verkehrs jetzt in keinem guten Zustand mehr."

Dass in Bad Kissingen vielerorten Handlungsbedarf herrscht, wird Steffen Hörtler (CSU-Fraktionssprecher) nimmermüde zu betonen. "Es ist zwar ein sehr schöner Tag für Bad Kissingen und die Reiterswiesner, aber wir haben noch viele Straßen zu machen. Ich würde mir wünschen, dass wir in den nächsten Jahren alle zwei Monate so eine Einweihung hätten. Die Stadt hätte es notwendig."

Damit spielte er auf die jüngst im Stadtrat thematisierte Priorisierung der Straßenbau-Projekte an (wir berichteten). In den kommenden Jahren will die Stadt knapp 20 Millionen Euro in die Infrastruktur investieren. Denn: Vielerorts ist diese in die Jahre gekommen. Sie muss an die Gegenwart und Zukunft angepasst werden. Im Bereich der Steinstraße sollen beispielsweise 545 Meter neuer Kanal, 570 Meter neue Wasser-, 690 Meter neue Gas- und 690 Meter neue Gasleitungen entstehen. Hinzu kommen noch 680 Meter neue Stromkabel. Die Kosten liegen bei etwa 5,7 Millionen Euro. Frühestmöglicher Beginn ist Anfang 2023.

Im Karree der Zoller- und Scheffelstraße investiert die Stadt rund 8,74 Millionen Euro. Dort könnten womöglich ab 2023 die Bagger rollen. Hier muss auf fast einem Kilometer neue Infrastruktur in die Erde. Ein weiteres Großprojekt ist der Stauraumkanal im Bereich der Kurhausstraße. Die Kosten: 4,9 Millionen Euro. Auf fast 900 Meter Länge herrscht Sanierungsbedarf.